US-Wahl Fake-News sind auf Facebook erfolgreicher als seriöse Nachrichten

Die Debatten der US-Präsidentschaftskandidaten wurden während des Wahlkampfs durch Falschmeldungen befeuert.

(Foto: AFP)
  • Buzzfeed hat den Erfolg von Fake-News auf Facebook mit dem seriöser Nachrichten während des US-Wahlkampfs verglichen.
  • Mit Herannahen der Wahl waren Fake-News auf Facebook zunehmend beliebter als Meldungen von US-Medien wie New York Times, Washington Post oder ABC News.
  • Facebook-Chef Zuckerberg wehrt sich gegen Vorwürfe, die Plattform habe die Wahl beeinflusst.

Die Geschichte von endingthefed.com ist eine Erfolgsstory. Die News-Webseite gibt es erst seit März dieses Jahres, aber die Besucherzahlen wuchsen rasant. So rasant, dass sie sich nach wenigen Monaten mit führenden US-Medien wie der Washington Post und der New York Times messen konnte. Dort konnte man Meldungen lesen mit Überschriften wie: "Hillary verkaufte Waffen an den IS". Das Konzept funktioniert vor allem auf Facebook: Die erfolgreichsten vier Beiträge von endingthefed.com erreichten rund drei Millionen Interaktionen - fast 200 000 mehr als die Top-Beiträge der Washington Post. Das hat eine Analyse von Buzzfeed ergeben.

Demzufolge erreichten die Fake-News im Vorfeld der US-Wahl zwanzig Prozent mehr Interaktionen als seriöse Nachrichten - sie wurden also häufiger geteilt, kommentiert oder mit einem Emoticon markiert. Für die Studie verglich Buzzfeed die 20 erfolgreichsten Facebook-Posts von ultrakonservativen Gruppen und sogenannten Hoax-Seiten wie endingthefed.com mit den 20 Top-Posts von US-Mainstream-Medien.

Zuckerberg wehrt sich gegen Vorwurf, Facebook habe die Wahl beeinflusst

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An der Analyse von Buzzfeed gibt es jedoch auch Zweifel. Das konservative Portal Washington Examiner beklagt vor allem die mangelhafte Methodik. So habe Buzzfeed in seine Untersuchung eine Vielzahl von Medien nicht einbezogen, darunter Yahoo News und die Webseiten von Reuters und der Daily Mail. Dass Fake-News mehr Nutzer erreichen und beliebter sind als Nachrichten etablierter Medien, sei daher nicht einwandfrei belegbar.

Fake-News sind beliebt auf Facebook, das sagt aber nichts über Webseitenbesuche aus

Die Beliebtheit von Fake-News nahm auf Facebook gegen Ende des Wahlkampfs drastisch zu, belegt die Auswertung. Bis Juli 2016 hatten demnach die erfolgreichsten Falschmeldungen auf Facebook konstant rund drei Millionen Beitragsinteraktionen - bis zum Tag der Präsidentenwahl stieg diese Zahl auf fast neun Millionen. Zeitgleich sank über die sechs Monate vor der Wahl die Beliebtheit von Posts der seriösen US-Medien kontinuierlich.

17 der 20 betrachteten Fake-News bezogen im US-Wahlkampf eindeutig Position für Donald Trump. Ihr Inhalt: Papst Franziskus habe Donald Trump für das Präsidentenamt befürwortet; Hillary Clinton habe den Mord an einen FBI-Agenten zu verantworten. Auf solche Meldungen reagierte das Netz je fast eine Millionen Mal.

Ein Facebook-Sprecher sagte, die Studie repräsentiere nur einen winzigen Teil der Gesamtinteraktionen auf der Plattform und sei deshalb nicht aussagekräftig. Buzzfeed sagt in der Studie auch, dass Facebook-Interaktionen nicht mit Besucherzahlen auf Webseiten gleichzusetzen seien. Seriöse US-Medien hätten insgesamt also sehr wahrscheinlich mehr Reichweite erzielt.

Mit Trump lässt sich mehr Geld machen

Oft sind die Urheber der Lügengeschichten stark politisch motiviert - "Hyperpartisans" nennen die US-Medien solche Webseitenbetreiber. Insbesondere Ultrakonservative verbreiten diese Nachrichten. Einer weiteren Buzzfeed-Auswertung seien es deutlich mehr als von ultralinken Gruppen ausgehen. Betreiber von Hoax-Webseiten wollen mit den hohen Klickzahlen vor allem Werbeeinnahmen generieren

Lügen für Geld - auch mazedonische Jugendliche haben das Geschäftsmodell entdeckt. Buzzfeed identifizierte jüngst mehr als 100 in Mazedonien registrierte Webseiten, die weltweit Fake-News verbreiten. "Ihre Gebete werden erhört: Hillary Clinton wird 2017 verklagt" heißt es dort etwa, oder: "Robert De Niro wechselt zu Trump". Mit Donald Trump lässt sich wohl mehr Geld machen.

Fake-News dürfen bei Facebook nicht mehr beworben werden

In der Debatte um die Rolle sozialer Medien während der US-Wahl wehrte sich Mark Zuckerberg kürzlich gegen den Vorwurf, sein Unternehmen habe das US-Wahlergebnis beeinflusst. Kritiker behaupten, die Plattform könne und solle die Verbreitung von Falschmeldungen unterbinden. Nicht wenige Journalisten und Blogger sagen: Weil sie das nicht getan hat, habe Donald Trump die Wahl gewonnen. Zuckerberg hält die Vorwürfe für "crazy", und schrieb am Samstag: "99 Prozent der Facebook-Inhalte sind echt".

Kurz darauf änderte der Konzern jedoch seine Geschäftsbestimmungen. Seit Montag dürfen Mitglieder der Plattform ausdrücklich keine Inhalte bewerben, die "irreführend oder illegal" sind - das betreffe auch Fake-News-Seiten. Nur Stunden zuvor hatte Google eine vergleichbare Änderung mitgeteilt.

Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Fassung dieses Artikels wurden Yahoo News und Daily Mail als "die zwei meistgelesenen Nachrichtenseiten in den USA" bezeichnet. Das ist nicht korrekt, es handelte sich um einen Übersetzungsfehler. Die Passage wurde entsprechend geändert.

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