Debatte Goppel will Paketpost als Konzertsaal-Standort doch noch durchsetzen

Zu teuer, zu riskant: Die Paketposthalle ist als Konzertsaal-Standort aus dem Rennen - aber nicht, wenn es nach Goppel ginge.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der neue Münchner Konzertsaal soll im Werksviertel gebaut werden, das ist beschlossen. In der CSU-Landtagsfraktion gibt es dennoch immer noch Widerstand.
  • Ex-Wissenschaftsminister Thomas Goppel ist für den zuvor diskutierten Standort Paketposthalle.
  • Er hat durchgesetzt, dass das Thema in der Fraktion noch einmal debattiert wird - mit einem Fragenkatalog, der klingt wie eine Anklageschrift.
Von Christian Krügel

Horst Seehofer (CSU) dürfte eigentlich zufrieden sein: Das Konzertsaalprojekt im Werksviertel, nach 15-jähriger Debatte im Dezember von der Staatsregierung beschlossen, kommt ungefähr in dem Tempo voran, das sich der Ministerpräsident vorgestellt hatte. Spätestens 2018, also noch in seiner Amtszeit, möchte er den ersten Spatenstich auf dem früheren Industriegelände am Ostbahnhof setzen.

Deshalb arbeiten derzeit mehrere Arbeitsgruppen in Kultus-, Finanz- und Innenministerium mit Hochdruck an Finanz-, Betreiber- und Planungskonzepten. In diesen Tagen, heißt es, stehen entscheidende Gespräche mit Grundstücksbesitzer Werner Eckart an, um einen unterschriftsreifen Erbpachtvertrag unter Dach und Fach zu bringen. Und nach SZ-Informationen schwor Horst Seehofer persönlich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei einem Gespräch zu Jahresbeginn darauf ein, dass die Stadt Tempo bei nötigen Planänderungen und Genehmigungsverfahren macht.

"Die Drähte in die Stadtverwaltung hinein sind bei diesem Thema extrem gut und konstruktiv", heißt es dazu aus der Staatsregierung. So dürften Staat und Stadt auch kräftig Druck auf die Bahn ausüben, einen zweiten Fußgängertunnel unter dem Ostbahnhof zum Werksviertel zu graben.

Goppel ist derart verärgert, dass er eine nochmalige Debatte durchsetzt

Alles im Plan also? Nicht ganz. Denn Widerstand gegen die Standortentscheidung gibt es immer noch aus der CSU-Landtagsfraktion. Ex-Wissenschaftsminister Thomas Goppel hatte sich in den vergangenen Monaten zum Fürsprecher für das Konkurrenzprojekt gemacht: eine Musikstadt mit mehreren Konzertsälen in der alten Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke. Eine Expertengruppe hatte aber wegen zu hoher Kosten für den Freistaat und möglicher baulicher Risiken in der denkmalgeschützten Halle eher das Werksviertel als Goppels Wunschstandort empfohlen.

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Die Staatsregierung folgte dem - ohne dass zuvor die CSU-Landtagsfraktion konsultiert worden war. Das hatte den Abgeordneten, der zugleich Präsident des Bayerischen Musikrats ist, derart verärgert, dass er gemeinsam mit dem CSU-Wissenschaftsexperten Oliver Jörg eine nochmalige Debatte des Themas in der Fraktion durchsetzte. Die soll nun am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung der Arbeitskreise Wissenschaft und Finanzen stattfinden. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hatte dafür im Vorfeld schriftliche Fragen gefordert.

Wie eine Anklageschrift gegen die Staatsregierung

Diese Fragen liegen nun vor, doch wohl nicht ganz in der Form, in der es Spaenle erwartet hatte: Der Katalog Goppels liest sich eher wie eine Anklageschrift gegen die Staatsregierung. Diese erkenne nicht das Potenzial und den hohen "Werbeeffekt" einer Musikstadt in der Paketposthalle an, empfinde etwaige Investitionen in den Denkmalschutz nur als Last, aber nicht als staatliche Pflicht, habe zudem im Vergleich der Standorte Kriterien einseitig stark zugunsten des Werksviertels gewertet. Dort aber sei der Platz beschränkt, die Zufahrtssituation unklar, zudem offen, wie weitere Flächen für die Musikhochschule untergebracht werden sollen, und die Außenwirkung gleich null. "Gerade wenn ganz Bayern profitieren soll, brauchen wir mehr als einen Hinterhofkonzertsaal", heißt es in dem Papier.

Kunstminister Spaenle reagiert auf diese als Fragen getarnte Anwürfe extrem verschnupft, kommentiert gegenüber der SZ offiziell aber nur knapp: "Die Formulierung mancher Fragen spricht für sich." Natürlich werde die Staatsregierung am Dienstag aber Antworten liefern.

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Thomas Goppel sagt, er sei "nicht interessiert, großen Krach zu machen": "Aber wir wollen eine vernünftige Sachentscheidung." Ihn ärgere, dass die Staatsregierung nicht die Chance sehen wolle, in der Paketposthalle zusätzlich Platz für die Musikhochschule, für das Staatsballett, für weitere Orchester und Übungsräume zu schaffen. Zudem seien die Kosten für Erwerb und Sanierung der Halle künstlich hochgerechnet worden, während die Lasten durch einen Erbpachtvertrag im Werksviertel nicht transparent dargestellt worden seien.

Er möchte daher, dass die Fraktion bei der Staatsregierung eine nochmalige Gegenüberstellung der Projekte durchsetzt. "Weitere sechs Monate tun uns nicht weh", sagt Goppel. Seine Chancen werden aber in der CSU-Landtagsfraktion als äußerst gering eingeschätzt. Die Investitionskosten und die Risiken in der Paketposthalle seien einfach zu hoch. Und es gebe wichtigere Themen, bei denen sich ein Konflikt mit Ministerpräsident Horst Seehofer lohne, heißt es.