Streit um Wernher-von-Braun-Gymnasium "Was von Braun getan hat, war nicht menschlich"

Auf der Internetseite des Gymnasiums heißt es, dass "gerade die Beschäftigung mit diesem schwierigen Thema für unsere Schüler pädagogisch wichtig und gewinnbringend" sei. Ein Leserbriefschreiber sah das in der Lokalzeitung ganz anders: "Mit W.v.B. wird nun vermittelt, dass man an Verbrechen beteiligt sein darf, man muss nur eine nachhaltige Leistung erbracht haben, um dann geehrt zu werden."

Im März 2012 sprach erstmals ein ehemaliger Insasse des KZ Dora-Mittelbau vor Friedberger Gymnasiasten. "Was von Braun getan hat, war nicht menschlich, er wollte die Wunderwaffe für den Endsieg bauen", sagte David Salz, 83. "Er ist kein Vorbild für die Jugend, es ist frevelhaft, eine Schule nach diesem Mann zu benennen."

Salz berichtete von den Verhältnissen in der Fabrik, die "noch schlimmer" gewesen seien als in Auschwitz. "Es gab keine Betten, nur feuchtes Stroh auf Betonboden. Die verklebten Augen wuschen wir uns mit Urin aus. Es war die einzige Möglichkeit, etwas zu sehen." Salz betonte: "Ein Wort von Braun hätte genügt, um die Bedingungen zu verbessern." Bei einem Vortrag vor Erwachsenen forderte er: "Tut alles, damit dieser Name vom Gymnasium verschwindet."

Schüler sollen sich mit Braun auseinandersetzen

Bereits dieser Auftritt brachte einige zum Nachdenken. Allerdings betonte das Kultusministerium damals noch, es habe mit dem Namen kein Problem. Von Braun habe zwar "den menschenverachtenden Kriegszielen des Dritten Reichs gedient", sei aber eben auch "ein herausragender Wissenschaftler" gewesen, der in den USA den Traum der Mondlandung mit verwirklichte. Für die Schüler lohne es sich, sich "intensiv" mit von Braun "in seinen vielfältigen Schattierungen auseinanderzusetzen", hieß es damals.

Jetzt, angesichts der breiten Diskussion, angesichts der klaren Worte des Bundestagsvizepräsidenten und vielleicht auch angesichts der bevorstehenden Wahlen, schlägt Minister Spaenle andere Töne an: "Von Brauns unkritische Technikgläubigkeit hat seinen Blick für die menschenverachtenden Bedingungen des NS-Raketenprogrammes verstellt." Den weiteren Diskussionsprozess an der Schule werde er "intensiv begleiten". Diese Ankündigung könnte so gelesen werden, dass er auf eine Namensänderung hinwirken wird.

Inzwischen kritisieren auch Kommunalpolitiker den Namen des Gymnasiums, die sich bislang vornehm zurückgehalten hatten. "Man sollte sich von diesem Namen trennen", sagt der CSU-Kreisvorsitzende Peter Tomaschko. CSU-Landrat Christian Knauer vermeidet dagegen eine klare Position: Es sei "keinesfalls unbillig", die Frage nach einer Umbenennung zu stellen.