Schmerzmittel Paracetamol nur noch auf Rezept?

Experten streiten darüber, ob Paracetamol künftig ausschließlich gegen Rezept ausgegeben werden soll. Denn das Schmerzmittel, das gut verträglich und vermeintlich harmlos ist, birgt ein tödliches Risiko.

Von Berit Uhlmann

Schon Kinder mit Zahnweh bekommen den Wirkstoff als bunten Saft, auch Schwangere dürfen hin und wieder eine Tablette einnehmen. Paracetamol hat den Ruf, unbedenklich zu sein. Das allerdings ist ein Trugschluss, der Experten derzeit erneut umtreibt.

Schmerzmittel werden in verschiedenen Formen und Kombinationen angeboten. Keines von ihnen ist jedoch komplett unbedenklich.

(Foto: dpa)

Seit zwei Jahren ist Paracetamol nur noch in kleinen Packungen rezeptfrei erhältlich. Derzeit wird darüber diskutiert, diese Regelung zu verschärfen. Dem Sachverständigenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegt ein Antrag vor, das Schmerzmittel künftig ausschließlich gegen Rezept anzubieten. Ursprünglich sollte am Montag darüber entschieden werden, kurzfristig wurde das Thema jedoch vertagt und auf den Sommer verschoben.

Paracetamol ist seit Jahrzehnten bewährt und in geringen Dosen gut verträglich. Doch die Crux ist, dass der Spielraum bis zur Überdosis sehr klein ist.

Die Tageshöchstdosis liegt bei vier Gramm, verteilt über den Tag. Wer sie auf einmal nimmt, nähert sich bereits bedenklich der Menge, ab der die Leber geschädigt wird: "Abhängig von der Konstitution beginnt ab etwa fünf Gramm die lebertoxische Wirkung", sagt Wolfgang Becker-Brüser vom pharmakritischen arznei-telegramm. Schon ungefähr zehn Gramm - eben jene Menge, die man heute ohne Rezept in der Apotheke kaufen kann - können tödlich sein.

Dass Überdosierungen kein theoretisches Problem sind, erleben die Giftnotrufzentralen. "Wir haben fast jeden Tag einen Paracetamol-Fall", klagte der Leiter des Erfurter Giftnotrufzentrums, Helmut Hentschel, vor kurzem. Er spricht sich dafür aus, das Mittel komplett unter Rezeptpflicht zu stellen. Denn die Zahl der Überdosierungen habe sich seit Einführung der Teil-Rezeptpflicht von 2009 kaum verringert. Alle deutschen Giftnotrufzentralen zusammen registrieren jährlich etwa 4000 Dosisüberschreitungen. Ein Teil geht auf versuchte Selbsttötungen zurück, häufiger aber führt Unkenntnis zu versehentlichen Überdosierungen.