Literatur Deutscher Buchpreis geht an Bodo Kirchhoff

Bodo Kirchhoff gewinnt den Deutschen Buchpreis 2016.

(Foto: dpa)
  • Bodo Kirchhoff gewinnt den Deutschen Buchpreis 2016.
  • Sein Roman "Widerfahrnis" erzählt von einem Verleger im Ruhestand, der mit einer Zufallsbekanntschaft zu einer Reise aufbricht und dabei mit der Flüchtlingskrise konfrontiert wird.
  • Die Jury lobte Kirchhoffs Werk als "vielschichtigen Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt".
  • Der Preis ist mit 25 000 Euro dotiert.

Bodo Kirchhoff erhält den Deutschen Buchpreis 2016 für seinen Roman "Widerfahrnis". Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt bekannt.

Mit dem Preis, der mit 25 000 Euro dotiert ist, wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse die beste literarische Neuerscheinung des Jahres ausgezeichnet. Das Buch sei "ein vielschichtiger Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt", begründete die siebenköpfige Jury ihre Wahl.

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In dem Roman (Frankfurter Verlagsanstalt) bricht ein im Ruhestand lebender Verleger mit einer Zufallsbekanntschaft - der etwa gleichaltrigen früheren Besitzerin eines Hutgeschäfts - zu einer spontanen Autoreise in den italienischen Süden auf. Das Liebespaar wird dann auf Sizilien mit der Flüchtlingskrise konfrontiert.

Kirchhoff, 1948 in Hamburg geboren, lebt mit seiner Frau Ulrike Bauer in Frankfurt am Main und am Gardasee, wo das Paar seit 2003 Schreibseminare gibt. 2010 berichtete er im Spiegel, dass er als Schüler eines christlichen Internats am Bodensee sexuell missbraucht worden sei.

Kirchhoff stand schon einmal auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis: 2012 mit "Die Liebe in großen Zügen". Er setzte sich gegen Reinhard Kaiser-Mühlecker ("Fremde Seele, dunkler Wald"), André Kubiczek ("Skizze eines Sommers"), Thomas Melle ("Die Welt im Rücken"), Eva Schmidt ("Ein langes Jahr") und Philipp Winkler ("Hool") durch. Die fünf Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro.

Am Dienstag wird die Frankfurter Buchmesse eröffnet. Sie wird bis zum Sonntag Zehntausende Fachbesucher und Buchliebhaber anlocken.

Die Gewinner des Deutschen Buchpreises der vergangenen zehn Jahre:

  • 2015: Frank Witzel für "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"
  • 2014: Lutz Seiler für "Kruso"
  • 2013: Terézia Mora für "Das Ungeheuer"
  • 2012: Ursula Krechel für "Landgericht"
  • 2011: Eugen Ruge für "In Zeiten des abnehmenden Lichts"
  • 2010: Melinda Nadj Abonji für "Tauben fliegen auf"
  • 2009: Kathrin Schmidt für "Du stirbst nicht"
  • 2008: Uwe Tellkamp für "Der Turm"
  • 2007: Julia Franck für "Die Mittagsfrau"
  • 2006: Katharina Hacker für "Die Habenichtse"
  • 2005: Arno Geiger für "Es geht uns gut"

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