Online-Spezialprogramme Diese Dienste schützen vor Internet-Überwachung

Wer auf Nummer sicher gegen Internet-Überwachung gehen will, muss sich in Abstinenz üben. Kein Netz, keine Überwachung - aber auch kein normales Leben. Es geht weniger radikal. Etwa mit Spezialprogrammen und Alternativen zu Google, Microsoft, Skype und Co.

Von Johannes Boie

Überwachung in jedem Haus, davon erzählt George Orwells "1984". Das Buch wird in den letzten Tagen wieder viel gekauft, der Absatz beim amerikanischen Händler Amazon ist enorm gestiegen. Wohl, weil sich viele Menschen selbst überwacht fühlen, seit der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden der Welt mitgeteilt hat, wie massiv die US-Dienste das Netz überwachen. Viele fragen sich, was man gegen die Überwachung tun kann.

Wer auf Nummer sicher gehen will, muss sich in Abstinenz üben. Kein Netz, keine Überwachung. Allerdings auch: kein normales Leben, keine Arbeit, kaum Kontakt zu Freunden. Insofern ist Enthaltsamkeit eher eine theoretische Option. Weniger radikal, aber dennoch hilfreich ist es, jene Anbieter, die laut Snowden in das Raster der Dienste fallen, zu meiden.

Keine E-Mails bei Yahoo, Microsoft oder Google, keine Anrufe über Skype, kein Nutzerprofil bei Facebook, keine Kommunikation mit oder über Apple-Produkte, keine Google-Suchmaschine. Wer darauf nicht verzichten will, kann sich Tarnidentitäten zulegen und sollte wenig persönliche Daten wie Fotos ins Netz stellen.

Alternativen zu Gmail oder Yahoo Mail bieten E-Mail-Postfächer bei kleineren Diensten mit besonderem Fokus auf Datenschutz, in Deutschland zum Beispiel posteo.de, oder solche Postfächer, die man beim Mieten einer Internetadresse dazubekommt. Dabei ist es sinnvoll, sich nach dem Standort der Server zu erkundigen. Außerhalb der USA ist gut, noch besser ist ein auf Datenschutz ausgelegter Standort, wie (derzeit noch) Island.

Alternative Suchmaschinen, mehrere E-Mail-Adressen

Sinnvoll ist es auch, mehrere E-Mail-Adressen zu verwenden, eine nur für Online-Shopping oder soziale Netzwerke, Aktivitäten, bei denen Daten oft weitergegeben werden. Für die Internetsuche empfiehlt sich anstelle von Google eine Maschine wie duckduckgo.com, die keine Daten speichert. Besondere Vorsicht ist auch bei der Handynutzung angebracht. Nachrichtenapps wie WhatsApp oder SMS via Internet (wie iMessage bei Apple) und Twitter sind nichts anderes als Computerprogramme mit Internetverbindung.

Wer vertrauliche Daten durchs Netz schickt, kann sie verschlüsseln. Das geht für E-Mails mit der Technik PGP. Wer surft, kann das Werkzeug Tor verwenden, das allerdings die Surf-Geschwindigkeit verringert und nicht einfach zu bedienen ist. Simpler ist es, private Daten vor dem Hochladen ins Netz zu verschlüsseln, zum Beispiel mit Programmen wie Truecrypt, deren Verschlüsselungsniveau bei korrekter Bedienung so hoch sein kann, dass selbst ein Geheimdienst Aufwand betreiben muss, um sie zu knacken.

All diese Regeln machen das Leben komplizierter. Google ist nun einmal am einfachsten zu verwenden. Selbst wer sich Mühe gibt, kann in das Raster der Dienste geraten, auch aus vermeintlich sicheren Postfächern kann die Kommunikation über abgehörte Server laufen. Und auch der deutsche Geheimdienst überwacht E-Mail-Verkehr, wie die Bundesregierung im Mai 2012 einräumen musste. Darum ist die wichtigste Lehre, die aus dem Skandal zu ziehen ist, nicht, welches Programm man wann und wie einsetzt, sondern das grundsätzliche Wissen darum, dass Überwachung möglich ist - und jederzeit stattfindet.

Linktipp: Zeit-Online hat in der Serie "Mein Digitaler Schutzschild" Anleitungen für Verschlüsselungswerkzeuge veröffentlicht.