Fotos von Straßenzügen im Internet 245.000 Einsprüche gegen Google Street View

Eine Viertelmillion Bürger hat Einspruch gegen Google Street View eingelegt. Doch darüber, was diese Zahl bedeutet, hegen Google und das Verbraucherschutzministerium unterschiedliche Ansichten.

Es ist kein breiter Widerstand, der dem Internetriesen bei der Umsetzung seiner Pläne entgegenschlägt: Bei Google sind in Deutschland 245.000 Einsprüche gegen die Abbildung von Gebäuden im Geodatendienst Street View eingegangen. Das teilte Google in einem Blog-Eintrag mit. Es ist das erste Mal, dass der Internet-Konzern die Zahl der Anträge nennt.

Bei der Kamerafahrt durch Deutschland: Der Google-Dienst Street View stellt Fotos von Straßenzügen online, in die der Betrachter hineinzoomen kann.

(Foto: REUTERS)

"Das sind weniger als drei Prozent aller Haushalte", sagte Kay Oberbeck, Sprecher von Google in Deutschland, der Zeitung Die Welt. "Wir sind sehr froh, dass sich manche Umfragen nicht bewahrheitet haben", sagte er. Diese hatten teilweise Millionen Widersprüche vorhergesagt. Wie sich die Zahl der Einsprüche regional aufteilt, analysiert Google nach eigenen Angaben nicht.

Die Anträge auf Unkenntlichmachung von Fassaden stammten von Einwohnern der 20 Städte - mit insgesamt 8,5 Millionen Haushalten -, in denen der Dienst noch in diesem Jahr starten soll. Die Vorab-Widerspruchsfrist war in diesen Kommunen am Freitag abgelaufen.

Auf der Internetplattform Street View sind Fotografien von Straßenzügen zu sehen, in die der Betrachter hineinzoomen kann. Googles Ankündigung, den Dienst auch in Deutschland zu starten, hatte im Sommer Befürchtungen bei Politikern wie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) und Datenschützern ausgelöst.

Ihr Vorwurf lautete, dass die Abbildung von Außenfassaden die Privatsphäre der Bewohner verletze und möglicherweise Einbrechern das Ausspähen der Nachbarschaft erleichtere. Google hatte das Zeitfenster für Anträge über ein Online-Tool nach Forderungen aus der Politik auf acht Wochen verdoppelt.

Nach der Aufregung der vergangenen Monate fällt die Zahl der Widersprüche mit der Drei-Prozent-Quote deutlich geringer aus als es einige Umfragen nahelegten. So hatte eine Emnid-Erhebung im Auftrag der Bild am Sonntag ergeben, 52 Prozent der Deutschen seien gegen die Abbildung ihrer Wohnung oder ihres Hauses in Street View.

Google habe exakt 244.237 Anträge erhalten, schrieb der verantwortliche Produktmanager Andreas Türk. Das entspreche 2,89 Prozent der Haushalte in den 20 Städten. Zwei von drei Anträgen seien über das seit August verfügbare Online-Tool gestellt worden. Die 20 Städte sind Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Verbraucherschützer teilen die Meinung, es handele sich um einen geringen Prozentsatz, nicht. "Es handelt sich um eine hohe Zahl", ließ das Ministerium am Donnerstag verlauten. "Es kommt nun darauf an, dass Google sämtliche Widersprüche zuverlässig umsetzt und die betroffenen Häuser und Grundstücke vor der Freischaltung im Internet unkenntlich macht", hieß es in der Erklärung des Ministeriums.

Eine Garantie für jeden Antrag gibt es nicht

Per Brief konnte ein Mieter oder Immobilienbesitzer bereits seit April 2009 Google auffordern, sein Haus bei Street View unkenntlich zu machen. Der Internet-Konzern betont, dass die Anträge auch nach dem Start des Dienstes jederzeit gestellt werden können und das Vorgehen mit deutschen Datenschützern abgestimmt sei. Google betreibe einen großen Aufwand, um die Anträge richtig umzusetzen, schrieb Türk. "Allerdings lässt sich bei derartigen Prozessen nicht garantieren, dass jeder Antrag, der uns erreicht hat, auch vollständig bearbeitet werden kann", schränkte er ein.

Zum Beispiel seien in einigen Fällen die angegebenen Adressen nicht eindeutig zuzuordnen, weil Angaben nicht lesbar oder die Beschreibungen eines Gebäudes nicht eindeutig gewesen seien. Die Widersprüche werden einzeln per Hand bearbeitet.

Google stellte dafür rund 200 zusätzliche Mitarbeiter ein. Für jedes Gebäude müssen mehrere Bilder verändert werden, damit es aus allen Blickwinkeln nicht zu erkennen ist. Google hatte für Street View die Straßen mit speziellen Kamerawagen abgefahren. Für zusätzlichen Ärger sorgte dabei, dass die Fahrzeuge über Jahre auch Informationen aus offenen WLAN-Netzen abgriffen.

Google betont, das sei nur versehentlich durch einen Software-Fehler geschehen, die Daten seien nicht genutzt und inzwischen vernichtet worden. Zuletzt wurde deswegen in Spanien in dieser Woche ein Verfahren gegen Google eingeleitet.

Verbraucherschutzministerin Aigner hatte bereits vor Ablauf der Frist verlangt, Google solle die Zahl der Widersprüche nennen. Der Konzern hielt bisher dagegen, das brauche seine Zeit, da zum Teil Anträge doppelt eingereicht worden seien oder sich auf andere Google-Produkte bezogen.