ARD-Krimi aus Rostock Ein "Polizeiruf" voller naturtrüber Nazis

Kommissar Bukow (l.) auf Konfrontation mit dem völkischen Siedler Erik Meissner, der "Blut-und-Boden-Dreck" propagiert.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)
  • Der letzte Polizeiruf 110 vor der Sommerpause kommt aus Rostock.
  • In "In Flammen" müssen Katrin König und Alexander Bukow den Mord an einer rechtspopulistischen Politikern aufklären. Damit befasst sich ein weiterer ARD-Krimi mit der rechten Unterwanderung der Gesellschaft.
  • Auch wenn der Rostocker Fall nicht der schwächste zum Thema ist, fragt man sich: Was läuft bei der Programmplanung im Ersten schief?
Von Holger Gertz

Mit einem Polizeiruf aus Rostock verabschiedet sich die Krimisaison in die Sommer- bzw. Weltmeisterschaftspause. "In Flammen" heißt das Stück, und in der Ankündigung steht, dass eine rechtspopulistische Politikerin ermordet wird und die Kommissare aufs Land rausfahren, um unter völkischen Siedlern auf einem Biobauernhof zu ermitteln.

Erst in der vergangenen Woche fuhren im Münchner Tatort die Kommissare aufs Land raus, zu den Reichsbürgern. Und was Rostock und München können, konnte ein paar Wochen vorher auch der Schwarzwald-Tatort, dort fuhren die Kommissare aufs Land raus und ermittelten unter Biobauern, die den deutschen Apfel in Ehren hielten und das deutsche Blut. Und was Rostock, München und der Schwarzwald können, konnte vor Monaten schon der Tatort aus dem Großraum Hamburg, dort fuhren die Kommissare aufs Land raus und ermittelten unter Naturfreaks, diese keiften: "Ausländische Firmen bohren ihre gierigen Finger tief in unsere Erde." Und im Polizeiruf aus Brandenburg, erst ein paar Wochen her, fuhr die Kommissarin aufs Land raus und ermittelte unter sogenannten Preppern, aber bevor auch hier Blut-und-Boden-Ökos aus der Deckung traten, gingen infolge eines Cyberangriffs gottlob alle Lampen aus.

So wie auch bei der Programmplanung im Ersten offenbar inzwischen alle Lampen ausgegangen sind. Natürlich ist die rechte Unterwanderung der Gesellschaft ein Riesenthema, und auch, dass neue Nazis sich ein naturtrübes Gewand überziehen. Der Sonntagskrimi beackert in seiner Suche nach Relevanz diesen Stoff permanent, aber leider in zu vielen mittelmäßigen Gebrauchsstücken, die das Publikum überfüttern und das Thema trivialisieren. Im Film aus dem Großraum Hamburg wurden aus den Bodenschützern am Ende lächerliche Zombies, und das ist natürlich zynischer Irrsinn in Zeiten, wo es Orte wie das Nazidorf Jamel ja tatsächlich und leibhaftig gibt.

Die Episode aus Rostock ist nicht die schwächste zum Thema, weil die herrlichen Ermittler König und Bukow (Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner) im Dienst sind, Frau König bringt das Geschwalle der rechten Naturfreunde bündig auf den Begriff: "Blut-und-Boden-Dreck". Zum Ende wird es dann aber doch verwirrend, neben den Mitgliedern der rechtspopulistischen Partei tritt auch eine reaktivierte Combat-18-Zelle aus den Kulissen, und die völkischen Naturfreunde tanzen um den Scheiterhaufen.

Dass die Rostocker mit der Geschichte so spät dran sind, ist deren Pech und ein weiteres Geheimnis der heillosen Programmplanung. Fertig ist der Film von Regisseur Lars-Gunnar Lotz (Buch: Florian Oeller) schon lange, er hatte Premiere bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck, im November 2017.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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