Die Dritte Startbahn und ihre Folgen Keine Markisen, kein Maibaum

Wolfgang Herrmann vom Bürgerverein (links) und OB Tobias Eschenbacher (rechts) informieren Florian von Brunn (2. v. l.) und Isabell Zacharias (3. v. l.).

(Foto: Lukas Barth)

Landtagsabgeordnete der SPD informieren sich in Freising über die Folgen einer dritten Startbahn für die Bürger.

Von Clara Lipkowski, Freising

Sie ist das Dauerthema im Landkreis, die dritte Startbahn. Wie es in den Orten tatsächlich um Lärmbelästigung und Verschmutzung bestellt ist, davon wollten sich die Münchner Landtagsabgeordneten Florian von Brunn und Isabell Zacharias (beide SPD) selbst ein Bild machen. Am Mittwochnachmittag kamen sie zur Ortsbegehung nach Attaching, von dort ging es auf den Domberg und anschließend nach Pulling, organisiert von den Startbahngegnern von Aufgemuckt.

Beim ersten Treffpunkt am Attachinger Maibaum sagte Michael Buchberger von der Bürgerinitiative Attaching: "100 bis 150 Meter direkt über uns würden die Flugzeuge fliegen." Die Bahn ist so geplant, dass sie nördlich der bisherigen zwei Bahnen gebaut und somit sehr nah an Attaching heranreichen würde. Die Folge wären noch mehr Lärm und Feinstaubbelastung. "Attaching hat seit 2005 so gut wie keine Entwicklung mehr, es gab gerade einmal zwei Neubauten", sagte Buchberger. Der Grund: "Es traut sich keiner mehr zu bauen. Kommt die Bahn, ist knapp die Hälfte des Ortes nicht mehr bewohnbar." Man erwarte Windböen von einer Windstärke 6, alltägliche Dinge wie Sonnenschirme und Markisen wären nicht mehr denkbar; auch müsse der Maibaum weichen. Das Sportzentrum im Ort wäre kaum mehr betreibbar, sagte er, die Flugzeuge würden direkt über die Köpfe der Sportler fliegen.

Erschreckende Belastung

Ein Bürgerverein misst hohe Konzentrationen von Ultrafeinstaubpartikeln in der Luft und macht den nahen Flughafen dafür verantwortlich. Laut der Lungenärztin Adelheid Bisping-Arnold sind Feinststäube "hochgefährlich und hochbrisant". Von Johann Kirchberger mehr ...

"Wie kann das sein, dass Herr Söder jetzt in beiden Aufsichtsräten, vom Flughafen München und Flughafen Nürnberg ist?

Auch Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) war trotz Urlaubs erschienen und erklärte Isabell Zacharias anhand einer Karte: "Die Bahn nimmt uns Entwicklungsmöglichkeiten weg." Mit Blick auf den Zuzug und Wohnungsmangel sagte er: "Dann können wir höchstens noch Lücken schließen." Eine dritte Bahn würde den Flughafen etwa 1200 Meter näher an die Domstadt rücken. Die beiden Abgeordneten waren im November 2016 bereits in Erding unterwegs, dort sind auch ganze Orte wegen der Startbahn in Aufruhr. Nun wollten sich die Politiker in Freising ein Bild machen, sagte Helga Stieglmeier von der Startbahngegner-Gruppe "Aufgemuckt", die beide zu den betroffenen Orten in Freising führte. Von Brunn und Zacharias sind erklärte Startbahngegner.

"Mich müsst ihr nicht mehr überzeugen, ich bin ganz eurer Meinung", betonte Zacharias noch einmal. Sie ließ es sich nicht nehmen, in Richtung CSU zu poltern: "Wie kann das sein, dass Herr Söder jetzt in beiden Aufsichtsräten, vom Flughafen München und Flughafen Nürnberg ist, die klar wirtschaftlich orientiert sind? Da kannibalisieren sie sich ja. Es ist absurd, wie Söder unterwegs ist." OB Eschenbacher kam auf den Flugverkehr im Allgemeinen zu sprechen: "Dass es überhaupt noch Flüge von München nach Nürnberg gibt, versteht ja kein Mensch". Von Brunn regte an, über alternative Konzepte nachzudenken: "Man könnte mehr Flüge in Deutschland auf die Bahn verlegen."

Die FMG selbst misst keinen Ultrafeinstaub. Es gebe keine gesetzlichen Grenzwerte, heißt es

Später, auf dem Aussichtsplatz des Dombergs, war das Thema der Ultrafeinstaub. Der wird bisher von der FMG mit der Begründung, dass es dafür keine gesetzlichen Grenzwerte gebe, nicht gemessen. "Grenzwerte sind auch Unsinn", sagte Reinhard Kendlbacher vom Bürgerverein Freising (BV), "die Flugbewegungen müssen reduziert werden." Der BV hatte ein Messgerät für Ultrafeinstaub gekauft und im Landkreis teils erschreckend hohe Partikelmengen gemessen.

Auf die Frage, wie sie zur Aussage des Münchner OB Reiter stehe, der einen neuen Bürgerentscheid 2018 ins Spiel gebracht hatte, sagte Isabell Zacharias: "Die Münchner SPD steht stramm hinter dem Bürgerentscheid." Es sei der Koalitionspartner, der die SPD zu einer neuen Abstimmung treiben wolle. "Wir sehen keinen Bedarf, dafür gibt es keine Datengrundlage."

In Pulling berichtete Kendlbacher von einem Anwohner, der neue Lärmschutzfenster brauche, für die die FMG aber nicht aufkommen wolle. Eine Anwohnerin berichtete, es kursierten seit langem Gerüchte, die Förderschule im Ort müsse abgerissen werden, wenn die 3. Bahn kommt. Da wurde Zacharias hellhörig, sie wolle die Staatsregierung dazu befragen. Auch von Brunn versprach, etwas aus Freising mitzunehmen: Er will die Ultrafeinstaubmessungen des BV in einer Anhörung im Landtag thematisieren.

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