Erstmals hat der Historiker Joey Rauschenberger eine differenzierte Analyse über die Wiedergutmachungspraxis für Sinti und Roma nach dem Holocaust vorgelegt. Die Ergebnisse überraschen – auf den ersten Blick.
NSDAP-Kartei
:Das strategische Vergessen der jungen BRD
Der Aufbau des neuen Staats nach 1945 basierte auf dem Schweigen über die Nazizeit. Weder Politiker noch Intellektuelle hatten große Lust zurückzuschauen – dabei war jede Sphäre des Landes kontaminiert.
NS-Zeit
:Hier stand mal ein KZ
Dachau, Buchenwald oder Bergen-Belsen – weltweit stehen diese Namen für die nationalsozialistischen Verbrechen. Doch es gab auch Hunderte Konzentrationslager direkt vor der Haustür der Deutschen. Warum weiß das heute kaum noch jemand?
Gedenkstätten
:Wer bestimmt, woran sich Deutschland erinnert?
Kai Langer verantwortet Orte, an denen der Verbrechen der Nationalsozialisten und Kommunisten gedacht wird. Nun fürchtet er, dass die AfD in Sachsen-Anhalt die Erinnerungskultur vereinnahmen wird.
Literatur
:Ein Mensch, der kaum Spuren hinterließ
In „Frieda“ sucht Geraldine Oetken nach ihrer Urgroßtante, die während der NS-Zeit in einem Heim für Menschen mit Behinderungen starb. Ein verdienstvolles Debüt, vor allem in dieser Zeit.
NS-Vergangenheit
:Jäger der Nazi-Juristen
Reinhard Strecker klagte die Taten jener NS-Richter an, die in der Bundesrepublik weiter Karriere machten. Nachruf auf einen unermüdlichen Aufklärer.
Erinnerungsarbeit in Lohof
:Graffiti-Kunst gegen das Vergessen
In Unterschleißheim gestalten Jugendliche Graffiti zum NS-Zwangsarbeitslager Flachsröste. Am Bahnhof Lohhof entstehen zudem derzeit mehrere Wandbilder des Künstlerduos Justus Koertgen und Greta von Richthofen zum Thema.
Entschädigung für polnische NS-Opfer
:„Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft erhielten einmalig 2220 D-Mark“
Polen drängt darauf, NS-Opfer zu entschädigen. Bisher habe Deutschland nur wenig gezahlt und an zu wenige, sagt Jakub Deka von der Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung. Er hofft zumindest auf eine humanitäre Geste.
Braunau am Inn
:In Hitlers Geburtshaus ist nun die Polizei eingezogen
Lange gab es Streit, was mit dem Gebäude geschehen sollte, zu dem auch Neonazis gerne pilgerten. Die Regierung hofft, mit dem neuen Nutzer eine „Neutralisierung des Ortes“ zu erreichen.
Gedenken an Opfer des NS-Regimes
:Sieben Zeichen, die den „Glauben an die Menschheit wieder wachsen lassen“
Die Nazis vertrieben viele Jüdinnen und Juden aus städtischen Wohnungen. Ihre Schicksale haben Auszubildende der Münchner Wohnen erforscht. Zum Projektabschluss reisen Nachfahren aus Israel an – und zeigen sich zutiefst gerührt.
NS-Vergangenheit in der Süddeutschen Zeitung
:Schatten auf dem Neuanfang
Im Lichte der veröffentlichten NSDAP-Mitgliederkartei schaut auch die „Süddeutsche Zeitung“ erneut auf die Verstrickungen ihrer Gründungsmitglieder – und deren Strategien des Vertuschens und Verharmlosens.
Gedenken an den 20. Juli 1944
:„Der Einzelne macht den Unterschied“
Am 20. Juli 1944 scheiterte das Stauffenberg-Attentat gegen Adolf Hitler knapp. Das Gedenken in diesem Jahr nutzen die Rednerinnen und Redner, um vor dem Erstarken der Rechtsextremen zu warnen. Dabei kommt es sogar zu einem Handgemenge.
NS-Geschichte
:Großvater, der Großverbrecher
Axel Spilcker erzählt von seinem Opa Robert Ley, einem einflussreichen Nazi, und wie seine Familie mit dessen Schuld umging. Ein Buch über Schweigen und vererbte Traumata – und darüber, warum man jetzt davon schreiben sollte.
