Facebook Mark Zuckerberg nimmt Elternzeit - gefällt mir

Mark Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chan (Archivbild von 2013)

(Foto: dpa)

Der Chef von Facebook kündigt an, nach der Geburt seiner Tochter eine zweimonate Auszeit zu nehmen. Die Botschaft an Väter: Geht nicht? Gibt es nicht!

Von Barbara Vorsamer

"Es geht einfach nicht", sagen viele Väter und schauen ganz traurig, wenn sie gefragt werden, ob sie zur Geburt ihrer Kinder Elternzeit nehmen werden. Klar, sie würden so gerne. Wenn sie nur könnten. Doch man(n) ist unersetzbar in der Firma, unmöglich kann er von einem Kollegen (oder gar einer Kollegin) vertreten werden. Zwei Drittel aller Väter lassen daher die ihnen in Deutschland gesetzlich zustehenden und mit monatlich bis zu 1800 Euro subventionierten "Vätermonate" einfach verfallen.

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Daher hat es große Symbolwirkung, wenn jemand wie Mark Zuckerberg verkündet, sich nach der Geburt seiner Tochter eine zweimonate Auszeit zu nehmen. Das hat der Facebook-Gründer am Freitag auf seinem Profil mitgeteilt. Das größte soziale Netzwerk der Welt ist ein internationales Unternehmen mit fast 1,5 Milliarden Nutzern, mehr als 6000 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa zehn Milliarden Euro im Jahr 2014. Wenn sich hier der Chef für zwei Monate rausziehen kann - dann kann das wohl jeder.

Kein gesetzlicher Mutterschutz in den USA

Zwei Monate sind ungewöhnlich viel, besonders in den USA, wo es nicht einmal einen gesetzlichen Mutterschutz gibt und eine staatlich bezahlte Auszeit schon gar nicht. Ob und wie lang Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor und nach der Geburt eines Kindes aussetzen dürfen und ob sie in dieser Zeit Geld bekommen, ist in den USA nicht gesetzlich geregelt und daher in jeder Firma anders. Oft bedeutet das, dass Mütter bis zur Entbindung arbeiten, für die Zeit nach der Geburt ihren Jahresurlaub nehmen - und nach einigen Wochen entweder wieder im Büro sitzen, kündigen oder sich eine unbezahlte Auszeit erkämpfen.

Facebook ist in dieser Hinsicht ein Vorzeigeunternehmen, weil es Eltern nach der Geburt eines Kindes bis zu vier Monaten bezahlter Elternzeit gewährt. Zuckerberg gönnt sich, seiner Frau und seinem Kind nun zwei Monate. "Studien haben gezeigt, dass es Kindern und Familien besser geht, wenn sich arbeitende Eltern für ihre Neugeborenen eine Auszeit nehmen", schreibt er in seinem Facebook-Post.

So, gut für Familie Zuckerberg, oder? Und gut für alle anderen wegen des immensen Vorzeigeeffektes? Letzteres allerdings nur, wenn der Facebook-Chef sich in den zwei Monaten tatsächlich aus dem Tagesgeschäft raushält. Viel zu viele Väter haben sich schon eine Runde Applaus für ihren Elternzeitantrag abgeholt, um dann während dieser Zeit doch gar nicht zu wickeln, sondern dauernd in Telefonkonferenzen oder auf Twitter rumzuhängen (SPD-Chef Sigmar Gabriel zum Beispiel) - womit wir wieder beim Argument "Ohne mich geht's einfach nicht" wären. Es bleibt zu hoffen, dass Zuckerberg beweist, dass jeder für zwei Monate vertreten werden kann, ohne dass das Unternehmen zusammenbricht.

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Bei Alleinverdienern wird es schwierig

Viele wenden nun ein, dass das alles gar nicht vergleichbar wäre, die Zuckerbergs seien stinkreich und die zwei Monate Auszeit würden auf den Kontostand des Facebook-Gründers kaum einen Einfluss haben. Das stimmt. Und das ist bei "normalen" Vätern anders.

In den USA gibt es meist gar kein Geld während einer Auszeit. Hierzulande gibt es das Elterngeld, das etwa zwei Drittel des vorherigen Nettoeinkommen und höchstens 1800 Euro beträgt. Gerade Familien, in denen der Vater der Hauptverdiener ist, können auf die Differenz zu dessen Gehalt oft nicht verzichten - auch nicht für zwei Monate. Für diese Väter mag das Argument "Es geht leider nicht" tatsächlich stimmen.

Wünschenswert wäre daher, dass Frauen und Männer gleiche Teilhabe am Erwerbs- und am Familienleben haben - also gleich viel arbeiten, gleich viel verdienen und gleich häufig Auszeiten erhalten, ganz so wie es für ihrem Lebensentwurf gerade passt. In dieser idealen Welt müssten Väter, die keine Elternzeit nehmen, dann nicht mehr traurig schauen und die Umstände verantwortlich machen, sondern zugeben: "Ich will gar nicht." Was übrigens auch in Ordnung ist.

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