Tom Hanks' Kritik an "Wetten, dass..?" Puschel auf und durch!

Alberne Spiele, abgedrehte Wetten, Small Talk: Wer sich zu Markus Lanz auf die "Wetten, dass..?"-Couch setzt, weiß in der Regel, was ihn erwartet. Verwunderlich also, dass sich Tom Hanks nun im Nachhinein über die Show am Samstag mokiert - schließlich konnte er dort auch ordentlich Werbung für seinen neuen Film machen.

Ein offener Brief von Vanessa Steinmetz

Lieber Tom Hanks,

ein bisschen schmunzeln müssen wir doch, noch zwei Tage später, beim Gedanken daran, wie Sie am Samstag mit Katzenpuscheln auf dem Kopf neben dem sackhüpfenden Markus Lanz standen. Oder wie Sie an der Geige von David Garrett herumzupften oder mit mürrischem Gesicht neben Halle Berry auf der "Wetten, dass..?"-Couch saßen. Durchaus schöne Schnappschüsse fürs Familienalbum sind das, die da bei Ihrem Besuch in der ZDF-Show rumgekommen sind. Und ein bisschen Werbung für Ihren Film, "Cloud Atlas", durften Sie in den drei Stunden ja auch machen, vor mehr als zehn Millionen Menschen.

Okay, das ein oder andere Spielchen war vielleicht wirklich ein bisschen zu viel des Guten. Wer ist eigentlich auf die aberwitzige Idee gekommen, Sie, den Oscarpreisträger und Multimillionär, als Kätzchen der Bremer Stadtmusikanten zu verkleiden, damit Markus Lanz mit einem Sack um Sie herumhüpfen kann? Dass Sie das alles noch einigermaßen mit Würde ertragen und nicht mittendrin die Puschel auf den Boden gepfeffert und wutschnaubend das Studio verlassen haben, ist aller Achtung wert.

Hätten Sie doch nur weiter Haltung bewahrt! Mussten Sie wirklich am nächsten Tag so fies nachtreten? "Ich habe zugeguckt, wie der Moderator in einem Sack um mich rumhüpft - wenn das nicht Hochqualitätsfernsehen ist!", haben Sie dem RBB-Sender Radio 88,8 gesagt. Und weiter: "Wenn in den USA jemand eine TV-Show macht, die vier Stunden dauert - jeder Verantwortliche wäre am nächsten Tag gefeuert." Ein bisschen irritiert waren wir da schon; schließlich passt das Gemotze gar nicht zu Ihrem Image als nettem Hollywoodschauspieler und Protagonisten von Familienfilmen wie "Forrest Gump" und "Cast Away".

Dabei wussten Sie doch, was Sie erwartet. Jahre vorher saßen Sie schon auf der "Wetten, dass..?"-Couch. Das Studio sah zwar etwas anders aus, und statt des adrett gekleideten Markus Lanz (genau, der, den Sie in der Sendung einen "schmierigen Banker" nannten, war in Wirklichkeit der Moderator) saß ein paradiesvogelähnlicher Blondschopf neben Ihnen.

Schon damals hat das Flaggschiff der deutschen Fernsehunterhaltung bei Ihnen aber offenbar wenig ehrfürchtige Bewunderung ausgelöst. "Ich habe die Show damals nicht verstanden, und ich verstehe sie heute noch weniger", sollen Sie trocken jetzt bemerkt haben.

Bis zum bitteren Ende

Trotzdem sind Sie wiedergekommen. Wahrscheinlich nicht, weil Sie unbedingt mal "Bremer Stadtmusikanten" spielen wollten, sondern um Ihren Film zu bewerben. Das ist völlig legitim. Wir haben uns ja auch gefreut, Sie da mal abseits der üblichen Pressekonferenzen tuschelnd mit Halle Berry zu erleben.

Dennoch: Ihre PR-Berater werden Ihnen sicherlich gesagt haben, dass das neue Show-Konzept vorsieht, dass die Prominenz eben nicht nur eine Stippvisite macht. Die "Wetten, dass..?"-Gäste sollen nicht mehr wie früher nur den neuen Film bewerben und dann ganz flugs wieder zurück zum Privatjet sprinten, sondern bleiben. Bis zum bitteren Ende. Das ist eben der Preis, den Sie für die Film-PR zahlen müssen.

Ja, wirklich, bei aller Sympathie, da hört unser Verständnis auf. Millionen Männer hätten sonstwas drum gegeben, so lange neben einem Ex-Bond-Girl zu sitzen. Für Sie nichts Neues? Gut, aber Privatstunden von David Garrett, das bekommt man doch wirklich nicht alle Tage geboten. Wenn Sie das ganze Brimborium trotzdem nicht genießen können, nehmen Sie sich doch einfach ein Vorbild an Robbie Williams. Der hat sich doch auch ganz prima aus dem Schussfeld der Wettpaten gebracht. Dafür müssen Sie jetzt nur noch einen Song einstudieren, damit Sie als Live-Act durchgehen.

So oder so: Wir möchten trotz des Zwischenfalls auch in Zukunft am Samstagabend nicht auf Sie verzichten. Geben Sie dem Lanz noch eine Chance - er braucht einfach noch ein paar Sendungen. Und ist bestimmt nicht nachtragend.

In diesem Sinne: bis ganz bald!