Gender Pay Gap Wen die Lohnlücke besonders hart trifft

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Erklärungen für den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern gibt es viele - Lösungen bislang wenige. Ein Überblick in Grafiken.

Von Jana Anzlinger

Es tut sich nichts bei den Verdienstunterschieden zwischen Frauen und Männern. Im Jahr 2017 hat eine Frau in Deutschland für eine Stunde Arbeit im Schnitt 16,59 Euro brutto verdient, ein Mann durchschnittlich 21 Euro. Das heißt: Frauen bekommen im Durchschnitt in Deutschland 21 Prozent weniger Lohn als Männer, teilt das Statistische Bundesamt mit.

Etwa zwei Drittel der Lohnlücke lassen sich damit erklären, dass Frauen häufiger in Teilzeit und in sozialen Berufen mit geringerem Verdienst arbeiten und seltener Chefinnen werden. "Die restlichen sechs Prozent fußen höchstwahrscheinlich auf Diskriminierung", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Das Prinzip 'gleicher Lohn für gleiche Arbeit' fordern wir seit Jahrzehnten. Und bis heute ist es nicht umgesetzt", schimpft die Gewerkschafterin.

Kritiker der Lohnlücke argumentieren, dass Frauen verhandeln lernen sollten, weil Gehalt oft Verhandlungssache ist. Sie meinen zudem, dass es nicht sinnvoll sei, über Branchen hinweg Gehälter zu vergleichen. Man kann sich aber auch über den Rest der Lohnlücke empören. Die Kampagne Equal Pay Day macht das am kommenden Sonntag wieder bundesweit mit zahlreichen Aktionen: Ab dem 18. März arbeiten Frauen, statistisch gesehen, nämlich nicht mehr gratis. Würden sie seit dem 1. Januar täglich arbeiten und Männer erst ab dem 18. März, hätten sie bis Silvester dieselbe Jahressumme verdient.

Dass in Deutschland strukturell etwas falsch läuft, das zeigt zum Beispiel der internationale Vergleich: EU-weit gibt es nur zwei Länder, in denen die Lücke größer ist: Estland und Tschechien. Die durchschnittliche Lohnlücke der EU-Mitgliedstaaten ist 16 Prozent. Wie kann das sein?

Neben der Lohnlücke gibt es weitere Hinweise darauf, wie weit der deutsche Arbeitsmarkt von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt ist. So sind zwar etwas mehr Männer als Frauen arbeitssuchend gemeldet und es leben gleich viele Männer und Frauen von Arbeitslosengeld oder sonstigen Sozialleistungen. Aber nur 40 Prozent der Frauen können ihren Lebensunterhalt mit ihrem eigenen Gehalt bestreiten - bei den Männern sind es mehr als 50 Prozent. Deutlich mehr Frauen als Männer werden hauptsächlich durch ihre Angehörigen unterstützt. Das dürfte vor allem daran liegen, dass in vielen Haushalten Frauen die Kindererziehung in Vollzeit übernehmen, während Männer weiter Gehalt beziehen.

Etwas mehr Frauen als Männer können hauptsächlich von Vermögen und Rente leben - wie gut sie damit leben können, ist aber nicht erhoben. Seniorinnen bekommen 46,5 Prozent weniger Rente als Senioren. Damit liegt Deutschland weit über dem EU-Durchschnitt von 40,2 Prozent. Nur in Zypern war 2014 die Rentenlücke größer, wie eine Erhebung im Auftrag des Europäischen Parlaments ergeben hat.

2016 war dem Statistischen Bundesamt zufolge fast jede dritte berufstätige Frau "atypisch beschäftigt" - also befristet, in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt oder bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt. 23,6 Prozent der berufstätigen Frauen hatten Teilzeitjobs. Dagegen arbeiteten nur 3,6 Prozent der Männer Teilzeit und weitere 8,3 Prozent in Vollzeit, aber befristet, geringfügig oder als Zeitarbeiter.

Frauen, die Kinder haben und Geld verdienen, opfern dafür viel eher ihre Freizeit als Männer. Fragt man etwa Berufstätige, wie ein gewöhnlicher Tag bei ihnen zuhause aussieht, unterscheiden sich die Antworten massiv voneinander: Berufstätige Frauen verbringen im Durchschnitt fast so viel Zeit mit der Kinderbetreuung wie mit ihrem Erwerbsjob.