Arbeitsmarkt Frauen in der Teilzeit-Falle

Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer gleichgestellt - auf dem Arbeitsmarkt noch lange nicht. Fast die Hälfte der Frauen arbeitet in Teilzeit und verdient deutlich weniger als die männlichen Kollegen. Auch die Kindererziehung bleibt trotz der vielgerühmten Elternzeit an den Müttern hängen. Woran liegt das nur?

An der Spitze des Staates steht eine Frau, es gibt eine Handvoll Ministerinnen - aber in den Führungsetagen der Unternehmen sieht es eher düster aus. Nur schwer lassen sich dort Frauen finden. Und auch im ganz normalen Arbeitsleben sind Frauen gegenüber Männern weiterhin stark benachteiligt - und das nicht nur beim Einkommen.

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Nach den Ergebnissen des neuesten Frauenlohnspiegels liegt der monatliche Bruttoverdienst von Frauen im Schnitt rund 21 Prozent unter dem der Männer. Überdurchschnittlich viele Frauen haben dem Statistischen Bundesamt zufolge nur einen Teilzeitjob. Ferner sind ihre Aufstiegschancen schlechter und sie haben auch bei Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld gegenüber Männern das Nachsehen, teilte das WSI-Tarifarchiv in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit.

Die wichtigsten Gründe für den Einkommensabstand sieht das WSI darin, dass viele Frauen in Wirtschaftszweigen mit schlechter Bezahlung und in Teilzeit arbeiteten. Außerdem seien sie in Leitungs- und Führungspositionen oft unterrepräsentiert. "Zum Teil werden Frauen schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind", resümierte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Reinhard Bispinck, die Ergebnisse.

Viele Frauen arbeiten nur Teilzeit

Dem Statistischen Bundesamt zufolge hatten 2010 in Deutschland 45,6 Prozent der erwerbstätigen Frauen einen Teilzeitjob, im EU-Durchschnitt waren es 30,8 Prozent. Die meisten Frauen (51,3 Prozent) arbeiteten weniger, weil sie sich um die Familie kümmerten. 18,9 Prozent würden gern mehr arbeiten, fanden aber keine Vollzeitstelle. Nur in den Niederlanden war die Teilzeitquote mit 74,7 Prozent noch höher als in Deutschland. Der Anteil der Frauen, die unfreiwillig weniger arbeiteten, lag mit 5,5 Prozent aber deutlich niedriger als in Deutschland.

Viele gut ausgebildete Frauen sind motiviert und würden gerne arbeiten, doch der Einstieg in die Arbeitswelt wird ihnen oft durch ihre familiären Rahmenbedingungen erschwert oder verhindert. Bei jeder zweiten Frau liegen die Hauptgründe dafür in der Versorgung von Kindern und Pflegebedürftigen.

Zwar steigt der Anteil der Väter, die Elternzeit nehmen, jährlich weiter an. Mittlerweile geht fast jeder vierte Vater in Deutschland in Elternzeit - am häufigsten in Sachsen, Berlin und Bayern. Doch 75 Prozent von ihnen nur für die Mindestdauer von zwölf Monaten. Das ist den meisten Frauen zu wenig. Laut Vorwerk Familienstudie 2011 übernehmen 77 Prozent der Mütter die Hauptlast bei der Familienarbeit. Jede dritte Mutter von Kindern unter 16 Jahren wünscht sich laut Studie eine stärkere Beteiligung ihres Partners bei der Kindererziehung.

Alleinerziehende sind besonders benachteiligt

Besonders schwer ist es für Alleinerziehende, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. "Deutschland macht es den Alleinerziehenden bislang leider nicht einfach zu arbeiten. Zumindest nicht in Vollzeit. Die Betreuungsangebote wurden und werden zwar ausgebaut, entsprechen in ihrer Gestaltung aber nicht dem Stand des 21. Jahrhunderts. Hier muss deutlich mehr getan werden, sonst wird sich an der Situation arbeitsuchender junger Mütter nichts ändern", sagt Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit.

Noch viel besorgniserregender ist der Umstand, dass 19 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland gar keinen Ganztagsjob bekommen und deswegen in einem Teilzeitjob arbeiten. Das Dilemma beginnt schon beim Vorstellungsgespräch, das sich oft zur Gänze nur um Kinder dreht. Frauen um die 30 werden von vielen Arbeitsgebern als besonders "gefährdet" angesehen, sich in den nächsten Jahren eher ihrer Familienplanung als ihrer Karriere zu widmen.

Dabei ist es für viele Frauen mittlerweile schon fast unmöglich, eine Familie zu gründen. Den meisten fehlen dafür die finanziellen Mittel. Der Anteil der geringfügig Beschäftigen unter den Frauen steigt jährlich an. 2011 waren es in Deutschland insgesamt 3,2 Millionen Frauen, die mit einem Verdienst von maximal 400 Euro auskommen und einen Teil davon für ihre Sozialversicherung aufwenden mussten. Das Statistische Bundesamt schätzt hingegen, dass Eltern pro Kind 640 Euro ausgeben.

Dass sich die Situatuion der Frauen und Mütter bessern wird, darüber ist sich Heinrich Alt von der Budnesagentur für Arbeit sicher: "Frauen haben einen starken Verbündeten, den demographischen Wandel. Wir werden älter und weniger. Die Arbeit bleibt, aber die Arbeitskräfte gehen aus. Umso dringender müssen wir den Blick auf diejenigen richten, die bisher zum teil am Rande des Arbeitsmarktes standen".