Steve Jobs' Biographie "Ich werde Android zerstören"

Am Montag erscheint in den USA die autorisierte Biographie des verstorbenen Steve Jobs. Ersten Auszügen zufolge äußert sich der Apple-Mitgründer darin wenig freundlich über seinen Rivalen Bill Gates - und droht dem Konkurrenten Google mit einem "thermonuklearen Krieg".

Steve Jobs war nicht gerade als Diplomat bekannt: Die Lästereien des am 5. Oktober verstorbenen Apple-Mitgründers über Rivalen und Konkurrenzprodukte waren bereits vor seinem Tod legendär - und nehmen offenbar auch in der anstehenden Biographie einigen Raum ein.

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Am 24. Oktober erscheint "Steve Jobs by Walter Isaacson" in den USA, Ende Oktober auch in Deutschland. Das Werk wird deshalb mit Spannung erwartet, weil es die einzige Biographie ist, die Jobs autorisiert hat. Mehr als 40 Interviews führte der Autor bis kurz vor seinem Tod mit dem langjährigen Apple-Chef. Offenbar nahm sein Gesprächspartner dabei kein Blatt vor den Mund.

So berichtet die Huffington Post, der wie anderen US-Medien das Werk bereits vorliegt, von wenig schmeichelhaften Äußerungen über seinen langjährigen Rivalen Bill Gates. Bereits vor einigen Jahren hatte er gesagt, der Microsoft-Gründer wäre vielleicht "ein schlauerer Typ geworden, wenn er ein oder zwei Mal LSD eingeschmissen hätte".

Gegenüber Isaacson ließ Jobs ebenfalls keinen Zweifel daran, was er von Gates hielt: "Bill ist erst einmal einfallslos und hat nie etwas erfunden, weshalb ich glaube, dass er sich inzwischen in der Philantropie wohler als in der Technologie fühlt. Er hat schamlos die Ideen anderer Leute kopiert."

"Auf seltsame Weise fehlerhaft"

Gates seinerseits gab sich im Gespräch mit Isaacson bei seiner Einschätzung des Apple-Pioniers zwar gemäßigt, doch das Lob klingt vergiftet: "Er wusste nie besonders viel über Technik", zitiert ihn die Huffington Post, "aber er besaß einen erstaunlichen Instinkt, was funktionierte." Insgesamt sei Jobs "absolut seltsam" und "als Mensch auf seltsame Weise fehlerhaft".

Trotz aller Abneigung schienen die beiden sich doch gegenseitig zu respektieren - zu den Menschen, die Jobs unbedingt vor seinem Tod noch treffen wollte, gehörte auch Gates. Wie die New York Times unter Berufung auf die Biographie berichtet, besuchte der Microsoft-Gründer den kranken Jobs im Mai, um mit ihm in Erinnerungen an alte Zeiten zu schwelgen.

Überhaupt keinen Respekt hatte Jobs offenbar vor den Entwicklern von Googles Smartphone-Betriebssystem Android. Lange hatten Apple und Google eng zusammengearbeitet, der damalige Chef des Suchkonzerns, Eric Schmitt, saß noch bis 2009 im Apple-Aufsichtsrat.

Zu diesem Zeitpunkt galt das Verhältnis der Firmen allerdings bereits als zerrüttet: Google hatte wenige Monate nach der Veröffentlichung des iPhones im Jahr 2007 ein eigenes Mobilsystem auf den Markt gebracht. Inzwischen gelten die beiden Unternehmen als Erzrivalen im Kampf um das mobile Internet.

"Ich werde Android zerstören"

Jobs sah Android einzig als schlechte Kopie von Apple-Ideen: "Wenn ich es muss, werde ich meinen letzten Atemzug und alle 40 Milliarden Dollar, die Apple auf der Bank hat, dafür verwenden, dieses Unrecht zu korrigieren", sagte er Isaacson. "Ich werde Android zerstören, weil es ein gestohlenes Produkt ist. Ich bin bereit, dafür in den thermonuklearen Krieg zu ziehen."

In einem Gespräch soll er Schmidt einmal erklärt haben, sich nicht mit einem möglichen finanziellen Ausgleich zufriedenzugeben: "Ich habe mehr als genug Geld. Ich will, dass Ihr aufhört, unsere Ideen bei Android zu nutzen."

Das Resultat der Jobs-Haltung spiegelt sich in der aktuellen Firmenpolitik wieder: Apple versucht mit zahlreichen Patent- und Ideenklagen, den Verkauf von Android-Konkurrenzprodukten wie dem Samsung Galaxy Tab 10.1 zu verhindern.

Vorbild China

Ein weiterer Aspekt, der in den inzwischen bekannten Ausschnitten des Buches öffentlich wird, ist Jobs' Obama-kritische Haltung - trotz seines Images, ein linker Querdenker zu sein: Zwar schätzte er US-Präsident Barack Obama und bot sogar an, Anzeigen für dessen Wiederwahl-Kampagne 2012 zu designen - in einem persönlichen Gespräch sagte er Obama jedoch, dieser sei auf dem Weg, seine Wiederwahl zu verspielen.

Als Gründe gab er an, dass es in den USA zu viel Bürokratie gebe und es anders als in China schwer möglich sei, dort Fabriken zu bauen. Auch das Bildungssystem kritisierte Jobs heftig - verantwortlich dafür seien die Lehrer-Gewerkschaften, die es Schulleitern nicht ermöglichten, die Pädagogen nach ihren Leistungen einzustellen und gegebenenfalls auch wieder schnell zu feuern.

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