Bewerbung als Führungskraft Warum Frauen sich nicht trauen

Junge Frau auf Jobsuche: Will sie "Leiter Finanzbuchhaltung" werden?

(Foto: dpa-SZ)

Durchsetzungsstark, offensiv - männlich? Frauen sind in Führungspositionen noch immer rar. Viele Unternehmen klagen, sie hätten zu wenig weibliche Bewerberinnen. Schuld daran sind auch Stellenanzeigen, die Frauen abschrecken.

Von Karin Janker

Beim Durchforsten der Stellenanzeigen begann für Andrea R. das Problem: Die junge Ingenieurin hat ihr Studium mit 1,2 abgeschlossen, fand aber lange kein Jobangebot, dem sie sich gewachsen fühlte. "Ich bin eben nicht offensiv, habe auch keine Führungsqualitäten und ob mein Englisch wirklich fließend ist, kann ich nicht beurteilen", sagt die 25-Jährige, die ihren Namen nicht in den Medien lesen möchte. Also bewarb sie sich für viele Jobs erst gar nicht. Ihre männlichen Kommilitonen gingen anders an die Sache heran: "Die haben sich zum Teil auf Ausschreibungen beworben, deren Anforderungen sie gar nicht erfüllten."

Das Gefühl, dass Jobinserate kompetente Frauen häufig nicht ansprechen, bestätigt eine aktuelle Studie der Technischen Universität München (TUM). "Unternehmen klagen immer wieder darüber, dass sie nicht genug weibliche Bewerber haben, um eine strenge Frauenquote zu erfüllen", berichtet Susanne Braun, Mitarbeiterin am Institut für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement der TUM. Sie und ihre Kollegin Tanja Hentschel haben nun einen Grund gefunden, der Frauen von einer Bewerbung abhält, obwohl sie tatsächlich qualifiziert sind: die Formulierung der Stellenausschreibung.

Gesucht: Projektleiter (m/w), durchsetzungsstarke Persönlichkeit mit Führungsfähigkeit. Auf eine solche Stellenausschreibung werden sich kaum weibliche Bewerberinnen melden - trotz des Hinweises "(m/w)". Weil Frauen für die Stelle nicht geeignet sind? Nein. Vielmehr schreckt das Jobinserat Bewerberinnen eher ab, als sie für die Stelle zu gewinnen.

Gewissenhaft oder analytisch

In ihrer Studie zeigten die Münchner Wissenschaftlerinnen 260 Testpersonen fiktive Anzeigen, in denen ein Platz in einem Qualifizierungsprogramm für angehende Führungskräfte ausgeschrieben war. Nannte der Ausschreibungstext viele Eigenschaften, die traditionell als "männlich" gelten, fühlten Frauen sich weniger angesprochen und wollten sich seltener bewerben. "Durchsetzungsstark, selbstständig, offensiv und analytisch sind solche männlich konnotierten Wörter", sagt Hentschel.

Im Gegenzug trauten sich Frauen den Job eher zu, wenn die Stellenanzeige die Eigenschaften "engagiert", "verantwortungsvoll", "gewissenhaft" oder "kontaktfreudig" von den Bewerbern verlangte. Von diesen Ausschreibungstexten fühlten sich in der Studie Männer und Frauen gleichermaßen angesprochen. "Interessant ist, dass Männer sich von eher weiblichen Stereotypen nicht abgeschreckt fühlen - entweder reagieren sie weniger sensibel oder aber 'feminine' Wörter sind einschließender, sodass auch Männern sich mit ihnen identifizieren können", sagt Hentschel.

Eine Studie der Columbia Business School und der Kellogg School of Management bestätigt die Vermutung, dass Männer und Frauen ihre Fähigkeiten unterschiedlich einschätzen. In dem Laborexperiment untersuchten die Forscher, nach welchen Kriterien Arbeitgeber bei der Besetzung einer wissenschaftlichen Stelle in Arithmetik auswählen. Kannten die Arbeitgeber nur das Geschlecht der Bewerber, wurden doppelt so häufig Männer wie Frauen eingestellt. In einem zweiten Versuch durften die Bewerber gegenüber ihren potenziellen Chefs dann ihre Fähigkeiten anpreisen. Trotzdem blieb das Ergebnis gleich.

Laut den Verfassern der Studie liegt das vor allem daran, wie unterschiedlich Männer und Frauen ihre Fähigkeiten beschrieben: Während die männlichen Bewerber in ihrer Selbsteinschätzung eher übertrieben und prahlten, neigten die Frauen dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen. Wurden die Kandidaten jedoch nach ihren tatsächlichen Fähigkeiten ausgewählt, schnitten die Frauen besser ab als zuvor.

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