Ferdinand Hofer im Münchner "Tatort" Erst lernen, dann drehen

"Fülle an Jugend": Ferdinand Hofer mit Udo Wachtveitl (l.) und Miroslav Nemec.

(Foto: dpa)

Ferdinand Hofer, gerade mal 21 Jahre alt, assistiert im "Tatort" bei Leitmayr und Batic. Er macht das ebenso unbedarft wie unverkrampft. Vielleicht, weil er nicht nur auf die Schauspielerei setzt.

Von Karoline Meta Beisel

Von jungen Menschen erwartet man ja irgendwie immer, dass sie wagemutig sind und wild. Dass sie unvernünftige Pläne schmieden, karriereverhindernde Bilder im Internet posten und zum Schnaps greifen, wenn es sonst nur Bionade gibt. Wer sich gegen das wilde Leben und für den Bausparvertrag entscheidet, ist langweilig. Auftritt Ferdinand Hofer, 1993 geboren. "Sag, dass ich schon 21 bin, das kommt besser." Apfelbäckchen, mit denen er immer so aussieht, als würde er gerade vom Spielen reinkommen; Föhnfrisur.

Schon als Teenie merkt er, dass ihm die Schauspielerei Spaß macht, und sie liegt ihm auch: Er spielt Theater und dreht Kinofilme. Und doch entscheidet er sich für ein BWL-Studium an der Technischen Universität München, mittlerweile ist er im vierten Semester. Ganz schön spießig, könnte man sagen. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass er als Schauspieler gerade einen Riesensprung gemacht hat: Ferdinand Hofer ist der neue Assistent im Münchner Tatort.

Ferdinand freut sich, wenn ihm eine Rolle angeboten wird, aber er ist nicht darauf angewiesen. Er weiß, dass ihm mit seinem Studium auch andere Karrierewege offen stehen, wenn es mit der Schauspielerei nicht mehr weitergeht. Gut möglich, dass er darum lockerer an solche Aufgaben herangeht. Und dass es eben diese Lockerheit war, die ihm nun eine Rolle verschafft hat, nach der andere sich sehnen.

Charmeur in Cowboystiefeln

Die Assistenten der Kommissare Batic und Leitmayr sind ein TV-Thema für sich. Erst war da lange, lange - von 1990 bis 2007 - Carlo Menzinger, der coole Blonde mit dem Pferdeschwanz. Ein Charmeur in Cowboystiefeln, aber eben immer auch ein bisschen der Fußabtreter seiner Chefs. Menzinger, gespielt von Michael Fitz, gehörte nach all den Jahren so sehr zum Münchner Tatort, dass sie sich beim Bayerischen Rundfunk nach seinem Abschied lange nicht getraut haben, einen neuen Assistenten zu installieren, "aus Respekt vorm Carlo", sagt Udo Wachtveitl, der den Leitmayr spielt.

Menzingers Nachfolger waren allesamt nur für eine Folge dabei: weil die Ermittler oft nur zu Besuch waren, mit der Berufswahl haderten oder gar selbst zur Leiche wurden. Zuletzt Gisbert Engelhardt, der 2012 sterben musste, weil er auf der richtigen Fährte war. Das Publikum schloss den nervigen Nerd derart ins Herz, dass es per Petition um seine Auferstehung warb. Im Prinzip sogar erfolgreich: Im neuen Franken-Tatort wird Gisbert-Darsteller Fabian Hinrichs einen der Kommissare spielen.

Jetzt also Kalli Hammermann, er ist mit Abstand der jüngste "Tatort"-Ermittler im ganzen Land. Seinen ersten Auftritt hat er in der Folge "Am Ende des Flurs", die am 4. Mai ausgestrahlt wird. Hilft am Tatort, die Schaulustigen fernzuhalten, untersucht die Wohnung des Opfers. Er wird noch nicht mal vorgestellt, er ist einfach plötzlich da, ohne großes Trara. Und es sieht ganz so aus, als würde er bleiben: Kallis zweite Folge ist schon abgedreht, eine dritte fest vereinbart.

Kalli ist ein echter Bayer. Er kommt vom Land und ist neu bei der Mordkommission. Er ist ein bisschen naiv, eifrig und manchmal auch übereifrig - kaum hat er den gut sortierten Schuhschrank des Opfers gesehen, da ist die Schlussfolgerung auch schon ausgesprochen: "eine Professionelle!" Den beiden älteren Kollegen, die schon länger im Münchner Tatort spielen, als Hofer auf der Welt ist, tut gerade diese Unbedarftheit aber gut, findet Max Färberböck, der bei "Am Ende des Flurs" Regie geführt hat und der Ferdinand Hofer für die Rolle ausgesucht hat: "Diese Fülle an Jugend, die er mitbringt, und dieses schlierseehafte Bayerntum, das ist ein echter Gewinn", sagt Färberböck.