Drogenfund Wegen Webcam: Polizei schnappt Marihuanazüchter aus Allach

  • Die Kamera verschickt versehentlich Fotos der Plantage an eine fremde E-Mail-Adresse eines Mannes in Wiesbaden.
  • Als dieser die Bilder entdeckt, informiert er die Polizei.
  • Bei einer Wohnungsdurchsuchung finden die Beamten mehrere Waffen und Sprengmittel.
Von Martin Bernstein

Weil eine Webcam falsch programmiert war, hat die Münchner Polizei einen Marihuanazüchter, Waffennarren und Sprengstoffbastler aus Allach überführen können. Der 49-Jährige hatte unfreiwillig via Internet Einblicke in sein verbotenes Tun gewährt. Ein Mann aus dem hessischen Wiesbaden hatte die Aufnahmen ungewollt auf seinem Computer entdeckt und war damit zur Polizei gegangen.

Der Wiesbadener hatte im November im Internet eine Webcam gekauft. Eine Kamera, wie sie etwa als Fotofalle für seltene Tiere verwendet werden kann: Sie löst aus, sobald sie Wärme oder Bewegungen registriert, und sendet die Bilder dann an eine zuvor eingegebene E-Mail-Adresse. Der Mann probierte das Gerät aus, war dann aber offensichtlich doch nicht zufrieden mit dem Resultat. Er schickte die Kamera innerhalb des gesetzlichen Rückgabezeitraums an den Händler zurück. Zuvor führte er einen Reset an dem Gerät durch und löschte alle eingegebenen Daten.

Zumindest glaubte er das bis zum 22. Januar. An diesem Tag traute der Wiesbadener seinen Augen nicht. Da erhielt er nämlich mehrere automatisch verschickte E-Mails, offenbar gesendet von der längst zurückgegebenen Kamera. Auf den Fotos war ein fremder Mann zu sehen. Doch das eigentlich Erstaunliche war, woran dieser Mann arbeitete. Offenbar kultivierte er gerade eine größere Marihuana-Plantage. Der Wiesbadener sicherte die Daten und ging damit zu seiner örtlichen Polizei. Weil jede Aktivität im Netz elektronische Spuren hinterlässt und zurückverfolgt werden kann, wussten die Ermittler schnell, wer der neue Kamera-Eigentümer und unfreiwillige Absender der verräterischen Fotos war. Die IP-Adresse führte die Ermittler zu einem 49 Jahre alten Elektrotechniker aus München-Allach.

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Jetzt waren die für Rauschgiftdelikte zuständigen Beamten vom Münchner Kommissariat 83 am Zug. Mit einem Durchsuchungsbeschluss statteten sie dem Allacher am Montag einen Besuch ab. Im Keller und in der ersten Etage fanden sie zwei professionell betriebene Marihuana-Plantagen und die Überwachungskamera. Die Drogenfahnder stellten 115 Marihuana-Pflanzen "in verschiedenen Wachstumsphasen" sicher, wie Polizeisprecher Carsten Neubert sagt. Der Allacher hatte ganze Arbeit geleistet - 23 der grünen Pflanzen waren fast erntereif. Insgesamt, so schätzen die Experten, hätten die beiden Plantagen einen Ertrag von etwa 700 Gramm Marihuana erbracht.

Im Keller stand auch ein versperrter Waffentresor, in dem der 49-Jährige ganz ordnungsgemäß zwei Langwaffen aufbewahrte, für die er einen Waffenschein besitzt. Es waren so ziemlich die einzigen eindeutig legalen Gegenstände, auf die die Kriminalpolizisten bei der Hausdurchsuchung stießen. Denn im Schlafzimmer des 49-Jährigen - direkt neben dem Zelt für die zweite Marihuana-Zucht - lagen "griffbereit", wie es im Polizeibericht heißt, ein japanisches Samurai-Schwert, ein indianischer Tomahawk und eine Machete.

Unter dem Bett hatte der Allacher laut Polizei außerdem vier Pistolen, zwei weitere Langwaffen und mehrere hundert Schuss Munition gebunkert. In einer Kiste neben dem Bett waren mehrere tausend, offenbar selbst gefertigte Zündkapseln zum Zünden von Schießpulver gebunkert. Außerdem hatte der Allacher noch zwei Jagdmesser im Auto und im Tresor. Die Ermittler fanden heraus, dass der 49-Jährige zusammen mit seiner Lebensgefährtin bei Moos im Landkreis Deggendorf einen renovierungsbedürftigen Bauernhof als Ferienhaus gekauft hatte. Eine weitere Drogenplantage?

Die Münchner Polizei alarmierte die Kollegen in Plattling. Diese durchkämmten zusammen mit einem Einsatzzug der Polizei und zwei Diensthundeführern noch am Montag auch dieses Anwesen. Die Razzia dauerte bis zum Dienstag, beteiligt waren die technische Sondergruppe des Landeskriminalamts und weitere Beamte des Polizeipräsidiums Niederbayern. Rauschgift fanden die Ermittler dort nicht. Aber weitere Überwachungskameras. Und dazu laut Polizeipräsidium Niederbayern mehr als 11 000 Schuss Munition verschiedener Kaliber, etwa 6,5 Kilogramm Schießpulver, Ladeutensilien, erneut große Mengen Zündhütchen, ein Luftgewehr, eine Luftpistole und einen Präzisionsbogen.

Woher der Allacher die Mengen an Waffen und Sprengmitteln hatte und warum er sie hortete, muss nach Angaben von Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl noch geklärt werden. Laut Polizei ist auch noch offen, ob der 49-Jährige mit den von ihm angebauten Rauschmitteln Handel trieb.