NSDAP-Mitgliederkartei
:Was war das „Dritte Reich“? Neun Leseempfehlungen
Ein Treffer in der NSDAP-Mitgliederkarte kann ein Anlass sein, weiterzuforschen über die Familiengeschichte oder die NS-Zeit. Aktuelle Büchertipps aus dem Ressort „Das Politische Buch“.
Nationalsozialismus
:„Ich hatte zwei Gestapo-Männer in der Familie“
Die NSDAP-Mitgliederkartei beschäftigt zahlreiche Menschen. Kriegsenkel Vasco Kintzel hat schon vor Jahren das Tun seiner Familie in der Nazizeit erforscht. Das führte zum Zerwürfnis mit seinen Eltern.
NSDAP-Mitgliederkartei
:Wer war in der Nazi-Partei?
Zwischen 1925 und 1945 traten mehr als zehn Millionen Menschen der NSDAP bei – viele aus Überzeugung, manche, weil der Druck zu groß wurde. Hier finden Sie heraus, ob Ihre Verwandten dazuzählten.
NS-Zeit
:Zwischenstation zum KZ
In der Villa Buth in Jülich wurden Juden interniert – nun will der Eigentümer das ungenutzte Gebäude abreißen lassen. Engagierte Bürger fordern, es unbedingt als Ort der Erinnerung an die Nazi-Verbrechen zu erhalten.
Hitlers Reichskanzlei
:„Bürokratie kann das ,Böse‘ ermöglichen“
Wieso arbeitete der NS-Staat auf allen staatlichen Ebenen so effizient? Nun lassen sich die Akten aus Hitlers Reichskanzlei auch online recherchieren. Sie zeigen, wie sehr der Verwaltungsapparat die Diktatur stützte. Ein Gespräch mit den Herausgebern.
Deutsch-polnisches Verhältnis
:Wadephul für Entschädigungszahlungen an polnische NS-Opfer
Zum 35-jährigen Bestehen des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags haben sich die Außenminister und Verteidigungsminister getroffen. Die Polen sind nicht zufrieden, aber es gibt Fortschritte.
MeinungDeutschland und Polen
:Zahlungen an die Opfer des NS-Regimes wären ein echter Schritt zu besseren Beziehungen
Merz müsste dafür Geld lockermachen und Tusk zu Hause eine Einigung verkaufen, die ihm zum Vorwurf gemacht werden kann. Anscheinend haben beide Seiten ein Problem mit dem politischen Marketing.
Erinnerungskultur
:Von Deutschland an die Orte der Resistenza
Kann Kunst zur Aufarbeitung von Geschichte beitragen? Die Freisinger Künstlerin Rebekka Bauer hat zwei Monate in den italienischen Alpen gelebt und sich mit dem Leben einer Partisanin und KZ-Überlebenden auseinandergesetzt.
MeinungMünchen
:Die „Hauptstadt der Bewegung“ wird zur Stadt der Erinnerung
Es braucht Orte, die das Gedenken an die Opfer der NS-Verbrechen lebendig halten. Der Standort für das geplante Yad-Vashem-Zentrum ist deshalb klug gewählt.
Theaterstück über NS-Verbrechen
:Alles andere als ein Kasperltheater
Der Österreicher Nikolaus Habjan bringt mit seinem preisgekrönten Puppentheater die „Euthanasie“-Morde der Nazis an Psychiatrie-Patienten auf die Bühne – jetzt auch auf dem Klinikgelände in Haar, einem der früheren Tatorte.
Zehn Touren durch die „Hauptstadt der Bewegung“
:NS-Täter und Verfolgte – Tür an Tür
Mit einem neuen Buch, das Spaziergänge empfiehlt, lässt sich erleben, wie engmaschig das Netz des nationalsozialistischen Terrorstaats in München gewebt war. Die Routen führen zu etlichen Orten, die eindrucksvoller sind als die bekannten Nazi-Bauten.
Bundesverfassungsgericht
:Wie NS-Verfolgte und Nazi-Unterstützer gemeinsam den Rechtsstaat aufbauten
Das Bundesverfassungsgericht galt lange Zeit als eine vom NS-Unrecht nahezu unbelastete Institution. Mit der historischen Studie von Frieder Günther und Eva Balz bekommt dieses Bild nun einige Flecken.
