Reden wir über Geld: Nick Mason "Wir waren ein Experiment"

Rockmusik und Rennen fahren: Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason über frühe Niederlagen, 100 Millionen Dollar für ein Comeback - und fliegende Schweine, die den Londoner Luftraum gefährden.

Interview: Uwe Ritzer

Nick Mason, 66, hat verschlafen. Mit dem Auto schafft er es an diesem Tag nicht mehr rechtzeitig zum Autorennen. Aber wer mal Schlagzeuger von Pink Floyd war, kann sich einen Hubschrauber leisten. Mit dem Fluggerät, dessen bemalte Unterseite stark dem Cover seines Pink-Floyd-Buchs "Inside Out" ähnelt, schafft es Mason noch rechtzeitig zu dem Auftritt in seinem zweiten Leben: Beim größten historischen Motorsportfestival im südenglischen Goodwood startet der passionierte Rennfahrer in einem Silberpfeil der Auto Union. Beim Interview danach zieht er häufiger die Augenbraue hoch - sehr britisch und sanft ironisch.

Nick Mason war Schlagezuger bei Pink Floyd. Neben der Musik hat er noch eine andere Leidenschaft: Autorennen.

(Foto: ag.afp)

SZ: Nick Mason, reden wir über Geld ... oder nein, reden wir in Ihrem Fall lieber zuerst über Rennautos und Rockmusik. Was ist stressiger: Ein Rennen fahren oder ein Konzert spielen?

Mason: Ein Autorennen, denn da steckt eine Gefahr drin, die es bei Konzerten nicht gibt. Außer wenn das Publikum richtig sauer wird.

SZ: Waren Sie als Drummer und einziges Bandmitglied vom Anfang bis Ende der Motor von Pink Floyd?

Mason: Musikalisch ist das Schlagzeug der Motor einer Band. Aber Drummer sind merkwürdige Typen. Sie können nicht alleine spielen wie Gitarristen oder Keyboarder. Deswegen müssen sie Teamplayer sein.

SZ: Heute sind Sie begeisterter Rennfahrer. Stimmt es, dass auch am Anfang von Pink Floyd ein Auto im Spiel war?

Mason: Roger Waters und ich studierten am selben College Architektur, kannten uns aber nur aus der Distanz. Eines Tages fragte er mich, ob ich ihm meinen 1927er Austin Seven leihe. Das war ein klappriges Ding, das ich laufend reparieren musste. Ich dachte mir, der Typ macht dir das Auto endgültig kaputt und gab es ihm nicht. Roger war sauer, aber wir hatten nun Kontakt.

SZ: Alle Pink-Floyd-Mitglieder kamen aus der Mittelschicht. Müssen Rockstars nicht eigentlich bitterarm sein und sich aus ihrer schlimmen Jugend nach oben spielen?

Mason: Das ist ein Klischee. Okay, in den frühen Jahren des Rock'n'Roll kamen viele Arbeiterkinder hoch, und Musiker, die selbst bei der Bahn oder in der Fabrik schufteten. Das änderte sich bald. Die Beatles waren auf dem College.

SZ: Pink Floyd bestand aus sehr unterschiedlichen Charakteren.

Mason: Das kann man wohl sagen, aber das gibt es oft. Denken Sie an Paul McCartney und John Lennon oder Mick Jagger und Keith Richards. Manchmal lehnen sich zwei in einer Band sogar ab und bekämpfen sich regelrecht. Aber gerade daraus erwächst oft etwas ganz Besonderes.

SZ: Stimmt es, dass Pink Floyd Frontman Syd Barrett aus der Band warf, indem Sie ihn einfach zu Hause ließen?

Mason: Es gab ständig Ärger, auch in Folge seines Drogenkonsums. Wir wollten weitere Konflikte vermeiden. Aber keiner brachte es übers Herz, ihm zu sagen: Du gehörst nicht mehr zur Band. Als wir zu einem Auftritt nach Southampton fuhren, haben wir ihn einfach nicht abgeholt. Das war 1968. Sehr lange her, aber wir schämen uns heute noch dafür.

SZ: Über die Anfangsjahre schrieben Sie: "Pink Floyd live muss für das Publikum eine verwirrende Erfahrung gewesen sein." Warum?

Mason: Wir waren ein Experiment und so war auch unsere Musik. Im Radio hörten die Leute Songs mit zwei Minuten. Und dann kommt plötzlich eine Band daher, wo ein Stück schon mal 15 Minuten dauert.