Fürstenfeldbruck Dieser Supermarkt verschenkt Lebensmittel, bevor sie im Müll landen

Ragana Cosic und Michael Schipper beim Bestücken der gekühlten "Gratis-Food-Share-Box".

(Foto: Günther Reger)
  • Ein Supermarkt in Buchenau verschenkt noch genießbare Lebensmittel am Tag des Mindesthaltbarkeitsdatum.
  • Die Produkte auch danach noch bereitzustellen wäre riskant, denn Kunden könnten bei gesundheitlichen Folgen Schadenersatz fordern.
  • Der Supermarkt möchte so ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen.
Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Das Amper-Einkaufszentrum macht seinen Kunden in der Niederlassung Buchenau kostenlos Produkte zugänglich, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erreicht ist. Jenseits der Kassen wurden ein Kühlschrank sowie ein Regal aufgestellt. Damit will der Supermarkt unter dem Motto "Zu gut für die Tonne" einen Beitrag leisten für den Ressourcenschutz.

AEZ-Chef Udo Klotz hatte schon länger überlegt, wie sich die noch gut zum Verzehr geeigneten Lebensmittel - vor allem Milchprodukte, aber auch Fertiggerichte, Konserven oder Nudeln - noch verwerten lassen und man einem besorgniserregenden Trend entgegenwirken könnte: Laut Universität Stuttgart wirft jeder Deutsche pro Jahr etwa 82 Kilogramm Lebensmittel weg. Davon wären etwa zwei Drittel noch problemlos verwertbar gewesen. Der Handel sei mit etwa fünf Prozent beteiligt, die Haushalte mit etwa 61 Prozent, heißt es.

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In den Supermärkten, die von Udo Klotz und seinem Bruder Klaus geleitet werden, wird Ware einige Tage vor Erreichen des MHD bereits standardmäßig mit leuchtend roten Punkten markiert und zum halben Preis verkauft. Ein ähnliches Prinzip gibt es bei einigen Discountern. So bietet Aldi in solchen Fällen einen 30-prozentigen Nachlass an. Ist das MHD aber erreicht, das hatte eine Anfrage des AEZ beim Landratsamt ergeben, müsste der Anbieter "voll ins Risiko gehen", wenn er die Ware noch in den Verkehr bringt. Kaum kalkulierbar, wenn Konsumenten dann Schadenersatz einfordern, weil ihre Bauchschmerzen angeblich auf den Verzehr solcher Produkte zurückzuführen sind. Das ist auch der Grund, weshalb die Tafeln, die kostenlose Lebensmittel an Bedürftige ausgeben, das MHD ebenfalls immer sehr genau im Blick haben.

In dem Markt am Kurt-Huber-Ring werden nun Waren, deren MHD exakt erreicht worden ist, vom Personal meist im Laufe des Vormittags in Kühlschrank und Regal gestellt. Bedienen sich die Kunden nicht, dann freilich landen sie am darauffolgenden Tag doch noch dort, wofür sie eigentlich zu schade sind: im Abfall.

Udo Klotz will genau beobachten, ob das Angebot angenommen wird. In zwei oder drei Monaten will er entscheiden, ob das Konzept auch in den anderen zehn AEZ-Märkten in der Münchner Region eingeführt wird. Denkbar wäre es zudem, das Angebot auf Obst und Gemüse auszudehnen, das nicht mehr für den Verkauf geeignet ist - auf Wochenmärkten und in Bioläden ist es bereits üblich, Kunden überreife Produkte oder solche mit Druckstellen gratis als Dreingabe mitzugeben.

Klotz hofft, dass Kunden nicht einfach zugreifen und dann auf den Kauf anderer Waren verzichten, sondern dass sie "das eingesparte Geld für höherwertige Produkte ausgeben", etwa aus ökologischer Produktion oder aus regionaler Erzeugung. Gleichwohl versichert er, es gehe hier nicht darum, dass sich alles bis auf den letzten Cent rechnet. Es sei vielmehr ein höchst persönliches Herzensanliegen, der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken und "ein Zeichen zu setzen". Allein die punktgenaue Auslistung aus dem Warenerfassungssystem und Abschreibung der Produkte bedeutet einen logistischen Mehraufwand.

Bereits seit gut drei Wochen gibt es im Amper-Einkaufszentrum in der Buchenau die "Futterkiste", die nun genau neben Kühlschrank und Regal steht. Dort landet jeden Tag frisches Grünzeug, das in dem Supermarkt aussortiert wird, wie etwa Salatblätter. Was normalerweise im Biomüll landen würde, lässt sich noch trefflich als Futter für Hasen und andere Kleintiere verwenden.

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