Stolpersteine
:Erinnerung eingepflanzt
Der Künstler Gunter Demnig hat acht neue Stolpersteine in Dachau verlegt. Sie zeugen von NS-Verbrechen, die einst direkt in der Nachbarschaft begangen wurden. Und sie sollen eine Mahnung für die Gegenwart sein.
Ehemaliges KZ-Außenlager Kaufering
:Wie der Sohn eines Holocaust-Überlebenden gegen Judenhass kämpft
Michael Shubitz kommt aus Tel Aviv nach Kaufering, wo sein Vater im KZ fast zu Tode gequält wurde. Die Eltern schwiegen über ihr Schicksal – der Sohn will reden. Und warnen vor neuem Judenhass.
Gedenktafeln für NS-Justizopfer in München
:Damit die Ermordeten von Stadelheim ihre Geschichte zurückerhalten
Auf dem Friedhof am Perlacher Forst sind 93 Menschen im Ehrenhain II begraben, die vom NS-Staat im Gefängnis Stadelheim ermordet wurden. Nun erinnern Gedenktafeln an ein dunkles Kapitel, das lange wenig beachtet wurde.
Erinnerungskultur
:„‚Nie wieder‘ ist zu einer hohlen Phrase verkommen“
Zum Jahrestag der Befreiung des ehemaligen KZ Dachau hinterfragt die Tiktok-Influencerin Susanne Siegert die etablierte Erinnerungskultur. Sie findet, Gedenken darf auch Arbeit machen.
NS-Justizopfer und ihre Angehörigen
:„Ich wache mit Stadelheim auf und ich gehe mit Stadelheim zu Bett“
In dem Münchner Gefängnis inhaftierte der NS-Staat zahlreiche seiner Gegner. Nur wenige Todeskandidaten überlebten. Nachfahren berichten, wie die Unrechtsurteile ihre Familien bis heute prägen.
Am Mahnmal in der Banhofstraße
:Gedenken an den Mühldorfer Todeszug in Poing
In Poing wird am Montag, 27. April, der Opfer der letzten Phase des NS-Genozids an den Juden in Deutschland gedacht.
Am Mahnmal am Landratsamt
:Gedenken an den Todesmarsch in Starnberg
In Starnberg wird am Sonntag, 26. April, der Opfer der letzten Phase des NS-Genozids an den Juden in Deutschland gedacht.
Podcast: „Auf den Punkt“
:Warum waren Opa und Uroma Nazis, Götz Aly?
8,5 Millionen Deutsche waren NSDAP-Mitglieder. Weil sie klar davon profitiert haben, sagt der Historiker Götz Aly.
Restitution
:Kunstraub gilt nun als Bruch internationalen Rechts
Ein neues Gesetz erleichtert es amerikanischen Staatsbürgern, NS-Raubkunst ihrer Vorfahren zurückzuerlangen – auch aus deutschen Sammlungen. Wird es die Gerechtigkeit bringen, auf die sie so lange warten mussten?
NS-Kriegsverbrecher
:Die Akte Mengele
Hielt sich der gesuchte KZ-Arzt Josef Mengele 1961 unbemerkt in der Schweiz auf und nicht in Südamerika? Ein Historiker klagt auf die Freigabe der Unterlagen, die das belegen könnten.
Biografie über Helmuth James von Moltke
:Der gute Graf
Helmuth James von Moltke entschied sich früh zum konsequenten Widerstand gegen das NS-Regime. Volker Ullrich zeichnet sein Leben und Wirken im „Kreisauer Kreis“ eindrucksvoll nach. Eine Biografie über moralische Größe unter ständiger Lebensgefahr.
Ines Geipels „Landschaft ohne Zeugen“
:Verhärtete Legenden
In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald wurde der antifaschistische Staatsmythos der DDR über Jahrzehnte gehegt und gepflegt. Noch heute glauben viele an kommunistische Helden. Die Schriftstellerin Ines Geipel zertrümmert diese gefühlte Wahrheit.
Verhältnis Deutschland und Frankreich
:Nicht mehr beste Freunde
Wenn Versöhnung nach 1945 in Gleichgültigkeit umschlägt – Klaus Kellmann zeichnet eine brillante Nachbarschaftsstudie zwischen Deutschland und Frankreich. Ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit, selbst wenn die Hauptthese des Historikers recht verwegen klingt.
