Gärtnerplatztheater Eine samtige Bar, die ein bisschen schräger sein will

Andreas Wachter, Mathias Scheffel, Marc Uebelherr und Wolfgang Thier (von links) im Salon Pitzelberger.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Zwanzigerjahre-Club mit DJs und Klavier: Der Salon Pitzelberger im Keller des Gärtnerplatztheaters will eine neue In-Bar werden.

Von Franz Kotteder

Salon Pitzelberger hieß der Einakter von Jacques Offenbach, mit dem 1865 das Gärtnerplatztheater eröffnet wurde. Salon Pitzelberger heißt aber auch die Bar, die von Donnerstag an dem gerade frisch renovierten Theater neuen, zusätzlichen Schwung verleihen soll. So stellen sich das jedenfalls die drei Betreiber vor, die alle schon viel Erfahrung mit der Münchner Gastro- und Nachtlebenszene haben.

Marc Uebelherr betreibt neben einigen anderen Lokalen das Gast im Gasteig, das Oskar Maria im Literaturhaus und das Oh Julia in der Hofstatt, Uli Springer das Koi und The Grill im Lenbachhaus, und Mathias Scheffel war mehr als 20 Jahre lang Partyveranstalter und führt heute das Filmcasino und das Pacha.

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Diese drei haben sich nun zusammengetan, um den Salon Pitzelberger im Keller des Gärtnerplatztheaters zur neuen In-Bar zu machen. Keine ganz leichte Aufgabe im Gärtnerplatzviertel, das ja im Wesentlichen aus In-Bars zu bestehen scheint, wenn man den Reisehinweisen von hippen Szenemagazinen glauben will.

Andererseits haben die drei allerbeste Voraussetzungen. Ihre neue Bar wirkt edel und gemütlich zugleich, und die Intendanz des Staatstheaters will ja gerade, dass neues Publikum ins Haus kommt. Deshalb durften Uebelherr, Scheffel und Springer, die auch die Kantine und die Pausengastronomie übernommen haben, das Kreuzrippengewölbe unter dem Eingangsbereich des Theaters ganz nach ihren Vorstellungen umgestalten - diese Umgestaltung allerdings auch selbst bezahlen.

Gespart haben sie dabei offenbar nicht. Die Innenarchitektur ließen sie von Nora von Nordenskjöld entwerfen; mit diesem Namen führt man selbstverständlich ein Designbüro namens Novono mit den zwei Standorten Berlin und Lissabon. Nora von Nordenskjöld hat für Scheffel bereits die Innenausstattung des Filmcasinos entworfen; im Gärtnerplatztheater hat sie mit viel grünem und goldenem Samt sowie Messing-Accessoires und viel Liebe zu hübschen Details einen edlen Zwanzigerjahre-Club entworfen, inklusive DJ-Kanzel für Vinyl-Liebhaber und einem Piano, auf dem sich auch Laien versuchen dürfen.

Aber eigentlich wünschen sich die Betreiber, dass ihr Salon Pitzelberger zum Treffpunkt für alle wird: die Zuschauer des Theaters, die Schauspieler und Sänger und die Nachtschwärmer. "Wir sind eine Spielstätte des Theaters mit einem etwas anderen Programm", sagt Scheffel. Die "offene Bühne" nach Schluss der Vorstellung gehört dazu, und die drei hoffen, dass möglichst viele Besucher davon Gebrauch machen und auch "Künstler zum Anfassen" nach der Vorstellung vorbeischauen. "Es soll schon ein bisschen schräger sein", findet Uebelherr, man wolle sich abheben vom gängigen München-Klischee, dass in dieser Stadt in erster Linie konsumiert wird.

Geöffnet ist die Bar von diesem Donnerstag an jeweils eine Stunde vor Theaterbeginn. Mittwochs und donnerstags hat sie bis ein Uhr geöffnet, an Wochenenden bis drei Uhr. Die DJs legen nicht nur zum Tanzen auf, sagt Scheffel, "das wird eher so wie früher in der Wunderbar" - mal zum Tanzen, mal als entspannte Hintergrundmusik. Mittwochs gibt es Northern Soul, am Donnerstag einen Jazz- und Swingabend, samstags Retro-Soul und Funk aus den Siebzigern bis Neunzigern.

Der Eingang ist nach Theaterschluss rechts von der Eingangstreppe, die Bar ist zugelassen für exakt 199 Personen. Die Preise sind für das Gärtnerplatzviertel und den durchaus exklusiven Ort zivil: Für das 0,33-er-Bier zahlt man 3,50 Euro, für 0,2 Liter Wein sechs Euro.

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