Ramadan Warum Muslime mit Nicht-Muslimen das Fastenbrechen feiern sollten

Nach Sonnenuntergang werden im Ramadan die Tische zum Fastenbrechen voll beladen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Terroristen vom sogenannten Islamischen Staat rufen ihre Anhänger auf, den Ramadan für Attentate zu nutzen. Dagegen muss man ein starkes Zeichen setzen.

Kommentar von Dunja Ramadan

Es ist ein Werbeplakat fürs Morden, schwarzer Hintergrund, blutrote Schrift. Abgebildet sind ein Messer, eine Schusswaffe, ein Lastwagen, dazu die Aufforderung: "Tötet die Zivilisten der Kreuzritter, überrollt sie." Mit dieser Botschaft wendet sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) derzeit über ihre Kanäle an ihre Anhänger. Eine Aufforderung sticht besonders hervor. Sie lautet übersetzt: "Nutzt den Ramadan aus."

Es ist derselbe Ramadan, der für die meisten Muslime eine Zeit der Besinnung ist, in der sie mehr beten, weniger essen, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen - und weniger fluchen. Der sogenannte Islamische Staat entstellt den Ramadan auf eine Art und Weise, die viele Muslime erschüttert.

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An diesem Samstag nimmt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am muslimischen Fastenbrechen in Berlin teil. Sein Vorgänger Joachim Gauck war im vergangenen Jahr das erste deutsche Staatsoberhaupt, das während des Fastenmonats der Einladung zahlreicher muslimischer Organisationen gefolgt ist. In den USA aber hat gerade Außenminister Rex Tillerson ein gemeinsames Fastenbrechen im Weißen Haus abgesagt. Damit übergeht er eine fast 20-jährige Tradition, die unter Bill Clinton begonnen hat und unter Donald Trump wohl enden wird.

Gerade in Zeiten, in denen es sich Terroristen herausnehmen, den heiligen Monat von ungefähr 1,6 Milliarden Muslimen auf der Welt abscheulich zu schänden, ist es wichtig dagegenzuhalten. Am 17. Juni ist in Köln eine Demonstration gegen islamistischen Terror geplant. Hierzu ist auch der "Rock am Ring"-Veranstalter Marek Lieberberg eingeladen, der Muslime öffentlich aufgefordert hatte, sich von Terroranschlägen zu distanzieren - und prompt Beifall von der AfD bekam.

Dabei gibt es etwas, das viel wichtiger ist als sich "nur" zu distanzieren. Sich kennenzulernen. Und hier sind alle gefragt, Nicht-Muslime wie Muslime. Eine echte, ernst gemeinte Begegnung zu suchen, wird den Ruf nach Distanzierung irgendwann verstummen lassen. In diesem Ruf schwingt nämlich der Vorwurf mit, muslimische Bürger sympathisierten insgeheim mit Terroristen; sie fänden Attentate eigentlich ganz okay.

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Das sollte jedem klar sein.

Solche Gedanken zeigen vor allem eins: Man kennt sich nicht. Und das im Jahr 2017, da alle Bürger längst erkennen und auch wertschätzen sollten, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Natürlich wird es weiterhin Unstimmigkeiten geben, wie überall, wo viele Menschen zusammenleben. Doch bei einem sind sich Muslime und Nicht-Muslime einig: Terroristen sind nicht Teil dieser offenen Gesellschaft. Sie repräsentieren nichts, außer Hass.

Am 17. Juni wird es deutschlandweit den ersten "Tag der offenen Gesellschaft" geben. Von Bad Schlema bis Berlin, von Bamberg bis Schwerin werden Menschen zusammenkommen, gemeinsam essen - und sich kennenlernen. Die Veranstalter fragen: "Welches Land wollen wir sein?" Die Antwort muss lauten: ein Land, in dem Misstrauen und Angst weder Handeln noch Denken bestimmen.

Terroristen wollen trennen, spalten. Da ist es eine kluge Antwort, den Ramadan zur Begegnung zu nutzen. Es wird überall in Deutschland Fastenbrechen geben, auf Plätzen, in Parks, in Moscheen. Und meist auch gutes Essen. Eine offene Gesellschaft muss die primitive Logik der Terroristen durchschauen. Und sie muss sich sicher sein, dass ihre muslimischen Mitglieder nichts mit mordenden Fanatikern gemein haben. Nur Begegnung kann heilen, was Messer, Waffen, Bomben und Lastwagen verletzen.

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