Am Set des ZDF-Dreiteilers "Tannbach" Schaut auf dieses Dorf

Großprojekt mit Fernsehstars: Heiner Lauterbach als Vater von Henriette Confurius.

(Foto: Stephan Rabold/ZDF)

Das ZDF erzählt die Geschichte eines geteilten Ortes. Wo einst die deutsch-deutsche Grenze verlief, lässt der Dreiteiler "Tannbach" die Dramen einer ganzen Epoche spielen. Gedreht wird das Riesenprojekt bei Prag. Ein Setbesuch.

Von Katharina Riehl

Der kleine Ort Mödlareuth zwischen Bayern und Thüringen hat heute ein Museum, ein deutsch-deutsches, Schulklassen fahren dorthin. Der Ort, der einst in Ost und West, in BRD und DDR geteilt war, und den sie Little Berlin nannten, lebt von seiner Geschichte, der Geschichte einer Teilung. Und tut sich doch, das kann man nachlesen, schwer mit all den alten Dingen, die seit der Maueröffnung immer wieder ähnlich erzählt werden müssen. In Mödlareuth wissen sie, dass Geschichtstourismus und Seelenruhe zusammen nicht zu haben sind.

Es ist ein eiskalter Frühlingstag in Tschechien, eine Autostunde von Prag, in einem böhmischen Dorf, das dem deutsch-deutschen Mödlareuth sehr ähnlich sehen soll. Die Produzentin Gabriela Sperl (Die Spiegel-Affäre) produziert hier für das ZDF einen Dreiteiler, die Geschichte eines geteilten Dorfes zwischen April 1945 und Juni 1952.

Der Film erzählt nicht die wahren Geschichten von dem Dorf ohne Seelenruhe, durch das der Tannbach fließt. Sperl und die Autoren Josephin und Robert von Thayenthal haben um die Idee des geteilten Ortes herum neue Figuren erdacht. Gabriela Sperl sagt: "Es ist eine archetypische Geschichte, die überall entlang der deutsch-deutschen Grenze hätte stattfinden können."

Ein Film der jungen deutschen Fernsehstars

Vor dem Wirtshaus, in dem heute gedreht wird, steht in Decken und Mäntel gewickelt das Ensemble herum - und weil man beim ZDF neben aller historischer Aufklärung natürlich eine ordentliche Quote will, ist dabei, wer so etwas vielleicht nicht garantieren, aber doch wahrscheinlich machen kann.

Heiner Lauterbach spielt Georg von Striesow, einen Gutsbesitzer, Natalia Wörner seine im ersten Teil von den Nazis ermordete Ehefrau. Nadja Uhl spielt Liesbeth, die Schneiderin aus Berlin, die mit ihrem Sohn von den Wirren der letzten Kriegstage in dieses gottverlassene Dorf getrieben wurde. Martina Gedeck ist Hilde Vöckler, die Mutter des SS-Mannes, der die Ermordung Caroline von Striesows anordnete.

Vor allem aber ist es ein Film der jungen deutschen Fernsehstars, im Mittelpunkt der Geschichte stehen Henriette Confurius und Jonas Nay (Homevideo). Die Tochter des Gutsbesitzers und der Sohn der Schneiderin verlieben sich. Der Film erzählt auch davon, was stärker ist - die Liebe oder die Grenze.

Der Wumms vor einem Jahr

Man kann an einem Tag wie diesem in Prag gut erkennen, wie sehr das deutsche Fernsehen mit sich selbst kämpft. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind quotenverwöhnt, mit inzwischen fast mehr Krimireihen als deutschen Städten haben sie die Millionengarantie, doch dass sie die Quote hin und wieder mit Anspruch verbinden müssen, wissen sie auch.

Und dann ist da neben der Frage nach historisch-politischer Bildung des Publikums noch das Bewusstsein, dass anderswo, in den USA oder in Skandinavien, das Erzählen längst ganz anders gedacht wird. Dass ernste, politische Stoffe dort quasi nahtlos Teil der Unterhaltungskultur geworden sind.

Das ZDF hatte vor einem Jahr einen dieser seltenen Fernseherfolge, bei denen nicht nur die Quote stimmte, sondern Menschen und Feuilletonisten noch Wochen danach über das sprachen, was sie gesehen hatten. Nico Hofmann, mit dem Sperl einst gemeinsam produzierte, erzählte von fünf jungen Leuten, die Anfang des Zweiten Weltkriegs an ein baldiges, glückliches Ende glauben und bald eines Besseren belehrt werden. Unsere Mütter, unsere Väter war in Polen und den USA umstritten, aber gut gemacht und sorgte für einen Wumms, der selten ist im Einheitsgeballere des deutschen Ermittler-TVs.