Eurovision-Vorentscheid "Unser Song für Malmö" Umpf-umpf für Deutschland

Mehrheit für die Mitstampfmusik: Mit einem Lied, das dem Vorjahressiegersong der Schwedin Loreen sehr ähnlich ist, gewinnt die Eurodance-Combo Cascada den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Wie dieses Ergebnis zustande kam, irritierte nicht nur Moderatorin Anke Engelke.

Eine TV-Kritik von Mirjam Hauck

Was hatte die ARD nicht für großartige, oder sagen wir besser großspurige Pläne. An Schwedens "Melodienfestivalen" wollte sich die Anstalt orientieren, einer Sendung, die es seit 1958 im schwedischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen gibt, die in mehreren Vorentscheiden den Teilnehmer für den Eurovision Song Contest ermittelt - und äußerst erfolgreich ist. Fünf mal haben die Schweden bislang den Titel geholt. Zuletzt vergangenes Jahr, als Loreen erst das Melodienfestivalen gewann und dann den Eurovision Song Contest in Baku, Aserbaidschan.

Da die ARD nach dem Ausstieg von Pro Sieben und ESC-Königinnenmacher Stefan Raab wieder alleine für die Songauswahl für den weltgrößten Liederwettbewerb zuständig ist, will man eben klotzen. Und eine Blamage wie 2008 vermeiden, als sich die No Angels mit Polen und Großbritannien den letzten Platz teilen mussten.

Kompliziertes Abstimmungsverfahren

Dass es jetzt aber doch kein ARD-Festival, sondern nur eine Show namens "Unser Song für Malmö" gab, lag laut ARD-Verantwortlichen einfach daran, dass keine mittelgroßen Hallen frei waren. Nur die Tui-Arena in Hannover und da passen immerhin 11.000 Leute rein.

Aber ganz verzichten auf irgendwas Mehrteiliges wollte die ARD doch nicht und rief ein dreiteiliges Abstimmungsverfahren ins Leben. Die Hörer von neun Popwellen (Bayern 3, HR3 und so weiter) durften vergangene Woche über die zwölf Teilnehmer-Lieder online abstimmen, eine sogenannte Fach-Jury aus Schlagerbardin Mary Roos, ESC-Kommentator Peter Urban, Vorjahres-Finalteilnehmer Roman Lob sowie Sänger Tim Bendzko und Schauspielerin und Silly-Frontfrau Anna Loos vergab Punkte; die Zuschauer wählten während der Sendung per Telefon und SMS. Zu je einem Drittel flossen die Resultate schließlich in das Endergebnis ein.