Democracy Lab Soziale Medien gehören in die Klassenzimmer

Eine digitalisierte Gesellschaft muss ihren Kindern den richtigen Umgang mit dem Internet beibringen.

(Foto: Marijan Murat/dpa, Grafik von SZ.de)

Instagram, Snapchat und Facebook sind Teil der Lebenswelt Jugendlicher und können den Unterricht bereichern. Drei Forderungen.

Von Matthias Kohlmaier

Die Gesellschaft verlangt verdammt viel von den Schulen. Auf Ausbildung und Studium sollen sie die Schüler vorbereiten, auf wissenschaftliches Arbeiten und/oder auf handwerkliches. Außerdem sollen sie einen Erziehungsauftrag erfüllen und die Eltern dabei unterstützen, ihre Kinder zu mündigen Bürgern zu machen. Bei so viel Grundsätzlichem bleibt die Frage: Müssen Schulen mit der Zeit gehen?

Die Antwort ist einfach: Sie müssen, wenn sie den Kontakt zu den Kindern nicht verlieren wollen. Gerade bei der Digitalisierung ist dieser Kontakt wichtig, denn wie der Medienpädagoge Florian Schultz-Pernice von der Münchner LMU sagt: "Man kann nicht so tun, als würden heutige Schüler nicht aus einer durch und durch digitalisierten Welt kommen." Von dieser Welt müssen weder Erwachsene im Allgemeinen noch Lehrer im Besonderen immer begeistert sein. Aber sie müssen sie verstehen und im Falle der Schulen auch für ihre Sache nutzen.

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Die sozialen Medien, von WhatsApp bis Snapchat, sind für heutige Schüler das Kommunikations- und Lebensmedium schlechthin. Und dieses Medium gehört, auf verschiedenen Ebenen, auch in die Klassenzimmer. Drei Forderungen:

Soziale Medien sollten im Unterricht genutzt werden

Die meisten Schüler sind Dauerkommunizierer. Laut Jim Studie 2016 nutzen durchschnittlich 95 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren WhatsApp mehrmals pro Woche oder sogar täglich. Bei Instagram gilt das noch für die Hälfte, bei Snapchat und Facebook sind es minimal weniger. Genau dort können Schulen sie abholen.

Viele Lehrkräfte sehen noch immer das (fraglos vorhandene) Ablenkungspotenzial sozialer Medien im Unterricht. Aber dem lässt sich mit klaren Regeln beikommen, die begründet und für alle verständlich sind. Es sind dieselben, die auch im analogen Unterricht seit jeher gelten: Wer mit seinem Nachbarn plaudert, statt dem Unterricht zu folgen, kriegt Stress mit der Lehrkraft. Übersetzt: Wer private WhatsApp-Nachrichten verschickt, statt via Instagram an seinem Kunstprojekt zu arbeiten oder bei Facebook für den Englischaufsatz zu recherchieren, kriegt, genau, Stress mit der Lehrkraft.

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Natürlich ist es ein weiter Weg, bis soziale Netzwerke natürlicher Bestandteil der Lehre sein können. Und es gibt auch keinen Grund, dass sie das jederzeit sein müssen. Aber Lehrer und Schulen müssen die Möglichkeiten der Technik erkennen und dürfen sich nicht länger davor fürchten. Eine Hausaufgabengruppe für die ganze Klasse bei WhatsApp, in der der Lehrer auch mal ein Tafelbild teilt oder - zu vorher festgelegten Tageszeiten - außerhalb des Unterrichts eine Frage beantwortet, ist eine feine Sache.

Natürlich gibt es viele datenschutzrechtliche (für alle) und arbeitsrechtliche (für Lehrkräfte) Fragen, die geklärt werden müssen. Und natürlich müssen Lehrkräfte achtgeben, dass beim Einsatz von Social Media niemand unbeabsichtigt ausgegrenzt wird. Denn noch haben womöglich nicht alle Schüler Smartphones in der Tasche - hier ist pädagogisches Fingerspitzengefühl gefragt.