"Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" Dschungelcamp-Finale: Der Fernsehgott gibt Menderes seine Würde zurück

Seine Hoheit Menderes, der Come-on-King. Vor Rührung fiel ihm dann nur noch ein Wort ein: "Danke!"

(Foto: Stefan Menne +49 172 2701799)

Thorsten Legat klopft Sprüche, Sophia Wollersheim schluckt Tiergenitalien - doch im Dschungelcamp-Finale triumphiert der unscheinbare Dritte. Das hat auch mit plumper Missgunst seiner Konkurrenten zu tun.

TV-Kritik von Johanna Bruckner

Vor Ich bin ein Star - holt mich hier raus! läuft bei RTL Deutschland sucht den Superstar und diese Reihenfolge ergibt durchaus Sinn, denn ohne die eine Show (DSDS) hätte die andere (Ibes) ein Besetzungsproblem. An diesem Samstagabend sind die beiden Formate noch enger verbunden: Am Ende von DSDS wünscht das gesamte Team Menderes Bağcı viel Glück für das anstehende Dschungelcamp-Finale. Das sind dieselben Leute, die den jungen Mann einst als Witzfigur inszenierten. Trotzdem ist es vielleicht der erste berührende Moment in der Show, die nicht den Stärksten sucht, sondern die Schwächsten der Lächerlichkeit preisgibt.

Auch der australische Dschungel ist ein Ort der Demütigung, allerdings lassen sich hier bezahlte Medienprofis freiwillig erniedrigen. Wobei das natürlich keiner der zwölf Prominenten so sagen würde. Ex-Fußballer Thorsten Legat war gar den Tränen nahe, als ihm Mitcamperin Helena Fürst vorwarf, doch auch nur hier zu sein wegen des Geldes und der Aufmerksamkeit - die Frau hat mal Sozialschmarotzer gejagt, sie weiß, wovon sie spricht.

Aber ein Thorsten Legat braucht die moralische Überhöhung, oder zumindest die persönliche Herausforderung: "Ich weiß jetzt, wo meine Grenzen sind - ich hab' keine!", resümiert Superheld "Testhorsteron" nach seiner finalen Dschungelprüfung. Vorher hatte er versprochen: "Ich geh' da durch und werde das Mögliche möglich machen."

"Diese Frau ist Terror für meinen Kopf"

Für solche Sätze wurde Legat eingekauft, der sich mit seiner Antrittsrede beim Landesligisten FC Remscheid als Macher und Macker fürs Camp empfahl. Nach der Besetzungspleite im vergangenen Jahr ging das Kandidatenkonzept in der Jubiläumsstaffel auf. Bereits die ersten Folgen der zehnten Ausgabe sahen mehr Menschen als das Finale im vergangenen Jahr. Die Erfolgsformel? Krawall, Ekel und Emotion. Konsequenterweise schafften es dann auch jene vier Personen bis zur letzten Sendung, die 16 Tage lang auf diesen Feldern geackert hatten. Wobei Helena Fürst nicht wirklich etwas tat, sondern mit provozierendem Nichtstun die Gemüter im Camp erregte. Doch das Publikum fühlte sich gut unterhalten - erst kurz vor dem Finale reichten die Zuschaueranrufe nicht mehr für die polarisierende "Fürstin der Finsternis".

Zum Abschied ein Kippchen: Helena Fürst, Platz vier.

(Foto: RTL)

Zu viel Ehre, wem Leere gebührt, befindet Sophia Wollersheim. Ihre Verabschiedung von der Viertplatzierten Fürst fällt, man könnte wohl sagen: emotional aus: "Ich kann mir diese Frau nicht mehr reinziehen - die ist Terror für meinen Kopf." Oder auch: "Sie hat ne Scheißseele." Erst als Helena Fürst, dieser menschliche Mentholschlot, von dannen zieht, kommt Finalstimmung auf. Wettbewerbsprofi Legat ordnet das Ereignis ein: "Nach der Bundesliga das größte Highlight meines Lebens." Und das, wo er eben noch durch Plexiglastunnel mit Spinnen, Schlangen, Fleischabfällen, einem Waran und einer Melassemasse gekrochen war. Aber wer gekrönt werden will, muss leiden, so ist das nun mal.