Zum Tod von Robin Williams Die Stimme im Kopf

US-Schauspieler Robin Williams im Jahr 2011 in Sydney, Australien.

(Foto: dpa)

Ob "Good Will Hunting" oder "Good Morning, Vietnam": Robin Williams war ein begnadeter Komiker und ebenso talentierter Charakterdarsteller. Allerdings konnte er mit Erfolgen genauso wenig umgehen wie mit Niederlagen.

Ein Nachruf von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Wer nach einem Film mit Robin Williams das Kino verließ, der hatte noch Stunden später diese Stimme im Kopf. Dieses helle Timbre, das Worte nicht gemächlich transportierte, sondern sie mit atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung Gehörgang abfeuerte. Menschen mit einem außerordentlichen Gedächtnis konnten sich an die Hälfte aller Witze erinnern, schließlich sprach dieser Mensch schneller als sein Schatten. Den anderen blieben nur die wichtigsten Gags - und eben diese Stimme.

Robin Williams hat in seinem Leben, das er am Montag im Alter von 63 Jahren offenbar selbst beendet hat, immer wieder über Stimmen in seinem Kopf gesprochen. Er ging offensiv mit Alkoholismus und Drogensucht um, Rückfälle begründete er mit dieser dämonischen Stimme. Im Oktober 2006 etwa sagte er nach einem erfolgreichen Entzug: "Du stehst am Rand einer Klippe und siehst hinunter. Es gibt diese Stimme, eine kleine und leise Stimme, die sagt: ,Spring!'" Im vergangenen Herbst sprach er in der Late-Night-Show von Jon Stewart erneut darüber, dass diese Stimmen niemals verschwinden würden und er sich deshalb immer wieder in Entzug begeben müsse.

"Ich kenne Robin nun seit 35 Jahren - und habe ihn doch nie gekannt", sagt Jamie Masada. Er ist der Gründer des Stand-up-Comedy-Clubs Laugh Factory auf dem Sunset Strip in Los Angeles. Hier hat Williams den nach eigenen Angaben schönsten Moment seiner Karriere erlebt, als er gemeinsam mit seinem Vorbild Richard Pryor auf der Bühne stand. Am Nachmittag kamen zahlreiche Komiker zum Club, auf dem Billboard über dem Eingang war zu lesen: "Ruhe in Frieden, bring Gott zum Lachen."

Der schüchterne Junge aus Chicago

"Den wahren Robin Williams habe ich nie zu Gesicht bekommen, er hat immer eine Rolle gespielt", sagt Masada: "Ich glaube, dass Robin nicht gemerkt hat, dass er sein Privatleben komplett an die Öffentlichkeit verkauft hat." Der Verkauf dieses Privatlebens begann im Jahr 1977. Er hatte als einer von zwei John-Houseman-Stipendiaten (der andere war der spätere Superman-Darsteller Christopher Reeve) die Juilliard School für Darstellende Künste absolviert und Auftritte als Komiker in den Clubs von New York hingelegt, da sollte er in der Serie "Happy Days" einen Außerirdischen spielen. Eine Nebenrolle, keine große Sache.

Doch Williams' nasale Stakkato-Sprache blieb den Zuschauern im Kopf, sie wollten mehr hören von diesem Schauspieler. Ein Jahr später wurde diese Figur zum Protagonisten in der Serie, die hierzulande bekannt ist unter dem Titel "Mork vom Ork". Aufgrund der gewaltigen Spontaneität von Williams fertigten die Autoren bisweilen Drehbuchseiten mit weißen Passagen an, um dessen Kreativität herauszufordern. Bereits für die erste Spielzeit wurde er mit dem Golden Globe ausgezeichnet, wie später nochmals für seine Mitarbeit an den Filmen "Good Morning, Vietnam", "König der Fischer", "Aladdin" und "Mrs. Doubtfire".

Der schüchterne Junge aus Chicago - sein Vater war Manager, die Mutter Model - war nun ein Star, der diese Aufmerksamkeit durchaus genoss. "Auch wenn er sich häufig darüber beschwerte, hat er doch nie den Wunsch nach einem Autogramm oder einem gemeinsamen Foto ausgeschlagen", sagt Masada: "Damit hat er sich jedoch, ohne es zu ahnen, den Fans geopfert." Der Verlust von Privatsphäre führte zu Selbstzerstörung.

Der bekümmerte Komiker

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In dieser Zeit begannen die Stimmen zu Williams zu sprechen, zunächst kamen sie von außerhalb seines Kopfes und meist aus dem Mund von John Belushi. "Es war unglaublich, wie populär die beiden waren. Sie wurden von den Menschen erkannt, wo immer sie sich gerade aufhielten", sagt Masada. Belushi führte Williams in das wilde Partyleben von Hollywood ein, bei dem bereits zum ersten Cocktail weißes Pulver gereicht wurde. Und natürlich hielten sich die beiden, so Masada, für unverwundbar.

Dass das nicht so ist, wurde Williams in einer Nacht im März 1982 bewusst. Er besuchte seinen Freund in einem Hotelzimmer in West Hollywood und schnupfte ein wenig Kokain, dann ließ er Belushi zurück. Der wurde am Morgen darauf tot gefunden, gestorben an all dem Heroin und Kokain, das er in seinen Körper gepumpt hatte. "Das war ein gewaltiger Weckruf - wie auch die Geburt meines Sohnes", sagte Williams, der danach nicht nur den Drogen und dem Alkohol abschwor, sondern auch den Sprung auf die große Leinwand schaffte. Selbstverbesserung statt Selbstzerstörung.