"Tatort" aus München Kommissare im Gegenlicht

Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, rechts) genießt in "Freies Land", dem neuen "Tatort" aus München, mit dem Dorfwirt Alois (Peter Mitterrutzner) das Landleben.

(Foto: Hendrik Heiden; BR)
  • Der letzte Tatort vor der Sommerpause kommt am Sonntag aus München.
  • In "Freies Land" ermitteln Batic und Leitmayr im Milieu der Reichsbürger.
  • Der Film spielt im ästhetisch anspruchsvollen Niederbayern; für Lokalkolorit sorgt auch Sigi Zimmerschied als grantiger Dorfpolizist.
Von Katharina Riehl

In Sommern mit sportlichen Großereignissen wie einer WM wird im deutschen Fernsehen weniger gemordet - in diesem Jahr bricht sonntagabends schon von Juni an seltener ein Genick als möglicherweise ein Mittelfußknochen. Die Tatort-Sommerpause beginnt 2018 so früh wie seit 2008 nicht mehr (ja, auch darüber wird im Netz eine Statistik geführt), wann genau sie enden wird, ist noch offen (besagter Statistik zufolge eher nicht vor der zweiten Augusthälfte). Aber keine Sorge: Wiederholungen alter Genickbrüche zeigt die ARD natürlich schon.

Zum Abschluss dieser durchwachsen experimentellen Tatort-Saison mit Zombies aus Frankfurt und Improvisation in Ludwigshafen gibt es einen Klassiker, einen Krimi aus München mit Batic und Leitmayr, den Elder Statesmen unter den deutschen Kommissaren: vollkommen experimentfrei, eher ein bisschen vorhersehbar, aber nicht ungenießbar. "Freies Land" heißt die Episode, die mal wieder ein aktuelles Thema behandeln soll, das aber, wenn man ganz ehrlich ist, relativ nah dran ist am aktuellen Thema, das vor ein paar Wochen schon der Tatort aus dem Schwarzwald aufgriff. Auch hier ging es um eine Gruppe Menschen, die außerhalb der Gesellschaft leben wollen und mit rechtem Gedankengut sympathisieren. Der BR wird allerdings ein bisschen konkreter: Batic und Leitmayr informieren sich im Zuge ihrer Ermittlungen über den Umgang mit "Reichsbürgern".

Ästhetisch lässt der Film nichts zu wünschen übrig

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein toter Mann in München, der von seiner Mutter mit aufgeschnittenen Pulsadern, aber ohne ein Messer in der Badewanne gefunden wird. Florian Berg war viele Jahre lang Mitglied einer Gruppe, die sich von der Bundesrepublik losgesagt und ihr Land in Niederbayern zum eigenen Staatsgebiet erklärt hat. "Wir zwei außerhalb des S-Bahn-Bereichs - wann war'n mir des schon mal?", fragt also Franz Leitmayr seinen unwilligen Kollegen Batic. Dann fahren die beiden drei Stunden lang in die Provinz, in die Regisseur Andreas Kleinert die silberhaarigen Ermittler dann sehr dekorativ hineinstellt. Kommissare vor Fassaden, Kommissare vor Bäumen und im Gegenlicht - ästhetisch lässt der Film nichts zu wünschen übrig.

Inhaltlich ist die Sache deutlich weniger verkünstelt, da werden widerwillige Zeugen befragt, es verschwinden Beweismittel, und mit den "Freiländern" geraten Batic und Leitmayr natürlich kräftig aneinander. Sigi Zimmerschied sorgt als grantiger Dorfpolizist für Lokalkrimikolorit. Und am Schluss ist Sommerpause.

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Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.