Britisches Wort des Jahres Was haben wir gelacht!

Das "Gesicht mit Freudentränen"-Emoji ist für Oxford Dictionaries das Wort des Jahres.

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Kommunikation 2.0: Ein Emoji wird in Großbritannien zum Wort des Jahres gekürt.

Von Eva Dignös

Triumph des gelben Smileys über die Welt der Buchstaben: Für die Sprachbeobachter der britischen Oxford Dictionaries ist ein Emoji das Wort des Jahres. Die Begründung der Jury: Das Grinsegesicht, dem die Freudentränen aus den Augen spritzen, sei der Ausdruck, der das vergangene Jahr sprachlich am besten reflektiere. Die Bedeutung der Emojis in der Kommunikation habe 2015 enorm zugenommen. Und das beliebteste Gelbgesicht sei nun einmal das Freudentränen-Emoji gewesen.

Woher Oxford Dictionaries das weiß? Die Institution, die der Oxford University angeschlossen ist, ließ einen Anbieter von Tastatur-Apps auswerten, welche Emojis am häufigsten genutzt werden. Die Briten müssen 2015 viel Grund zur Ausgelassenheit gehabt haben: Jedes fünfte verschickte Emoji hatte Freudentränen in den Augen. In den USA waren es mit 17 Prozent ähnlich viele.

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Der Gebrauch von Emojis sei endgültig nicht mehr textenden Teenagern vorbehalten. Die Piktogramme hätten sich zu einer Kommunikationsform entwickelt, die linguistische Grenzen überschreite. Als Kronzeuge dient der Jury beispielsweise ein Tweet von Hillary Clinton, in dem die US-Präsidentschaftskandidatin um ein Feedback in Emoji-Form bat.

Weitere Kandidaten für das Wort des Jahres waren unter anderem "Ad-Blocker", "Flüchtling", "Dark Web" und "Brexit". Im vergangenen Jahr hatte "vape", der englische Begriff für eine elektrische Zigarette, gewonnen, 2013 war es das Selfie.

Eine weltweit verständliche Sprache?

Auch wenn das Votum der britischen Jury Sprachpuristen ähnlich fassungslos zurücklassen wird, haben die Emojis gegenüber dem frischen gekürten deutschen Jugendwort des Jahres "Smombie" voraus: Man kennt und verwendet sie tatsächlich. Das Kunstwort aus "Smartphone" und "Zombie" dagegen, das einen Menschen bezeichnen soll, der so gebannt auf sein Smartphone starrt, dass er seine Umwelt nicht mehr wahrnimmt, schrieb auch vielen Jugendlichen erst einmal ein Fragezeichen ins Gesicht.

Der Begriff Emoji kombiniert die japanischen Wörter "e" für Bild und "moji" für Zeichen. In den deutschen Duden hat es das Wort noch nicht geschafft. Dort sind bisher nur die Emoticons gelistet - die "Kombination verschiedener auf einer Computertastatur vorhandener Zeichen, mit der in einer E-Mail eine Gefühlsäußerung wiedergegeben werden kann (z.B. Smiley)", wie das Lexikon wortreich die Tatsache umschreibt, dass die Symbole Kommunikation kürzer und schneller machen sollen. Das englische Wort "Emotion" für Gefühle steckt in dem Kunstwort.

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Mit den Emojis kam zu den Gefühlen noch ein ganzes Bilderlexikon an Alltagsbegriffen hinzu. Eine weltweit verständliche Sprache wollte der japanische Emoji-Erfinder Shigetaka Kurita damit schaffen. In der Praxis klappt das nicht immer. Tatsächlich klebt gern eine ganze Perlenkette von Symbolen hinter der Nachricht, weniger ihrer Aussagekraft wegen, sondern mehr als hübsches Spiel mit bunten Bildchen.

In die renommierten Oxford Dictionaries wird es das Sieger-Emoji wie auch seine zahlreichen gelben Geschwister dennoch nicht schaffen: Das Wort "emoji" sei seit 2013 gelistet, es gebe keine Pläne, die Gelbgesichter in die Wörterlisten aufzunehmen, teilte die Institution mit. Aber man hat sich bei Oxford Dictionaries immerhin schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie es aussehen könnte, wenn wir künftig Emoji-Sprache reden: