Kreuze in Schulen "Es hängt auch keiner CSU-Embleme in Klassenzimmer"

Kruzifix in einem Klassenzimmer des Münchner Sophie-Scholl-Gymnasiums

(Foto: Catherina Hess)

Lehrer Christoph Wolf hat erfolglos gegen Kreuze in Bayerns Schulen geklagt. Einen anderen religiösen Disput gegen das Bildungswesen hat er aber gewonnen.

Interview von Matthias Kohlmaier

Nach dem Willen der Landesregierung unter dem neuen Ministerpräsidenten Markus Söder soll künftig im Eingangsbereich jeder bayerischen Behörde ein Kreuz hängen. Der Protest gegen den Beschluss erinnert an die vielen Auseinandersetzungen, die es in den vergangenen Jahrzehnten bereits um die in Schulen angebrachten Kreuze gegeben hat.

Christoph Wolf, mittlerweile pensionierter Grundschullehrer aus Augsburg, hatte bereits 2006 juristisch zu erstreiten versucht, dass er die Kreuze in seinen Klassenzimmern abhängen darf - allerdings ohne Erfolg. Entsprechend kritisch sieht er den neuen "Kruzifix-Befehl".

SZ: Herr Wolf, Sie haben 2006 den Antrag gestellt, die Kreuze in Klassenzimmern, in denen Sie unterrichten, abzuhängen. Warum?

Christoph Wolf: Bei meiner damaligen Schulleiterin habe ich es damit begründet, dass die staatliche Pflichtschule keine Bekenntnisschule ist und das Kreuz an der Wand im Endeffekt gegen Artikel 4 des Grundgesetzes verstößt. Der Staat ist zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Es hängt auch keiner CSU-Embleme in Klassenzimmer, dann sollte man es mit religiösen Symbolen genauso halten. Dazu kommt: Die "Kreuz-Pflicht" gibt es deutschlandweit nur in Bayern und dort nur an den Volksschulen, nicht aber an Gymnasien oder Realschulen.

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Mit welcher Begründung hat Ihre damalige Chefin den Antrag abgelehnt?

Sie meinte, dass meine Gedanken in Bezug auf die Glaubensfreiheit zwar ernst zu nehmen seien, die Mehrheit unserer Schüler aber aus christlich geprägten Familien stammen würde. Daher sei das Kreuz ein vertrautes Symbol und die Kinder aufgrund ihres Alters nicht in der Lage, die Situation zu verarbeiten, falls es entfernt würde.

Damit wollten Sie sich aber nicht abfinden.

Mit Unterstützung der Lehrergewerkschaft GEW habe ich einen in dem Thema versierten Anwalt aufgesucht und gegen die Entscheidung geklagt. Vor dem Verwaltungsgericht Augsburg haben wir nicht recht bekommen und wollten gegen dieses Urteil zügig in Berufung gehen - die hat das Gericht aber gar nicht erst zugelassen. Mein Anwalt hat daraufhin beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde eingelegt. Es kann doch nicht sein, habe ich mir damals gedacht, dass man in Bayern ein Grundrecht einklagen muss.

Erfolg hatten Sie in Karlsruhe jedoch nicht.

Nein, dort hat man die Verfassungsbeschwerde sechseinhalb Jahre nicht bearbeitet - bis ich in Pension gegangen bin. Damit war die Klage hinfällig, weil ja kein Klagegrund mehr gegeben war. Leider.

Wie haben sich zu der Zeit Kollegen und Eltern Ihrer Schüler verhalten?

Im Kollegenkreis hat sich das Klima schon ein wenig verschlechtert, von vielen Eltern habe ich dafür Zuspruch bekommen. "Endlich jemand, der sich gegen diesen Quatsch zur Wehr setzt", hieß es häufig. Das hat mir natürlich ein gutes Gefühl gegeben, weil es gezeigt hat, dass ich nicht allein bin mit meiner Einstellung.