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"Trisoux":Ausgesuchte Drinks unter der Welle

Bar Trisoux, Müllerstr. 41

Die beiden oberen Räume im Trisoux werden von einer Welle aus Holzstäben dominiert.

(Foto: Florian Peljak)

Wo in der Müllerstraße die Bar "Trisoux" ist, befand sich einst eine Schwulenkneipe. Heute setzt man hier auf 3,5 Kilometer Holz.

Die meisten Bars zeichnen sich ja dadurch aus, dass Licht drinnen keine große Rolle spielt, sondern eher die Abwesenheit von Licht. Der Barbesuch als Reise ins Herz des Halbdunkels quasi. Das "Trisoux" in der Müllerstraße wirkt wie eine Ausnahme. Die Bar hat gerade neu eröffnet und leuchtet noch so auf den Gehsteig hinaus, dass "boah, ist das hell" der meistgehörte Satz draußen ist. Drinnen entdeckt man aber dunklere Ecken, und überhaupt, heißt es von den Betreibern: Die Beleuchtung ist noch nicht fertig, es soll alles etwas dezenter werden.

Dass die Bar draußen schon Thema ist, liegt aber auch an ihrer Vergangenheit. Wo es nun sorgfältig kreierte Drinks gibt, war früher die Schwulenkneipe Bau zu finden. Als die im Februar zumachte, war die Aufmerksamkeit groß. Erst sah es nur nach einem Betreiberwechsel aus. Es habe sich dann aber kein Wirt aus der Szene bei der Brauerei beworben, sagt Benjamin Bauer, der den Nachfolger nun zusammen mit Gustav Großmann und Philipp Fröhlich betreibt. Noch ein Lokal der schwulen Szene weniger, so wurde die Bau-Schließung wahrgenommen, gerade in der Müllerstraße, die einmal deren Hauptstraße war. Zum Teil schließen die Lokale wegen steigender Mieten, zum Teil, weil sich das Ausgehverhalten verändert, schließlich lernt man sich heute eher online kennen.

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So sieht es im "Trisoux" aus

Wenn Institutionen verschwinden, ist das traurig, es dem Nachfolger anzulasten, wäre aber unfair. Und so betritt man das "Trisoux" und wird fast weggespült. Von einer Welle aus Holz, genauer: von glattpolierten Stäben, die aus der Decke wachsen. 3,5 Kilometer wären sie lang, aneinandergelegt. Seitlich sind zwei Wände mit Moos begrünt. Ausgedacht hat sich dieses Konzept Benjamin Bauers Cousin, der Architekt Martino Hutz.

Bauer gehört auch die Bar "Sehnsucht" in der Maxvorstadt. Im "Trisoux" geht es allerdings weniger rau und studentisch zu als in der "Sehnsucht", wo Frauen mit ihrem BH bezahlen können. Die Barkeeper sind besonders aufmerksam, sogar der Türsteher fällt durch Freundlichkeit auf. Und die Drinks auf der Karte durch ihre ausgesuchten Namen und Komposition.

Der "Streets of Kowloon" etwa, mit Tanqueray Gin, Mango, grünem Tee, Yuzu und Matcha-Rand (12 Euro), oder der "Wolfenbüttel Moped Club", in den Jägermeister und Falernum kommen (11 Euro). Als Start empfiehlt die Karte "Punch on tap" (7,50 Euro) oder einen Portwein-Drink (7,50). Wer es weniger ausgefallen mag, findet auch einfach Helles (4 Euro) oder vergleichsweise günstigen Weißwein (ab 3,50 Euro). Begleitet wird das von unauffälliger Musik.

Auf den ersten Blick erinnert nichts an die Vergangenheit. Man muss schon runter gehen in die zweite Bar, zum früheren Darkroom. Dort findet sich das sogenannte Glory Hole in der Tür, also ein Loch auf Hüfthöhe. Aber das war es schon. Das "Trisoux" will für sich überzeugen, Vergangenheit hin oder her.

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