Demonstrationen in den USA Soros zeigt Verständnis für Anti-Wall-Street-Demonstranten

Sie wollen die Wall Street besetzen, die Spekulation bekämpfen und den Kapitalismus besiegen: Seit Wochen demonstriert in den USA die "Occupy Wall Street"-Bewegung. Jetzt bekommt sie prominente Unterstützung - vom Milliardär und Großspekulanten George Soros.

Sein Job ist die Spekulation, sein Revier die Wall Street, doch seine Botschaft überraschend: Der US-Großinvestor George Soros zeigt Verständnis für die Anti-Wall-Street-Protestbewegung. "Offen gesagt kann ich ihre Gefühle verstehen", sagte Soros. Auf der einen Seite müssten etwa Kleinunternehmer mit immer höheren Zinsen für ihre Kreditkarten kämpfen, auf der anderen Seite fahre die Finanzbranche riesige Gewinne ein und händige üppige Bonuszahlungen aus.

"Europa steuert auf eine große Depression wie in den dreißiger Jahren zu": Reden wir über Geld mit George Soros.

(Foto: AFP)

Unter dem Motto "Occupy Wall Street" (zu Deutsch: Besetzt die Wall Street) gehen seit mehr als zwei Wochen Tausende Amerikaner auf die Straße. Sie wollen mit ihren Aktionen nach eigenen Angaben gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA protestieren. Eine "Tea Party von Links" ist es noch nicht, aber die Stimme ist unüberhörbar.

Die Bewegung hatte am 17. September im kleinen Zuccotti-Park in Manhattan - nicht weit von der Börsen- und Bankenstraße entfernt - ein Protestcamp aufgeschlagen, inspiriert von den Demonstrationen in Spanien und in der arabischen Welt. Immer mehr Menschen schlossen sich an, nicht nur in New York, sondern auch in Boston, Seattle, Chicago, San Francisco, Atlanta, Los Angeles und anderen Städten.

Nachdem die symbolische Besetzung der Wall Street gescheitert war, marschierten am Wochenende einige tausend Menschen zur Brooklyn Bridge, was für mächtig Aufsehen sorgte, weil die New Yorker Polizei rund 700 von ihnen festnahm. Die Aktion könnte den Demonstranten weiteren Zulauf bescheren.

Soros ist nicht der erste Prominente, der sich mit den Protestierenden solidarisiert. Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, die Schauspielerin Susan Sarandon, die Komikerin Roseanne Barr oder der Filmemacher Michael Moore kamen zuletzt zu ihnen in die Liberty Street. Zudem berichten mittlerweile auch die etablierten amerikanischen Medien über das Phänomen.

Bereits für Mittwoch plant die New Yorker Bewegung einen neuen Marsch auf die Wall Street. Die Banken- und Börsenstraße soll symbolisch besetzt werden.