NSA-Affäre Zuckerberg protestiert bei Obama gegen Facebook-Überwachung

Facebook-Chef Zuckerberg auf dem Mobile World Congress in Barcelona

(Foto: REUTERS)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg reicht es: Nach den jüngsten Enthüllungen über die NSA beschwert er sich telefonisch bei US-Präsident Barack Obama. Er spricht von Frust und sieht die Zukunft des Internets in Gefahr.

Von Pascal Paukner, San Francisco

Der Streit zwischen der amerikanischen Regierung und der Technik-Industrie im Silicon Valley geht weiter. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich am Mittwoch telefonisch bei US-Präsident Barack Obama über den Umgang der Regierung mit dem Internet beschwert. Das gab Zuckerberg auf seinem Facebook-Profil bekannt. "Ich habe Präsident Obama angerufen, um meine Frustration darüber zum Ausdruck zu bringen, welchen Schaden die Regierung für die Zukunft von uns allen anrichtet", schrieb Zuckerberg.

Eine Sprecherin des Weißen Haus bestätigte der New York Times, dass ein solches Telefonat am Mittwochabend stattgefunden habe. Weitere Angaben über den Inhalt machte sie allerdings nicht. Der Zeitpunkt deutet jedoch darauf hin, dass die Beschwerde beim Präsidenten im Zusammenhang mit den jüngsten Enthüllungen über den amerikanischen Geheimdienst NSA und den britischen Partnerdienst GCHQ steht.

Das Investigativ-Portal The Intercept hatte am Mittwoch unter Berufung auf Dokumente aus dem Bestand Edward Snowdens berichtet, dass die beiden Dienste eine Technologie entwickelt haben, mit der Computer massenhaft mit Malware infiziert werden können. Um die Spionagesoftware zu installieren, würden die Geheimdienste auch Server zum Einsatz bringen, die den Überwachten vorgaukeln, sie würden mit einem Facebook-Server kommunizieren. Die NSA hatte der Darstellung am Donnerstag widersprochen.

Zuckerberg fordert Transparenz

"Die US-Regierung sollte das Internet verteidigen und es nicht bedrohen", schrieb Zuckerberg. Die Regierung müsse sehr viel transparenter machen, was sie tue. Ansonsten würden die Menschen vom Schlimmsten ausgehen, kritisierte Zuckerberg.

Zum Inhalt des Gesprächs machte auch der 29-Jährige keine näheren Angaben. Allerdings scheint der US-Präsident nicht zu Zugeständnissen bereit gewesen zu sein: "Unglücklicherweise sieht es so aus, als würde es für eine eine echte Reform sehr viel Zeit brauchen", schrieb Zuckerberg.

Facebook nehme den Schutz der Daten seiner Nutzer ernst. "Wenn unsere Ingenieure unermüdlich daran arbeiten die Sicherheit zu verbessern, dann stellen wir uns vor, wir schützen uns gegen Kriminelle, nicht gegen unsere eigene Regierung", kritisierte Zuckerberg.

Industrie sieht ihr Geschäft bedroht

Die großen amerikanischen Technikfirmen attackieren seit Monaten die US-Regierung wegen ihrer weitreichenden Eingriffe in das Internet. Die Unternehmen sehen ihr Geschäft, das auf dem Vertrauen der Nutzer basiert, durch die umfangreiche Internet-Überwachung der NSA gefährdet. Neun große Unternehmen der Technik-Industrie haben sich zu einer Interessengruppe mit dem Namen Reform Government Surveillance zusammengeschlossen. Sie wollen eine Eindämmung der Überwachung erreichen.

Neben Google und Apple ist auch Facebook an der Gruppe beteiligt. Immer wieder haben auch Führungspersönlichkeiten aus der Technik-Industrie öffentlich die Überwachungsmaßnahmen kritisiert. Zuletzt Google-Manager Eric Schmidt auf der Digitalkonferenz SXSW im texanischen Austin: "2010 haben uns die Chinesen gehackt. 2013 hat uns die NSA gehackt", sagte Schmidt.

Mark Zuckerberg hatte bereits im September auf einer Konferenz in San Francisco gesagt, dass es die Regierung seiner Meinung nach vermasselt habe. Auch auf dem Mobile World Congress in Barcelona hatte sich Zuckerberg ähnlich regierungskritisch geäußert.