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Studium:Essen, was andere wegschmeißen würden

Doch kein Appetit auf das Mensa-Essen? In Freiburg warten Studenten auf die Reste von ihren Kommilitonen (Symbolbild).

(Foto: Catherina Hess)
  • An der Uni Freiburg essen Studenten in der Mensa das, was ihre Kommilitonen übrig lassen - aus Protest gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln.
  • Beim Studentenwerk in Freiburg ist man nicht so begeistert von dem Trend.

Beim ersten Mal entschied sich Max für Gnocchi mit Gemüsesoße. Ein bisschen kalt vielleicht, sonst aber lecker. Ekel verspürte er jedenfalls keinen, als er die Essensreste seiner Kommilitonen verspeiste. Man muss aber wissen, dass Max, 25, zu dem Zeitpunkt auch schon ein erfahrener Reste-Esser war: Der Student hatte in Restaurants bereits gelegentlich Gäste gebeten, ihm ihre Teller mit kaum angerührten Gerichten zu überlassen. Dass jemand das freiwillig tut, ist an sich schon erstaunlich; noch erstaunlicher aber ist: Max ist damit nicht allein. Zumindest nicht an der Uni Freiburg, wo es mittlerweile an die 40 "Bänderer" gibt. So nennt sich die Bewegung, die seit einigen Monaten mittags am Band in der Mensa stehen - um dort eben schmackhafte Reste zu ergattern.

Diese neue Form des Protests gegen Lebensmittelverschwendung ist bislang einzigartig in Deutschland. Inzwischen weitverbreitet ist dagegen das Mülltauchen oder Containern - dabei bedienen sich Menschen aus den Mülltonnen der Supermärkte. Max, der auch containert, sieht aber einen entscheidenden Vorteil im Reste-Essen vom Band: "Im Unterschied zum Containern ist das in der Mensa öffentlich, es ist also ein stärkeres politisches Statement."

Wie Max essen auch die anderen Bänderer die Reste nämlich nicht, um sich das Geld für den Mensabesuch zu sparen, sondern um darauf aufmerksam zu machen, wie viel Essen jeden Tag weggeworfen wird. Allein in den deutschen Hochschulmensen sind es laut einer Studie von Forschern der Universitäten Stuttgart und Wien pro Jahr gut 41 000 Tonnen. In Freiburg haben die Reste-Aktivisten den Kampf dagegen begonnen.

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Während sich die einen mittags also in die Schlange stellen, um eines der Tagesgerichte zu kaufen, warten die anderen schon am Band darauf, dass die ersten Teller zurückkommen - in der Hoffnung, dass sich darauf noch Leckeres befindet. "Ich fühle mich manchmal wie ein Jäger", sagt ein weiterer Bänderer, der bevorzugt Vorspeise und Hauptgang plus Nachtisch ergattert. Regeln gebe es dabei nicht, erzählt Max, empfehlenswert sei es aber, die Teller genau anzuschauen. Habe jemand "gewütet" - lägen etwa Taschentücher oder Kaugummis in der Jägersoße -, sei es ratsam, den Teller vorbeiziehen zu lassen. "Man kann schon wählerisch sein", sagt er, "es ist genug Abfall für alle da."

Um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, holen sich viele Bänderer frisches Besteck, bevor sie anzufangen zu essen. Als der Freiburger Trend bekannt wurde, meldeten sich gleichwohl Hygiene-Experten zu Wort - bei gebrauchtem Besteck sei das Risiko größer, sich mit Krankheiten wie Pfeifferschem Drüsenfieber, Noro-Viren oder Ebola zu infizieren. Andererseits sagte ein Wissenschaftler in einem Interview: "Welcher Ebola-Patient geht zum Essen in die Mensa?" Manche Studenten glauben, dass Bändern gut fürs Immunsystem ist.

Beim Studentenwerk in Freiburg ist man nicht so begeistert von dem Trend, weshalb inzwischen Stellwände um das Band errichtet wurden. Die Studenten nennen sie "die Mauer". Man komme jetzt nur noch von einer Seite an das Band "und muss sehr schnell sein", sagt Max. Eine Alternative gegen die Essensvergeudung: Die Studenten bestellen einfach eine kleine Portion; denn das bietet die Mensa auch.

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