Derzeit trifft die Krise auf dem Arbeitsmarkt gut Ausgebildete besonders hart, doch in manchen Berufen sollen bald schon wieder Fachkräfte fehlen.
Ausbildung verhindert Einbildung, so lautet ein Aphorismus aus dem Jahr 1898. Leider hat eine gute Ausbildung auch immer die Einbildung gefördert, als Abiturient oder Hochschulabsolvent auf dem Arbeitsmarkt eine gute Startposition zu haben. Nun, im Krisenjahr 2009, scheint es für Hochqualifizierte nicht mehr so einfach zu sein, einen Job zu finden. Nach einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) schnellte die Zahl der arbeitslosen Abiturienten innerhalb eines Jahres um fast 25 Prozent in die Höhe (siehe Grafik). "Auch eine gute schulische Ausbildung schützt längst nicht mehr vor Arbeitslosigkeit", sagt Wilhelm Adamy, Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik beim DGB-Bundesvorstand.
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Mitunter greifen arbeitslose Akademiker auf der Suche nach einem Job zu ungewöhnlichen Mitteln, wie hier ein junger Mann in der Londoner Fleet Street. (© Foto: Reuters)
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Die Wirtschaftskrise trifft weltweit vor allem junge Erwachsene. Wie hierzulande sind auch in Großbritannien zwar weniger Akademiker arbeitslos als Facharbeiter oder Ungelernte - aber auch dort steigt die Zahl der Hochqualifizierten ohne Job. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg waren mehr britische Uni-Absolventen ohne Beschäftigung. Dabei haben die meisten von ihnen alles richtig gemacht: schnelles Studium, zahlreiche Praktika, mindestens einen Auslandsaufenthalt - trotzdem haben viele keine Aussicht auf eine Anstellung.
Auch in den Vereinigten Staaten trifft die Krise junge Menschen härter als andere. Nur knapp 20 Prozent aller Absolventen, die sich dieses Jahr um einen Arbeitsplatz beworben haben, hatten Erfolg. Vor zwei Jahren waren es 52 Prozent. Das ergab eine Studie der National Association of Colleges and Employers. "Sie machen ihren Abschluss in einer Welt voller Angst und Unsicherheit", sagte der amerikanische Vizepräsident Joe Biden jüngst zu Absolventen der Syracuse University im Bundesstaat New York.
In Deutschland sieht es kaum besser aus. Seit November 2008 ist die Zahl der Arbeitslosen bei den unter 25-Jährigen um 26 Prozent gestiegen. Fast 290.000 Hochschulabsolventen drängten 2008 auf den Arbeitsmarkt. In diesem Jahr werden allein 35.000 Ökonomen auf Jobsuche gehen. Zu viele für das derzeitige Stellenangebot. "Die Hochschulabsolventen haben es sehr schwer unterzukommen. Im Augenblick ist Durststrecke angesagt", sagt Claudia Eckstaller, Professorin für Betriebswirtschaft an der Hochschule München. Bis vor kurzem hätten Absolventen noch gute Chancen bei Zeitarbeitsfirmen gehabt, so die Expertin für Personalwesen, aber auch dort seien die Stellenangebote massiv geschrumpft. "Und wenn entlassen wird, dann trifft es vor allem die Jungen, die sind am leichtesten zu kündigen", erklärt Eckstaller.
Arbeit ist nicht alles, aber ohne Arbeit ist alles nichts
Wer wegen der Krise seinen Job verliert oder erst gar keinen findet, erlebt, was es heißt, nicht gebraucht zu werden. "Arbeit ist nicht alles, aber ohne Arbeit ist alles irgendwie nichts", sagt der Dortmunder Soziologe Ronald Hitzler. Wer einen Job hat, ist aktiv. Arbeit stattet Menschen mit sozialem Status aus und verschafft soziale Kontakte.
"Mittlerweile ist die Arbeit als Identitätsstifter immer wichtiger geworden. Wichtiger sogar als die regionale oder familiäre Herkunft", sagt Jeanne Rademacher, Psychologin von der Universität Magdeburg. Deshalb gehe der Verlust von Arbeit auch oft mit einer Identitätskrise einher, münde manchmal in Depressionen oder Ängstlichkeit. Wer nicht mehr arbeitet, verliert sich selbst. Nur wenige können den Verlust des Jobs gut verkraften. "Es gibt Menschen, die mit neuartigen oder unlösbaren Situationen umgehen können, die blühen auf", sagt Psychologin Rademacher, "solche Menschen sind gesegnet."
Es gibt immer Jobs
Wie es aussieht, ist das Erwerbsleben heute geprägt durch Jobwechsel, Jobverluste, Weiterbildungen, Umschulungen. Und so müssen sich viele die Frage nach Identität und Sinn immer wieder stellen: Wer bin ich, was will ich?
