Whatsapp-Alternative Wire Dieser Messenger ist privater als Whatsapp und kann mehr als Threema

Braucht es wirklich noch eine Whatsapp-Alternative? Ja, sagen die Entwickler von Wire - und haben dafür gute Argumente.

Von Simon Hurtz, Berlin

919 Tage. So lange hat Mark Zuckerberg sein Versprechen gehalten. Im Februar 2014 übernahm Facebook den Messenger Whatsapp, und Zuckerberg versicherte, dass keine Nutzerdaten ausgetauscht würden. Whatsapp selbst schrieb in einem Blogeintrag: "Für Sie, unsere Nutzer, wird sich Folgendes ändern: nichts."

Vor zwei Wochen aktualisierte Whatsapp seine Nutzungsbedingungen. Künftig übermittelt die App bestimmte Nutzerdaten an Facebook, darunter die Telefonnummer. Wer das nicht will, kann zwar widersprechen, der Datenaustausch an sich wird damit aber nicht unterbunden. Nutzer untersagen lediglich, dass Facebook Werbung anzeigt, die auf Grundlage der Whatsapp-Daten personalisiert wurde.

Zweieinhalb Jahre sind eine lange Zeit, andere Versprechen werden viel früher gebrochen. Whatsapp verschlüsselt alle Nachrichten und kann die Inhalte selbst nicht mitlesen. Der Messenger selbst bleibt werbefrei, und für die Nutzer ändert sich unmittelbar tatsächlich nichts. All das könnte man Zuckerberg und Whatsapp-Chef Jan Koum zu Gute halten. Doch es dauerte nur wenige Tage, bis Datenschützer protestierten und die EU-Kommission ankündigte, die eigentlich längst genehmigte Übernahme durch Facebook erneut zu prüfen. Auch die Reaktion der Nutzer folgte prompt: Der Krypto-Messenger Threema registrierte zwischenzeitlich eine Verdreifachung der Käufe.

Soziale Medien und Messenger leben von großen Nutzerzahlen

Neben der Schweizer App Threema und dem von Edward Snowden empfohlenen Messenger Signal gibt es eine dritte, weniger bekannte Alternative. Sie heißt Wire und kommt aus Deutschland und der Schweiz. Seit knapp zwei Jahren arbeiten Entwickler in Berlin und in Zug an der App. Im Vergleich zu Whatsapp (Erscheinungsjahr 2009), Signal (2010, damals Textsecure) und Threema (2012) ist Wire also noch recht neu auf dem Messenger-Markt - und das merkt man: Wer sich zum ersten Mal anmeldet, kann E-Mail-Adressen und Handynummern aus seinem Adressbuch auslesen lassen (der Vorgang ist freiwillig, die Daten werden anonymisiert und verschlüsselt gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben). Wo bei Whatsapp anschließend Hunderte und bei den etablierten Alternativen Dutzende Bekanntschaften warten, kann man jedem Wire-Kontakt einzeln Hallo sagen.

So verhindern Sie, dass Whatsapp Daten an Facebook weitergibt

Der Messenger leitet die Telefonnummern seiner Nutzer weiter -  für Werbezwecke. Zumindest teilweise lässt sich dieser Automatismus blockieren. mehr ... jetzt

Das ist das augenfälligste Problem von Wire: Soziale Medien und Messenger leben von den Nutzern, daran sind schon viele vermeintliche Facebook-Konkurrenten gescheitert. Menschen, die Wert auf Privatsphäre und Datenschutz legen, versuchen seit Jahren, ihre Freunde und Bekannten von Whatsapp zu Threema oder Signal zu lotsen - durchaus mit Erfolg, davon zeugen die konstant steigenden Nutzerzahlen. Warum also sollte man von vorne beginnen und ab sofort Überzeugungsarbeit für Wire leisten?

Skype-Mitgründer an Wire beteiligt

"Diese Frage stellen wir uns natürlich auch", sagt Alan Duric, Technik-Chef bei Wire. Er habe großen Respekt vor den Entwicklern von Threema und Signal und preist ausführlich deren Arbeit. Trotzdem glaubt er, dass Wire mehr kann als die Konkurrenz: "Verschlüsseln und Nutzer nicht als Ware behandeln, das tun die anderen auch. Aber wir sind die einzigen, die das komplette Paket bieten."

Was er damit meint: Threema-Nutzer können lediglich Nachrichten schreiben, eine Telefonfunktion fehlt. Bei Signal gibt es keine Gruppen- und Videoanrufe, außerdem lässt die Sprachqualität beim Telefonieren bisweilen zu wünschen übrig. Wire bietet Audio- und Videogespräche; der Klang ist tatsächlich deutlich besser als bei den anderen Apps, auch Whatsapp und der Facebook Messenger können nicht mithalten - hier zahlt es sich aus, dass Janus Friis, einer der Mitgründer von Skype, an Wire beteiligt ist und mehrere ehemalige Skype-Mitarbeiter mit entsprechender Kompetenz mitgebracht hat.