Floskeln und geheime Codes der Personaler So fällt das Arbeitszeugnis stets zur vollsten Zufriedenheit aus

Frau Mustermann sollte sich ihr Arbeitszeugnis ganz genau anschauen - es lauern viele Fallen.

(Foto: Ralf Kleemann)

Wie Chefs ihre Bewertungen chiffrieren - und worauf Mitarbeiter noch achten sollten.

"Lass uns Freunde bleiben" oder Rosenkrieg? Diese Frage stellt sich nicht nur, wenn eine Beziehung in die Brüche geht, sondern auch, wenn ein Arbeitsverhältnis endet. Und wie auch im Liebesleben hängt viel davon ab, wie die Trennung verlaufen ist. Man geht im Guten auseinander, weil man sich schlicht auseinandergelebt hat? In dem Fall wird es beiden Parteien leichter fallen, dem anderen von Herzen alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Gab es hingegen Betrug, Streit, Gemeinheiten? Dann ist die Versuchung groß, dem Ex-Partner das weitere Leben bestmöglich zur Hölle zu machen.

Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen Trennung und Kündigung: Im Berufsleben zieht der Arbeitgeber noch einmal Bilanz für die gemeinsamen Jahre.

Die Schwierigkeit aus Arbeitnehmersicht: Die Zeugnisse werden in einer Art Geheimsprache formuliert. Über die Jahre hat sich ein System bestimmter Floskeln und Standards in den Personalabteilungen entwickelt. In diesem Regelsystem können ein "stets" oder ein "vollstens" darüber entscheiden, ob eine Leistung hervorragend oder nur durchschnittlich war.

Der Grund für diese umständliche Verklausulierungstechnik: Ein Arbeitszeugnis muss "wahr", "wohlwollend" und "vollständig" sein - so verlangt es das Bundesarbeitsgericht. Will nun der Chef einen potenziellen neuen Arbeitgeber vorwarnen, darf er nicht schreiben "Herr Müller war arbeitsunwillig und hat lediglich Dienst nach Vorschrift gemacht" (wenig wohlwollend). Ein "Er zeigte stets Verständnis für seine Arbeit" bedeutet im Zeugnis-Sprech dasselbe, klingt allerdings viel freundlicher. Und anders als Herr Müller, der sich über die vermeintlich netten Worte freut, kann ein geschulter Personaler die Formulierung schnell entschlüsseln - und das Absageschreiben vorbereiten.

Für Arbeitnehmer ist es also wichtig, ein Gefühl für die speziellen Vokabeln und Formulierungen in einem Zeugnis zu bekommen. Nur so können sie einschätzen, wie wohlmeinend und positiv die Leistungsbeurteilung tatsächlich ausfällt.

Das bedeutet der Arbeitszeugnis-Geheimcode

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Allerdings ist die Sorge, am letzten Tag ein schlechtes Zeugnis in die Hand gedrückt zu bekommen, nur in wenigen Fällen berechtigt. Mehr als 80 Prozent der Arbeitszeugnisse seien im Bereich "gut" oder "sehr gut" angesiedelt, zitiert die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Finanztest den Berliner Arbeitsrecht-Anwalt Alexander Bredereck. Umso wichtiger sei es jedoch, sich zur Wehr zu setzen, wenn das Dokument ungewöhnlich negativ ausfällt oder andere Mängel aufweist.