Kabinettsentscheidung Münchner Konzertsaal soll am Ostbahnhof gebaut werden

Im neuen Werksviertel am Ostbahnhof soll der neue Münchner Konzertsaal entstehen - und so könnte das dann aussehen. Simulation: Steidle Architekten

  • Das bayerische Kabinett hat entschieden: Das neue Münchner Konzerthaus soll im Osten der Stadt gebaut werden.
  • Ein Grund für die Entscheidung sei "die zeitliche Verfügbarkeit mit einer möglichen Inbetriebnahme bis Ende 2021", teilt die Staatskanzlei mit.
  • Ein weiterer Grund ist die Finanzierung: Der Bau am Ostbahnhof auf dem Gelände einer ehemaligen Knödel-Fabrik birgt ein geringeres finanzielles Risiko als auf dem Gelände einer alten Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke.
Von Christian Krügel und Wolfgang Wittl

Münchens neues Konzerthaus soll im Werksviertel am Ostbahnhof gebaut werden. Die bayerische Staatsregierung hat am Dienstagvormittag beschlossen, mit dem dortigen Grundstücksbesitzer Werner Eckart die Verhandlungen fortzusetzen und parallel dazu alle Voraussetzungen für entsprechende Planänderungen und Bauvorbereitungen voranzutreiben. Ziel ist es, bis zum kommenden Sommer so weit voranzukommen, dass ein Architektenwettbewerb gestartet werden kann. Im besten Fall könnte dann Herbst 2019 mit dem Bau begonnen werden und 2021 zum ersten Mal Musik im neuen Haus erklingen.

"Wir werden bis 2018 im Werksviertel unumkehrbar die Weiche für einen Konzertsaal in München stellen", so Kultusminster Ludwig Spaenle (CSU). Der Bau müsse höchsten musikalischen Anforderungen gerecht werden, am Ostbahnhof könne "ein Kreativviertel mit Klassik und Moderne" entstehen.

Die Entscheidung könnte einen Schlusspunkt unter eine fast 15 Jahre dauernde Debatte setzen, in deren Verlauf fast 40 Standorte in München diskutiert worden waren und Ministerpräsident Horst Seehofer das Projekt vorübergehend ganz auf Eis legen wollte. Nach einem Proteststurm der Münchner Musikfreunde und der internationalen Klassikszene ließ die Staatsregierung im Sommer vom Stadtplanungsbüro Speer und Partner noch einmal fünf Standorte untersuchen und hat empfohlen, über zwei Projekte konkret weiterzuverhandeln: die Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke und eben das Werksviertel.

Ein perfekter Standort für den Konzertsaal

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Am Dienstag legte Spaenle nun das Ergebnis dieser Verhandlungen vor: Der neue Konzertsaal sollte "am Standort Werksviertel im Wege einer staatlichen Baumaßname realisiert werden". Heißt konkret: Der Freistaat muss sich mit Werner Eckart über die Konditionen für das Areal einig werden, dann solle er selbst das Haus errichten. Von der Variante, aus der Philharmonie ein gemeinsames Projekt mit privaten Investoren zu machen, wird abgeraten, weil es zu keinen signifikanten Kostenvorteilen führen würde.

Was für das Werksviertel spricht

Für das Werksviertel spreche die zeitliche Verfügbarkeit des Grundstücks, dass unmittelbar mit den Planungen begonnen werden könnte, und vor allem die Kosten. Werner Eckart will das Areal zwar nicht verkaufen, sondern nur in Erbpacht dem Freistaat überlassen. Das lässt er sich auch gut entlohnen: Der Pfanni-Erbe möchte für das gut 8000 Quadratmeter große Areal, auf dem 15 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen sollen, einen Erbpachtzins von 4,9 Prozent des Bodenwertes. Macht einen jährlichen Pachtzins von fast 600 000 Euro, über 50 Jahre gerechnet also 30 Millionen Euro.

Trotzdem sei dies wesentlich günstiger als ein Einstieg bei der Paketpost. Hier taxieren die Experten der Staatsregierung den Grunderwerb auf 45 bis 55 Millionen Euro. Hinzu kämen Instandsetzungskosten von zehn bis 20 Millionen Euro und die Ertüchtigung der Glasfassaden und des Brandschutzes für 30 bis 40 Millionen Euro. Mache auf 50 Jahre gerechnet 85 bis 115 Millionen Euro. Und dann müsse der Freistaat mit einer "denkmalgerechten Totalsanierung bzw. einem Neubau der Halle rechnen" - denn die Experten geben der riesigen Betonkonstruktion aus den 1960er Jahren maximal noch eine Lebenszeit von 50 bis 60 Jahren.

Entscheidend dürfte aber auch gewesen sein, dass sich zuletzt Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters und der Verein der Konzertsaalfreunde für einen Bau im Werksviertel ausgesprochen haben. Und dass Ministerpräsident Horst Seehofer das Projekt noch im Lauf seiner (letzten) Amtszeit beginnen wollte. Daran dürfte letztendlich auch der Standort Finanzgarten gescheitert sein: Für die Grünanlage an der Von-der-Tann-Straße haben alle Experte langwierige Prozesse befürchtet, die mit Sicherheit von Baumschützern angestrengt worden wären. Zudem hatten die staatlichen Gutachter vor erheblichen Problemen bei der Zufahrt zu dem Areal gewarnt.

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