Lena ist der Star des Eurovision Song Contest. Die ARD nutzt das nicht - sondern wirbt vor allem für Raab.
Deutschland ist viel abhandengekommen in den letzten Tagen des Mai 2010. Verloren gingen Schlag auf Schlag die Capitanos Ballack, Koch und Köhler. Die Werthaftigkeit der Verluste wird unterschiedlich beurteilt. Ein Verlust aber wird weithin nicht einmal wahrgenommen - die Selbstverstümmelung der ARD, und zwar ausgerechnet, als "unsere" Lena in deren ureigenem Programm alles an Kompensation deutscher Ablenkungs- und Identifizierungsbedürfnisse rauschhaft leistete.
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Dass die Boulevardmedien sich opportunistisch überschlagen über den europäischen Punktsieg des quirligen Fratz mit dünner Stimme und schlechtem englischem Sound, ist in solch trüben Nachrichtenzeiten ja noch zu verstehen. Man will ja vor der emotionalen WM-Ausbuchtung das gefühlige schwarzrotgoldene Warm-up nicht verpassen. Was im Lena-Hype allerdings unterging, ist die freiwillige Unterwerfung von Europas größtem Network, der öffentlich-rechtlichen ARD, unter die PR-Walze eines Privatsenders, dessen Besitzverhältnisse nicht einmal berechenbar sind.
War das Raab-Engagement für den Songtest der Eurovision schon das Eingeständnis der ARD, diesen sicheren Quotenhit samt einer schier unübersehbaren Verwertungskette über ein Jahrzehnt vermurkst zu haben, so geriet Lenas große Stunde zur bedingungslosen Kapitulation vor dem Entertainer aus dem Privatsystem.
Das Gesicht des Marktkonkurrenten wurde bei der Siegesfeier in Hannover mit den größten NDR-Ü-Wagen in die Wohnzimmer gebracht: die Tagesschau in allen Ausgaben, die Tagesthemen, dazu Sondersendungen und Querpromotion ohne Ende. Alle ehrbaren Programmplätze des angeblichen deutschen Informationssenders Nummer eins - einschließlich der Dritten Programme - transportierten mit aller Bilderwucht den bärigen Schöpfer seiner zierlichen Schöpfung in die Fernsehhaushalte.
Erschlagend, wie er sich mit seiner massigen Statur, die schwarzrotgoldene Fahne schwingend, für das TV-Volk in den ikonenhaften Vordergrund schob und so die ARD um die ihr zustehende Profilierungschance auf dem Trendmarkt des jüngeren Publikums brachte! Die ARD hat's gegeben, aber Pro Sieben hat es genommen. Das war ungefähr so, als würde der FC Bayern nach Gewinn der Champions League dem FC St. Pauli die Lorbeeren und das Feiern überlassen.
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Die Kritik von Herrn Mertes habe ich gelesen, finde Sie allerdings nicht treffend. Fakt ist, dass sich der NDR im letzten Jahr eine Kooperation mit Stefan Raab und Pro Sieben einging. Zum damaligen Zeitpunkt war der Eurovision Song Contest in Deutschland am Boden. Die Zuschauer rannten davon und über die Beiträge redet man am Besten gar nicht. Dass der NDR eine Kooperation mit privaten Partnern eingehjt, ist zwar außergewöhnlich, aber er und die ARD hätten keine Plattform gehabt, um einen Musikwettbewerb wie Unser Star für Oslo selber zu senden. Musik im Fernsehen war vor langer Zeit mal eine Stärke der Öffentlich Rechtlichen. Davon ist nichts mehr zu sehen - leider. Ob der Eurovision Song Contest noch gesendet werden soll, ist eine andere Frage. Das müssen die Programmgremien entscheiden. Ich bin weiterhin dafür, dass dieser Wettbewerb seinen Platz im Programm haben soll. Ob man das mediale Interesse sowie das gesamte Drum-Herum bei Lena jetzt als übertrieben ansieht, dürfte wohl eher Ansichtssache sein. Ich fand es zwar auch übertrieben, aber nach der Fanhysterie war es eine verständliche Reaktion.
Meine Oma ist auch enorm schlagfertig und witzig. Sie findet zum Beispiel den Song Contest zum Ko... und lacht auch dabei. Und nach ihrem Tipp für Oslo befragt, hat sie kurz geantwortet: "Abschalten!" - Ist das nicht toll?
Ich denke, sie sollte sich mal für die nächste Runde des Wettbewerbs melden - die hierfür veruntreuten Gebührengelder der ARD könnten wir gut brauchen.
Man hat den Eindruck, als ob es nur wenigen auffällt, wieviel Ironie und 'Verkohlen' in Lenas Äußerungen steckt. Auf stereotype, dumme oder ihr nichts sagende Fragen antwortet sie entsprechend und/oder schlagfertig. Klassisches Beispiel: Dein Tipp für Oslo? Lena: Einschalten!
Dass sie die Aussage 'Ich finde Opern zum Ko...' direkt lachend als Ironie entlarvt hat, wird von vielen einfach unterschlagen. Oder ist nicht verstanden worden? Überhaupt, scheint bei vielen das Erkennen und Verständnis von Ironie nicht besonders ausgeprägt. Das braucht man aber, um Lena (wie auch Raab) einzuordnen.
Herr Mertes braucht sich übrigens keine Sorgen zu machen, dass Raab mit Lena dauerhaft die TV-Landschaft beglücken wird. Das wollen die gar nicht. Weniger ist mehr.
Ansonsten ist es für einen Medienberater ziemlich wirklichkeitsfremd zu hoffen, dass man erfolgreiche private Fernsehmacher zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten holen kann. Jauch und Raab (im Vorfeld des ESC) lassen grüßen. Und ein Harald Schmidt hat ja die besten Late-Show-Jahre lange hinter sich und bedient nur noch seine eigene Interessen. Das ist ihm nicht vorwerfbar. Wenn dies aber das Ergebnis von verzweifelten ARD-Anstrengungen ist, die besten Köpfe für horrende Summen zu den Öffentlich-Rechtlichen zu holen, dann besser nicht.
so was schwachsinniges hab ich schon lange nicht gelesen. ARD ist ein öffentlich rechtlicher nachrichtensender und kein werbeportal für Raab und co.
apropo - das mädel kann überhaupt nicht singen. die entscheidung von ARD war richtig.
Es ist einfach scheußlich, was Mertes hier so ganz unterschwellig als Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens definiert! Die "Profilierungschance auf dem Trendmarkt des jüngeren Publikums" hätte man wahrnehmen müssen, mit anderen Worten: ProSieben dadurch in die Schranken weisen, dass man sich als die SuperProSieben geriert. In Wahrheit muss man doch eher die Frage stellen, ob es überhaupt zu den Aufgaben einer öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalt gehört, ein solches Ereignis wie den ESC in voller Länge zu übertragen und dann auch noch für die Abiturientin, die es gerade mal geschafft hat, haarscharf neben ganze fünf Töne danebenzusprechen (von Singen kann ja wohl keine Rede sein) das Programm zugunsten einer Sondersendung zu ändern. Das wäre eigentlich Anlass für einen deutschlandweiten Gebührenstreik.
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