Apps gegen Verschwendung Das kann man doch noch essen!

Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, landen viele Lebensmittel im Müll - alleine in Deutschland 18 Millionen Tonnen pro Jahr.

(Foto: dpa)
  • In Deutschland landen jährlich mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.
  • Die App Mealsaver will diese Zahl reduzieren.
  • Restaurants und Geschäfte können Mealsaver-Nutzern übriggebliebene Lebensmittel am Ende des Tages günstiger anbieten.
  • Bislang machen 175 Restaurants in Berlin und Hamburg mit, weitere Städte sollen folgen.
Von Marvin Strathmann

Kurz vor Ladenschluss im Hamburger Café Philo. In einer weißen Box liegen ein Stück Quiche, zwei Scheiben Baguette und ein gemischter Salat mit Caesar-Dressing. Eigentlich müsste das Café diese Lebensmittel wegwerfen, morgen wären sie unverkäuflich. Das Brot wäre vertrocknet, der Salat nicht mehr frisch. Doch Rettung naht in Gestalt von Ilona Ardiuschkina.

Ein Mitarbeiter des Cafés sieht auf Ardiuschkinas Smartphone, tippt auf den Bildschirm, dann darf Ardiuschkina die Box mit dem Essen mitnehmen. Bezahlt hat sie vorab per Handy. Mealsaver heißt die App, die ihr eine Freundin empfohlen hat. Mit ihr soll Lebensmittelverschwendung bekämpft werden.

Über Mealserver können Restaurants und Geschäfte am Ende des Tages übriggebliebene Lebensmittel Nutzern der App billiger anbieten. Was es gibt und wie viel die Nutzer sparen können, hängt vom Restaurant und vom Tag ab. Ardiuschkina nutzt die App hauptsächlich, um Geld zu sparen, aber auch die Idee, Lebensmittel nicht zu verschwenden, gefällt ihr.

175 Restaurants in Berlin und Hamburg sind dabei

Mealsaver ist im Google Play Store für Android und im App Store für iPhones verfügbar. Dahinter steckt ein Berliner Start-up mit 16 Mitarbeitern, die EatUp GmbH. Seit Oktober bieten etwa 150 Restaurants übriggebliebene Lebensmittel in der Hauptstadt an. Hamburg ist seit Dezember dabei, dort sind es bisher etwa 25 Restaurants. Weitere Städte sollen folgen.

In Deutschland landen dem WWF zufolge jedes Jahr mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Weil man sich beim Wocheneinkauf verschätzt hat, Gemüse zu klein oder zu krumm gewachsen ist oder im Supermarkt Joghurt aussortiert werden muss, der am Tag darauf abläuft. Und eben, weil Restaurants, Cafés und Bäckereien ihre Waren am folgenden Tag nicht mehr anbieten können oder wollen.

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Mealsaver soll helfen, jedenfalls im Kleinen. "Vorher hatte ich etwa fünf Liter Reste pro Tag", sagt Anja Merten, die Inhaberin vom Café Philo. "Jetzt eigentlich gar keine mehr, nur noch das, was auf den Tellern übrig bleibt. Ich kann Gerichte verkaufen, die ich sonst weggeschmissen hätte und der Kunde bekommt ein gutes, günstiges Essen."

Probleme mit der Restaurant-Ortung

Die Boxen kosten meist zwischen zwei und vier Euro. Das Geld geht nicht komplett an die Restaurants. Einen Euro erhält Mealsaver für die Vermittlung und die Gebühren an Paypal. Das Unternehmen stellt auch die biologisch abbaubaren Boxen bereit, die mit Essen gefüllt werden.

Die App zeigt Restaurants, die die sogenannten Foodboxen anbieten, in einer Liste an und sortiert sie nach ihrer Nähe zum Standort des Nutzers. Auch auf einer Karte können sie angezeigt werden. Die App erkennt allerdings immer wieder den Standort nicht und schlägt den Nutzern auch Restaurants in 250 Kilometern Entfernung vor. Außerdem dauert es manchmal recht lange, bis die Karte geladen hat. Ein Neustart der App löst meist die Ortungsprobleme.

Außer der Entfernung bietet Mealsaver weitere Informationen zu den Restaurants an: Welche Gerichte werden angeboten, wie viel kostet eine Foodbox, wann können Nutzer sie abholen? Tippen die Nutzer auf die Vorschau, zeigt die App eine kurze Beschreibung des Restaurants an, die genaue Adresse und wie viele Foodbooxen es dort noch gibt.

Über den "Auswählen"-Button können Nutzer schließlich die Zahl der Boxen bestimmen und bestellen. Allerdings können Nutzer nur mit einem Paypal-Konto bezahlen.

Nach dem Kauf erhält der Nutzer einen virtuellen Gutschein. Den kann er einlösen, wenn er das Essen abholt. Ein Nachteil: Viele Restaurants verkaufen ihre Foodboxen erst spät am Abend, kurz bevor sie schließen. So kann der Kunde das Essen beispielsweise erst um 21 Uhr oder später abholen. Bei Bäckereien und Cafés sieht es anders aus, sie können schon am Nachmittag übriggebliebene belegte Brötchen in die Box packen.

Nicht der einzige Anbieter

Mealsaver hat den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung nicht erfunden. Nahezu identisch funktioniert der Service Too good to go für Android, iPhone und den Browser. Die Anwendung kommt aus Dänemark und ist seit April 2016 in Deutschland verfügbar. Wie bei Mealsaver liegt der Fokus auf Berlin mit etwa 50 und Hamburg mit etwa 20 Restaurants. Aber auch im Ruhrgebiet, in München oder Dresden hat das Unternehmen Partner gefunden.

Ein anderes Konzept gegen Lebensmittelverschwendung verfolgt die Plattform Foodsharing. Hier können sich Privatpersonen anmelden, die übriggebliebene Lebensmittel kostenlos abgeben möchten, zum Beispiel, weil sie in den Urlaub fahren oder zu viel eingekauft haben. Ein Netzwerk aus Ehrenamtlichen holt außerdem Essen von Betrieben ab und stellt es bei Foodsharing ein oder verteilt es an Tafeln oder andere gemeinnützige Vereine.

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