Von wegen Anlegerschutz: Obwohl Banken verpflichtet sind, ihre Kunden über Gefahren bei Geldanlagen zu informieren, ist die Beratung miserabel. Doch nicht nur die Politik ist gefordert.
Es gibt Fälle, in denen Frührentner ihre gesamten Ersparnisse in Lehman-Zertifikate steckten - und verloren. Es gibt Fälle, in denen Selbständige von ihrer Bank eine sichere Anlage wünschten - und riskante Papiere empfohlen bekamen, die ihnen hohe Verluste bescherten.
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Auch der Kunde sollte sich informieren. Schließlich steht viel Geld auf dem Spiel. (© ag.dpa)
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So darf es nicht weitergehen, schimpften Politiker, als diese Fälle in der Finanzkrise bekannt wurden. Und flugs beschloss die (damals noch große) Koalition neue Paragrafen zum Schutz der Anleger. Zum Beispiel sollen Bankberater in einem Protokoll festhalten, was sie ihren Kunden warum andienen. Seit Anfang des Jahres sollen sich die Deutschen besser geschützt fühlen, wenn sie sich von ihrer Bank beraten lassen.
Ist das wirklich so? Die Realität sieht offenbar anders aus. Verbraucherschützer haben Testkunden in die Filialen geschickt und kommen zu einem verheerenden Ergebnis: Die Beratung sei noch schlechter als vor dem neuen Gesetz, urteilen die selbst ernannten Richter von Stiftung Warentest. Viele Bankmitarbeiter versäumen es, Kunden nach Einkommen oder Schulden zu fragen - was die Basis für jede sachgerechte Empfehlung wäre. Viele Kunden bekommen kein Beratungsprotokoll ausgehändigt, obwohl dies Pflicht wäre.
Nur die Bank profitiert
Und außerdem dienen die Banker ihren Klienten weiterhin gerne riskante Zertifikate, unflexible Versicherungen oder altmodische Bausparverträge an. Das sind Produkte, die vor allem eines gemeinsam haben: Ihr Nutzen für den Kunden ist umstritten, die Provision aber ist hoch, die die Bank vom Erfinder des Finanzprodukts bekommt. Von wegen mehr Anlegerschutz: Das neue Gesetz hat den Deutschen bisher wenig gebracht.
Die Bundesregierung sollte völlig neu nachdenken, wenn sie die Bürger wirklich besser schützen will. Am konsequentesten wäre es, Provisionen für den Verkauf von Geldanlagen zu verbieten. Ein Zahnarzt lebt ja auch nicht davon, dass ihm Produzenten von Goldfüllungen Provisionen bezahlen. Wäre das so, würde es vermutlich im Mund der meisten Deutschen blinken, obwohl viele gar keine Goldfüllungen benötigen. Genauso ist es bei der Geldanlage: Die Depots der Deutschen sind voller Produkte, die vor allem der Bank hohe Provisionen einbrachten.
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Die Bank gewinnt immer. Bankberatung ist, als ob man den Croupier fragt, ob man Rot oder Schwarz nehmen soll. Wie man es auch dreht und wendet: Am Selberdenken führt kein Weg vorbei.