Finanzielle Förderung im Studium Wie steigere ich meine Chancen auf ein Stipendium?

Schluss mit der falschen Bescheidenheit: Stiftungen fördern nicht nur akademische Überflieger und langjährige Parteigänger. Ein Stipendium zu bekommen, ist leichter, als so mancher Schüler oder Student denkt. Wer sich geschickt bewirbt, hat gute Chancen auf Extra-Taschengeld.

Von Sabrina Ebitsch

Viele Studenten trauen sich an die Bewerbung für ein Stipendium gar nicht erst ran, weil sie sich ohnehin keine Chancen ausrechnen. Dabei stehen die gar nicht so schlecht - vor allem, wenn man über die zahlreichen Fördermöglichkeiten und ihre Hintergründe Bescheid weiß und nicht nach einem einzigen Klick auf die Webseite der Studienstiftung des deutschen Volkes frustriert aufgibt.

Es gibt bundesweit mehr als 2000 Stiftungen für Studienförderung und manche kleine Organisation hat nicht einmal genug Bewerber, um alle Stipendien an den Mann oder die Frau zu bringen - gleichzeitig bekommen nur etwa drei Prozent der Studenten ein Stipendium. Dabei ist die Aussicht auf Förderung besser als noch vor einigen Jahren, denn die Mittel, die das Bildungsministerium den Begabtenförderwerken überweist, sind stetig gewachsen. Die Studienstiftung beispielsweise fördert mittlerweile die 0,5 Prozent besten Studenten - das hört sich wenig an, bedeutet aber immerhin 11.000 Stipendien bundesweit.

Ziel ist es, künftig ein Zehntel aller Studenten zu fördern. "Die Chancen, ein Stipendium zu bekommen, sind besser als man denkt - teilweise sogar besser als bei der Bewerbung für Studienplätze", sagt Max-Alexander Borreck, Co-Autor des Buchs Der Weg zum Stipendium. Aber viele potenzielle Stipendiaten bewerben sich entweder gar nicht oder falsch.

Zum einen stimmt die Gleichung Stipendium = Begabtenförderung nicht. Jenseits der 13 Begabtenförderwerke und der Stiftungen, die sehr gute Noten voraussetzen, gibt es etliche andere Stipendiengeber, die entweder entsprechend der Bedürftigkeit der Antragsteller fördern oder die bestimmte Zielgruppen wie Migranten unterstützen wollen - Schul- und Studienleistungen spielen hier keine oder eine nachgeordnete Rolle. Andere wählen ihre Stipendiaten nach dem Studienfach oder der Heimatregion aus.

Und auch Begabtenförderung bedeutet nicht, dass ein bestimmter Abischnitt oder IQ Voraussetzung ist. Selbst die Begabtenförderwerke geben keine fixe Obergrenze für den Notenschnitt vor. Viele, die gar nicht auf die Idee kommen, sich für ein Stipendium zu bewerben, hätten durchaus Chancen, weil ihre Noten ausreichend sind oder sie mit persönlichem Engagement punkten können.

Für ein Stipendium braucht es weder langjährige politische Tätigkeit, noch muss man von der Schule oder der Hochschule vorgeschlagen werden. "Das Vorurteil, dass Stipendien nur was für Leute mit 1,0-Abi und Parteibuch sind, hält sich hartnäckig - es stimmt aber nicht", sagt Autor Borreck, "die Stiftungen sind zwar auf der Suche nach fachlich guten bis sehr guten Leuten, die aber vor allem die Fähigkeit haben, über den Tellerrand hinauszuschauen, und bereit sind, sich zu engagieren."

Keine Standardbewerbung an Dutzende

Wer sich zu einer Bewerbung durchgerungen hat, sollte die Zeit und Mühe, die es dafür braucht, richtig investieren: Dazu gehört nicht nur, Bewerbungsunterlagen, Gutachten, Lebenslauf und Motivationsschreiben sorgfältig zusammenzustellen. "In Sachen Bewerbung ist Fokussierung sehr wichtig", sagt Borreck, "man sollte sich genau überlegen, bei wem man sich bewirbt, und sich gut darauf vorbereiten, anstatt eine Standardbewerbung an Dutzende zu schicken."

Vorab müssen sich Bewerber über die eigenen Vorstellungen, Stärken und Schwächen klar werden: überlegen, wie das eigene Profil aussieht, und dann Stiftungen recherchieren, die dazu passen. Egal wie begabt, bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung wird wenig Chancen haben, wer sich am liebsten bei der Attac-Hochschulgruppe herumtreibt. Und für den Nachwuchs einer gutbürgerlichen Akademikerfamilie ist die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, die sich für bildungsbenachteiligte Gruppen einsetzt, auch die falsche Adresse.

Gespräche mit Stipendiaten oder Alumni können hier weiterhelfen. Wer niemanden persönlich kennt, kann sich auf Facebook umsehen oder bei den Hochschulgruppen, die größere Stiftungen an vielen Unis haben, vorbeischauen.

Umso mehr müssen sich Bewerber bei den vielen kleinen Stiftungen über die Voraussetzungen und die Förderkriterien informieren. Weil viele Organisationen kaum bekannt sind und manche auch keine Webseite haben, kommen Interessierte hier nur über Datenbanken, Stipendienführer oder Beratung weiter - und dann mit einem Anruf oder einer schriftlichen Anfrage bei der jeweiligen Stiftung.

Gerade hier sind die Chancen oft besonders günstig, mit einer Bewerbung Erfolg zu haben: Zum einen haben die Stiftungen wegen ihrer geringen Bekanntheit teils nicht einmal genug Bewerbungen, um alle Stipendien vergeben zu können. Zum anderen ist die Nische, die sie besetzen, oft so eng, dass es nur wenig Konkurrenz gibt. Die Heinrich-Spindelmann-Stiftung beispielsweise unterstützt Waisenkinder in ihrer Schul- und Hochschulausbildung, wenn deren Mütter bei der Geburt im Bezirk der ehemaligen Bürgermeisterei Altenessen einschließlich Karnap (heute Stadtteile von Essen) gewohnt haben. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, muss nicht zwangsläufig noch einen Einser-Schnitt im Abi vorweisen, um zu überzeugen.