Der Sorge, dass es trotz allem Bemühen leider nicht mit dem Job klappt, widersprechen Daten aus vergangenen Krisenzeiten. Selbst im Jahr 2005, als die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals über die Fünf-Millionen-Marke stieg, wurden Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge mehr als 6,3 Millionen Arbeitsverträge unterschrieben. Auch in ökonomisch schwierigen Zeiten gibt es Jobs.
Die Unternehmen müssen früher sagen, wen sie benötigen
Und so rechnet die Beratungsagentur Prognos mit einem Fachkräftemangel - spätestens in 20 Jahren. Allein in Bayern könnten dann 1,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen - ein Viertel des bundesweiten Bedarfs. Am größten werde der Mangel bei Ärzten, Mathematikern und Naturwissenschaftlern ausfallen. Insgesamt haben aber, so das Ergebnis der Studie, Akademiker weit bessere Aussichten als Nicht-Akademiker. Die Gefahr eines Fachkräftemangels kann Claudia Eckstaller von der Hochschule München nicht ganz nachvollziehen. Die Unternehmen müssten eben früher sagen, wen sie benötigen: "Wer nicht rechtzeitig sagt, wen er braucht, der kann auch nicht damit rechnen, dass er ihn kriegt."
So schwer die Krise auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen wird, Hochqualifizierte sind nach wie vor in einer komfortablen Situation. Sie haben immer noch weit bessere Chancen auf eine Anstellung als Geringqualifizierte. Das beweisen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das Fazit einer im September vorgestellten OECD-Studie ist eindeutig: Ein Hochschulabschluss lohnt sich immer - und verringert das Risiko, arbeitslos zu werden.
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(SZ vom 13.10.2009/holz)
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Ja da klagt der Unternehmer dass er keine Fachkräfte mehr findet obwohl es doch so viele Arbeitsplätze gibt. Keiner versteht warum sich kein Ingenieur finden läßt der mit viel Erfahrung für wenig Geld und mit unbezahlte Überstunden, arbeiten mag. Die Taktik lautet gut qualifizierte Akademiker zu geringen Löhnen, möglichst steuerlich absetzbar (Zeitarbeit) und schnell wieder los zuwerden. Die Realität sieht leider jetzt schon so aus dass Akademiker noch Aussichten auf wenigestens irgendeinen festen Job haben, da drunter ist leider nix mehr zu holen ausser Zeitarbeit.
Der vorgetäuschte Mangel an qualifizierten Fachkräften ist dann auch immer ein schöner Vorwand sich möglichst rasch Hilfe von aussen zu holen, noch günstiger und anspruchslosere meist auch qualifizierte Kräfte
Globasierung und Marktschädigende Aussenpolitik sei dank.
vor 10 Tagen gelesen:
Fachkräftemangel in Deutschland. Es fehlen ca. 60.000 Ingenieure, Lehrer und Ärzte.
Dem entspricht auch das deutsche Einwanderungsrecht, dass den Akademikerarbeitsmarkt internationalisiert. Bei Nachweis einer akademischen Ausbildung können Osteuropäer bereits ebenso wie Alt-EU'ler in Deutschland ohne Genehmigungsverfahren arbeiten und alle anderen nach einem Arbeitsmarktcheck. Wenn sich kein gleichermaßen guter Deutscher/Alt-EU'ler finden lässt, kriegt man als Immigrant also einen Aufenthaltstitel. Absolventen deutscher Unis und Auslandsschulen bekommen auch einen Aufenthaltstitel ohne Arbeitsmarktprüfung.
Die Tür ist weiter offen als in jeder anderen Industrienation!
Warum schreibt eigentlich darüber niemand?
Arbeit hierzulande wird nochmal so billig wie Dreck werden.
Das ist politisch ganz klar so gewollt, und logischer Weise trifft es ab einem gewissen Zeitpunkt natürlich auch die höher qualifizierten Arbeitnehmer.
Schröder & Co. haben diese Entwicklung vor ein paar Jahren ganz bewusst eingeleitet (Genosse der Bosse).
Nicht umsonst ist die Besteuerung von Einkünften aus Kapital wesentlich geringer als die Besteuerung von Einkünften aus Arbeit.
Das sagt doch eigentlich schon alles!
Die Feinarbeit macht jetzt noch die FDP- vom Wähler exclusiv dazu ermächtigt.
Armes Deutschland...
Dummheit wird halt manchmal schon bestraft, wie man hieran sehen kann ;o))
die Zeitarbeit nicht massiv ausgebaut werden so dass man die Leute bei der kürzesten Durststrecke hinaushauen kann und ältere Menschen mit Erfahrung berücksichtigt werden und die Firmen bereit sein einen neuen Mitarbeiter aus einem anderen Bereich zu schulen würden keine Fachleute fehlen.
"Und so rechnet die Beratungsagentur Prognos mit einem Fachkräftemangel - spätestens in 20 Jahren."
Das freut natürlich den jetzt 35 jährigen arbeitslosen Facharbeiter sehr!
Nur noch die paar Jährchen durchhalten, dann klappt's auch wieder mit einem Job ;o)
Paging