Naherholungsgebiet mit Premiumsiegel Die Isar-Auen als Nationalpark?

Steigerwald und Spessart sind aus dem Rennen, der Auwald bei Freising ist plötzlich mit im Boot bei der Suche nach einem dritten Nationalpark für Bayern. Unsere Aufnahme zeigt die Gegend bei Oberhummel.

(Foto: Stephan Goerlich)

Das Umweltministerium prüft die Ausweisung der Isar-Auen als bayerischen Nationalpark. Zustimmung kommt von den Naturschützern - Freisings Forstamtsleiter ist jedoch skeptisch.

Von Petra Schnirch, Freising

Steigerwald und Spessart sind aus dem Rennen, der Auwald bei Freising ist plötzlich im Gespräch: Auf der Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern klopft das Umweltministerium nun auch das Für und Wider einer gemeinsamen Ausweisung von Donau- und Isar-Auen ab. Ein erster Dialog-Termin findet am Montagabend, 23. Oktober, im Freisinger Landratsamt statt. Größter Konkurrent ist die Rhön. Während sich für Christine Margraf, Artenschutzbeauftragte beim Bund Naturschutz, die Isar-Auen für ein solches Projekt geradezu aufdrängen, zeigt Freisings Forstbetriebsleiter Alfred Fuchs eine gewisse Skepsis, da noch viele Fragen zu klären seien.

Christian Magerl und der Bund Naturschutz hatten die Isar-Auwälder vorgeschlagen ins Gespräch gebracht

Ein flächenmäßig geteilter Nationalpark wäre ein Novum in Bayern, ins Gespräch gebracht hatten die Isar-Auwälder der Freisinger Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl und der Bund Naturschutz. Noch im Mai hieß es aus dem Umweltministerium, dass die Isar-Auen nicht Gegenstand des laufenden Nationalpark-Dialogs seien. Der wird nun aber auch für diesen Bereich angestoßen und die zuständige Ministerin Ulrike Scharf (CSU), die aus dem Landkreis Erding stammt, sagte, "die Isar-Auen könnten zusammen mit den Donau-Auen wegen ihrer hervorragenden ökologischen Wertigkeit qualitativ die Voraussetzungen für einen Nationalpark erreichen". Gleichzeitig betonte sie, dass der Dialog ein offener Prozess sei. Ein wesentlicher Punkt wird die Akzeptanz im Landkreis sein.

Die Chance nutzen

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Wie ein genauer Zuschnitt aussehen könnte, ist noch unklar. Die Renaturierung der Isar zwischen Freising und Moosburg sei beispielhaft in Bayern, sagte Margraf, ebenso der Bereich bei Volksmannsdorferau. Eine Kartierung des Bundes Naturschutz auf den Kiesbänken aus dem Jahr 2015 zeige den Artenreichtum in diesem Lebensraum. Erstmals seit 50 Jahren habe der Flussregenpfeifer dort wieder gebrütet. Die Ausweisung eines Nationalparks wäre für Margraf ein "Premiumsiegel". Außerdem gäbe es dann Ranger, die Spaziergänger und Sportler auf geschützte Brutgebiete hinweisen, die Menschen informieren und sensibilisieren könnten. Etwa 90 Prozent der Auwälder entlang der Isar sind laut Forstbetriebsleiter Fuchs im Besitz der Bayerischen Staatsforsten. Die Flächen von München bis Landshut umfassten etwa 4400 Hektar, innerhalb der Deiche seien es um die 1000 Hektar. Dreh- und Angelpunkt ist für ihn, ob die Isar-Auen auch künftig von Freizeitsportlern und Spaziergängern genutzt werden können. "Das ist ein ausgesprochen beliebtes Naherholungsgebiet." Er sei "in gewisser Sorge", bekannte Fuchs.

Ein Problem sind die Eschen. "Die kränkeln zum Teil sehr stark", sagt der Forstbetriebsleiter

Außerdem wird der Auwald bewirtschaftet - das Ausmaß, in dem dies geschieht, ist immer wieder ein Streitpunkt mit dem Bund Naturschutz. Ein Problem ist laut Fuchs das Eschentriebsterben. In den Auen gebe es 700 bis 800 Hektar reine Eschenbestände und "die kränkeln zum Teil sehr stark". Vor allem an den Waldrändern und entlang der Wege müssten Äste beseitigt werden, bevor sie herunterfallen. Baumarten wie Schwarzpappel oder Flatterulme, typische Auwald-Bewohner, würden zudem gezielt gepflanzt. Auch der Erhalt des seltenen Frauenschuhs sei sehr aufwendig, er brauche unentwegt Pflege, damit das Gelände nicht verbusche. Er sei selber schon gespannt auf die Informationsveranstaltung - und ob solche Eingriffe dann noch möglich wären, sagte Fuchs.

Landtagsabgeordneter Benno Zierer (Freie Wähler) zeigte sich überrascht, dass die Isar-Auen nun in die Überlegungen einbezogen werden. Er würde eine Ausweisung begrüßen, "wenn es Sinn macht", wie er betonte. Eigentlich aber ist er kein Verfechter solcher Parks. Wichtiger sei ihm, dass es, etwa für Schulklassen, jeweils in der näheren Umgebung die Möglichkeiten zu besonderen Naturerlebnissen gebe, erklärte er.

Gerade in einer Wachstumsregion sei es sehr wichtig für die Menschen, dass sie sich in der Natur erholen könnten, sagte Margraf. Dass ein Nationalpark Donau- und Isar-Auen geteilt wäre, beurteilt sie als "nicht optimal, aber zu begründen". Beide Flusssysteme seien unterschiedlich, die Auenwälder die größten und hochwertigsten in Bayern. Einen gestückelten Nationalpark gebe es im Übrigen auch in anderen Ländern, etwa am Neusiedlersee.

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