Mit der Berufswelt in all ihren Facetten kennt sich Peter Modler aus: Er ist Unternehmensberater, Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg und war lange Jahre ehrenamtlich Arbeitsrichter. Sein drittes Buch "Die Manipulationsfalle" (erschienen bei Krüger) richtet sich an eine ganz bestimmte Zielgruppe.
SZ.de: Herr Modler, Sie haben ein Arroganztraining für Frauen konzipiert. Warum ist das eine wünschenswerte Eigenschaft?
Ich habe viele Jahre dabei geholfen, angeschlagene mittelständische Betriebe zu sanieren. Dabei ist mir aufgefallen: In fast allen dieser Firmen gab es hochqualifizierte und fähige Frauen, die auf Abschiebepositionen gelandet waren. Zum Beispiel eine ausgewiesene Spezialistin, die einer betriebsinternen Intrige zum Opfer gefallen war und seitdem an der Pforte saß. Eine totale Verschwendung ihrer Kompetenzen. Oder eine Frau, die von ihrer Ausbildung und Erfahrung her die Marketingabteilung hätte leiten können. Aber seit zehn Jahren die brave Assistentin des Marketingchefs war. Irgendwann habe ich mich gefragt: Gibt es da einen direkten Zusammenhang?
Sie meinen: Unternehmen geraten in Schieflage, weil sie Mitarbeiterinnen nicht richtig fördern?
Ich bin überzeugt, dass das ein Grund sein kann, ja. Wobei die Schuld nicht allein bei den Firmen zu suchen ist. Frauen verhindern auch selbst ihren Aufstieg.
Weil sie sich kleinmachen?
Ja. An der Uni waren es immer die Studentinnen, die mich angerufen haben, weil sie noch eine Detailfrage hatten. In neun Jahren ist kaum ein männlicher Student mit einer Nachfrage zu mir gekommen. Im Seminar haben dann aber ausgerechnet diejenigen Männer aufgetrumpft, die die Aufgabe komplett vergeigt hatten. Haben sich grinsend vor den Kurs gestellt und Stuss erzählt. Und die top vorbereiteten Frauen saßen brav und höflich da und haben die Schaumschläger gewähren lassen! Daraus ist dann am Ende die Idee des Arroganztrainings für weibliche Führungskräfte entstanden.
Aber haben arrogante Frauen überhaupt Chancen im Beruf? Schließlich werden Mitarbeiterinnen für ihre Teamfähigkeit und ihr Einfühlungsvermögen gelobt.
Und genau deshalb machen sie keine Karriere. Ein prominentes Beispiel: Anfang des Jahres hat Sigmar Gabriel die neue Generalsekretärin der SPD, Yasmin Fahimi, auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Er steht am Rednerpult und quatscht erst mal zehn Minuten über ein vollkommen anderes Thema. Sie steht daneben wie bestellt und nicht abgeholt. Schließlich fragt sie einer der Journalisten: "Was qualifiziert Sie eigentlich für diesen Job?" Fahimi sagt: "Ich bin eine gute Teamplayerin." Auf die nächste Frage - "Welche Koalitionsmöglichkeiten hat die SPD mit der Linken in den östlichen Bundesländern?" - antwortet sie sehr differenziert. Da schaltet sich Gabriel ein und sagt: "Die richtige Antwort heißt: 'Das ist Sache der Landesverbände.'" Er stuft sie demonstrativ und öffentlich herunter. Da war eigentlich schon klar, wie er sich die Zusammenarbeit vorstellt.
Er ist der Boss.
Genau. Hierarchien sind den meisten Männern sehr wichtig. Sie kommunizieren vertikal, wie man in der Soziolinguistik sagt. Das kann man schon bei kleinen Jungs beobachten: Wenn man die zusammen spielen lässt, ohne einzugreifen, werden sie sehr schnell untereinander ausmachen, wer wo in der Rangordnung steht.
Und Frauen?
Bei denen verläuft die Kommunikation typischerweise auf horizontaler Ebene: Man erzählt sich gegenseitig etwas und verteilt so Informationen egalitär. Frauen ist außerdem die sprachliche Qualität sehr wichtig. Sie bemühen sich von Anfang an um eine strukturierte Argumentation, wählen ihre Worte sorgfältig. Viele Männer wollen dagegen zunächst einfach ihren Rang deutlich machen, das Revier klären. Argumente kommen viel später. Wenn diese unterschiedlichen Arten der Kommunikation aufeinanderprallen, kommt es zwangsläufig zu Missverständnissen und Konflikten.