Literatur
:„Ich kann sagen: Er hat erschossen“
Die Schriftstellerin Judith Hermann ist auf den Spuren ihres SS-Großvaters ins polnische Radom gereist. Ein Gespräch über die Verbrechen der Vorfahren, das Schweigen in der eigenen Familie – und eine Rückkehr mit leeren Händen.
Ilse Aichingers „Die größere Hoffnung“ am Staatstheater Nürnberg
:Wie Kinder der Verfolgung trotzen
Wie gut lässt sich Ilse Aichingers Nachkriegsroman „Die größere Hoffnung“ auf die Bühne bringen? Salome Schneebelis Inszenierung wagt als deutsche Erstaufführung am Nürnberger Staatstheater viel – mit Erfolg.
Buch zur „Wiedergutmachung“ für NS-Verbrechen
:Versöhnung verpflichtet
Was denken NS-Opfer über die Entschädigungsleistungen aus Deutschland? Darüber war bisher wenig bekannt. Die Interviews zeigen: Vergebung ist möglich, aber dabei geht es um viel mehr als nur Geld.
Verkannt und ermordet
:Wer war Alois Dallmayr?
Alois Dallmayr, der Neffe des berühmten Münchner Kaufmanns, will eigentlich Psychiater werden. Stattdessen verbringt er als Patient Jahrzehnte in Anstalten – bis er ein „Euthanasie“-Opfer der Nationalsozialisten wurde.
Patienten der Anstalt Eglfing-Haar
:Als Alois Dallmayr von den Nazis ermordet wurde
Mit Zeichnungen und Briefen versuchten der Neffe des Delikatessen-Händlers und andere, auf ihre Lage in der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar aufmerksam zu machen. Über drei Schicksale und das Grauen der „Hungerhäuser“.
Kriegskinder aus verbotenen Beziehungen
:Stigma und verzagtes Schweigen
Die Schicksale „unerwünschter“ Kriegskinder wurden in Deutschland lange verdrängt. Erst spät sprechen nun endlich viele über ihr Leben und ihre Traumata. Ein Buch und ein Ausstellungskatalog geben ihnen eine Stimme.
Holocaust-Gedenktag
:Schmerzhafte Fragen an das „Gedächtnistheater“
Nicht nur am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus offenbart sich: Das „Nie wieder“ ist zu einer Phrase geworden. Die Autorin Susanne Siegert zeigt, wie sich das Gedenken verändern muss.
Holocaust
:Mein Onkel, der Mörder
Das Foto „Der letzte Jude in Winniza“ ist ein weltbekanntes Zeugnis des Holocaust. Lange wusste man nicht, wer der Mann mit der Waffe ist. Bis ein Ehepaar beschloss, in der eigenen Familie nachzuforschen.
Heilkräuterforschung der SS
:Himmlers Sklaven-Garten
Die SS betrieb mit Dachauer KZ-Häftlingen eine biologisch-anthroposophische „Plantage“, von der auch heute noch existierende Firmen profitierten. Die Historikerin Anne Sudrow hat die Geschichte und auch die unheilvolle Nachgeschichte dieses lange kaum beachteten Arbeitskommandos detailliert analysiert.
Christoph Poschenrieders Roman über „Euthanasie“-Verbrechen
:Wie die Großtante ermordet wurde
Christoph Poschenrieder erinnert im beeindruckenden Roman „Fräulein Hedwig“ an das Schicksal seiner eigenen Verwandten, die während der NS-Zeit in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar umgebracht wurde.
Susanne Röckels Buch „Vera“
:Wie funktioniert Erinnerung?
Die Schriftstellerin Susanne Röckel verknüpft im Buch „Vera“ ihre eigene Jugendgeschichte mit der einer Überlebenden des Massakers von Babyn Jar im Zweiten Weltkrieg. Kann das gutgehen?
MeinungWirtschaft und Politik
:Harte Debatten müssen sein – aber immer auf dem Boden der Demokratie
Aus Angst vor der Kundschaft halten sich viele Unternehmer von politischen Debatten fern. Es war überfällig, dass der BDI-Chef in dieser Woche mit dieser Tradition gebrochen und Hilfe bei der Orientierung gegeben hat.