Wochenbettdepression Im Mutterunglück

Das Baby ist da, die Freude hingegen nicht: Mütter mit Wochenbettdepression brauchen Hilfe.

(Foto: Victoria Bonn-Meuser/dpa)

Angst, Schuld und Leere statt der großen Freude: Eine Wochenbettdepression tritt nicht zwangsläufig im Wochenbett auf. Und sie ist etwas ganz anders als die Erschöpfung, die viele junge Mütter empfinden. Psychiaterin Christiane Hornstein im Interview über Anzeichen, Hilfen - und die Bedeutung von ausreichendem Schlaf.

Sarina Pfauth

Christiane Hornstein ist Ärztin für Psychiatrie. Sie ist Leiterin und Gründerin der Mutter-Kind-Behandlung am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch. Als Expertin für psychische Erkrankungen rund um die Geburt hat sie zum Thema postpartale Depression zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht.

Süddeutsche.de: Frau Hornstein, das Gefühl, überfordert und ausgelaugt zu sein, kennen viele Säuglingsmütter, und manch eine fragt sich: Ist das noch normal? Woran erkennt man eine Wochenbettdepression?

Christiane Hornstein: Die postpartale Depression zeichnet sich durch ein Gefühl von innerer Leere und fehlender Freude am Baby aus. Die erwartete Freude und das erhoffte Glück kann man nicht erfinden. Man weiß im Kopf, dass man sich freuen müsste, aber man fühlt es nicht. Höchstens Mitleid, Angst, Sorge und Schuldgefühle.

Süddeutsche.de: Was sind die ersten Anzeichen für eine postpartale Depression?

Christiane Hornstein: Eines der Frühsymptome sind Schlafstörungen. Alle Mütter werden nachts von ihren Babys geweckt, aber wenn man zwar müde und erschöpft ist, aber trotzdem nicht mehr in den Schlaf findet, weil man grübelt und negative Gedanken im Kopf kreisen, dann ist das ein Hinweis darauf, dass eine Depression anfängt.

Süddeutsche.de: Welche Symptome beobachten sie sonst noch häufig?

Christiane Hornstein: Die Frauen sind oft unruhig und können nichts zu Ende bringen. Manchmal sind sie körperlich so erschöpft, dass jeder Schritt schwer fällt. Sie empfinden das Baby meist als sehr anstrengend, jedes Weinen ist eine große Belastung. Daraus kann sich Gereiztheit gegenüber dem Kind entwickeln. Oft kann die depressive Mutter die Signale des Babys nicht gut interpretieren kann und schafft es deshalb auch nicht, das Kind schnell zu beruhigen.