Ökologische Mode Wie ich lernte, nachhaltig zu shoppen

Wissen was man trägt: Labels wie Armedangels legen offen, woher ihre Baumwolle und Wolle kommt.

(Foto: Armedangels, AFP; Collage SZ.de)

Unsere Autorin hatte einen vollen Kleiderschrank, nichts anzuziehen und ein schlechtes Gewissen. Also ging sie ins Netz - und in Öko-Boutiquen.

Test von Barbara Vorsamer

118 Kleidungsstücke besitzt eine deutsche Frau im Schnitt (Socken und Unterwäsche nicht mitgerechnet) - fast die Hälfte davon trägt sie einer Umfrage von Greenpeace zufolge selten oder nie. Ich habe nicht nachgezählt, das Ergebnis wäre sicher peinlich. Was ich zufällig weiß, weil ich gestern beim Zusammenlegen nachgezählt habe: Ich besitze 22 ärmellose Oberteile. So viel braucht kein Mensch!

Zu meiner Verteidigung: Viele davon sind alt, manche lang, manche kurz, sie haben verschiedene Farben, Träger, Ausschnitte. Allerdings trage ich tatsächlich nur eine Handvoll der Tops regelmäßig. Andere kommen so selten dran, dass mich ihre Existenz beim Aufräumen überrascht.

Ist doch egal, könnte man nun einwenden. Die Deutschen können es sich offensichtlich leisten, Geld für Klamotten auszugeben, die sie nicht brauchen. Wen stört das schon?

Die Antwort ist unangenehm. Unser textiler Überfluss geht auf Kosten der Menschen, die die (Billig-)Kleidung unter teilweise haarsträubenden Bedingungen produzieren. Und er geht zu Lasten der Umwelt. Die Herstellung von Textilien verbraucht Unmengen an Ressourcen - für eine einzige Jeans werden im Schnitt 7000 Liter Wasser verbraucht. Dafür werden Chemikalien in die Natur gespült. Und das alles nur, damit die Teile dreimal getragen, im Schrank vergessen und fünf Jahre später in die Altkleidersammlung gebracht werden? Denn aussortieren und spenden, das machen die meisten Deutschen sehr regelmäßig.

Spenden ist gut, weniger kaufen ist besser

Kirsten Brodde, Textilexpertin der Umweltorganisation Greenpeace, lobt das nur ein bisschen. "Kleidung zu spenden oder zu recyclen, ist natürlich besser, als sie in den Hausmüll zu werfen", sagt sie. Doch Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser kommen mit dem Weitergeben der Ware überhaupt nicht hinterher, so viel wird gespendet. Auf die Frage, was wir besser machen können, zitiert Brodde die britische Designerin Vivienne Westwood: "Buy less, choose well and make it last."

Wenig kaufen, also im Zweifel gar nichts, weil man ja nichts wirklich braucht - Spaß macht das keinen. Bloggerin Anika hat ausprobiert, wie es sich anfühlt, ein Jahr gar nichts zu kaufen. Doch viele Menschen, Frauen insbesondere (sie haben der Umfrage zufolge fast 50 Teile mehr im Schrank als Männer), mögen Mode. Wir wollen gut aussehen und Trends mitmachen, dafür braucht es regelmäßig neue Teile. Wie geht das, ohne die Umwelt über Gebühr zu belasten?

Tauschen und Leihen

Es geht ganz leicht. Schließlich haben viele den Kleiderschrank voller Kram, den sie nie anziehen. Vielleicht ist aber das Top, das ich nie trage, genau das Richtige für meine beste Freundin? Die Snowboardjacke passt vielleicht der Kollegin? Ich mache eh schon lange keinen Wintersport mehr.

Im privaten Kreis lässt sich mehr tauschen, leihen, weitergeben, als ich je gedacht hätte - und der Aufwand ist gering. Stil und Größe meiner Freundinnen kenne ich zumindest ungefähr, meistens weiß ich, wem ich was anbieten kann. Eine kurze WhatsApp - "Guck mal, passt mir nicht mehr, war ein Fehlkauf - magst du das haben?" - und das Teil hat eine neue Besitzerin, die es sogar anzieht. Für manche ist Previously Loved (zu deutsch: früher mal geliebt) schon ein neuer Trend - hört sich ja auch schicker an als "gebraucht" oder gar "Wühltisch" und "Flohmarkt".