Seehofer und die Medien Krank geschrieben

Wagner bis zum Umfallen: Horst Seehofer mit Ehefrau Karin vor der Tristan-Premiere in Bayreuth.

(Foto: dpa)

Die "Bild" lässt keine Gelegenheit aus, CSU-Chef Seehofer als schwach darzustellen. Das nutzt vor allem seinem Möchtegern-Nachfolger Söder.

Von Daniela Kuhr

Was Markus Söder genau fühlt, wenn er in diesen Tagen die Bild-Zeitung aufschlägt, ist sein persönliches Geheimnis. So viel aber dürfte ziemlich sicher sein: Ärgern wird er sich nicht. Natürlich weiß der Finanzminister, dass Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer vergangene Woche im Landtag bei bester Gesundheit eine herausragende Rede gehalten hat. Er weiß auch, dass Seehofer am Dienstag stramm wie eh und je die Sitzung des Kabinetts geleitet hat. Er weiß also, dass sein Chef absolut in der Lage ist, seine Aufgaben als Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender wahrzunehmen. Sorgen um Seehofer muss Söder sich keine machen. Doch gerade deshalb dürften ihm die Schlagzeilen der vergangenen Tage nicht ganz ungelegen gekommen sein.

"Schwächeanfall - Seehofer mit Notarzt in Klinik", war da beispielsweise am Dienstag in der Bild zu lesen. Und einen Tag später: "Zusammenbruch, Notarzt, Terminabsagen - Wie krank ist Horst Seehofer wirklich?" Nach derzeitigem Stand kann man getrost davon ausgehen, dass solche Berichte unter die Rubrik "übliches Sommertheater" fallen. Das jedenfalls versichern mehrere enge Vertraute des Ministerpräsidenten.

Seehofer erscheint pünktlich zum Dienst

Offenbar hatte sich Seehofer am Samstagabend während der Festspiel-Premiere in Bayreuth gegen Ende der Aufführung in dem sehr heißen Saal nicht wohl gefühlt und sich daher vorsichtshalber per Notarzt ins Bayreuther Klinikum fahren lassen. Am Montag erschien er jedoch pünktlich zum Dienst, was seine Mitarbeiter als sicheren Beweis dafür sehen, dass es ihm wieder gut geht.

Seit Seehofer 2002 eine Herzmuskelentzündung verschleppt und sich dadurch in Lebensgefahr gebracht hatte, sei er sehr vorsichtig geworden, heißt es. Beim kleinsten Unwohlsein bleibe der 66-Jährige strikt zu Hause, egal welcher Termin anstehe. Da er diese Woche wieder arbeite, müsse es sich also nur um eine kurzzeitige Unpässlichkeit gehandelt haben. Ob das stimmt oder nicht, können derzeit wohl nur Seehofer selbst, seine Frau und sein Arzt wirklich beurteilen.

Politische Zukunft mit körperlicher Verfassung verknüpft

In einigen Medien aber wird sein Gesundheitszustand nun bereits offen angezweifelt - was für Seehofer ziemlich gefährlich werden kann. Schon häufiger hatte er seine politische Zukunft mit seiner körperlichen Verfassung verknüpft. Nach eigener Aussage will er bis 2018 Ministerpräsident bleiben, falls seine Gesundheit das zulässt. Doch eben daran säen solche Berichte Zweifel. Wenn Seehofer nun also von einigen Medien als alter, schwacher Mann dargestellt wird, ohne dass es einen handfesten Beweis für eine ernste Erkrankung gibt, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen: Söder ist offenbar nicht mehr der einzige, der es kaum abwarten kann, bis Seehofer seine Ämter endlich aufgibt.

Über die Motive der Journalisten kann man nur spekulieren. Seehofer hat sich durch regelmäßige Medienschelte nicht gerade beliebt gemacht, was womöglich die Bereitschaft erhöht hat, ihn jetzt frühzeitig "abzuschreiben". Vielleicht erhofft man sich von einem potenziellen Nachfolger wie dem redseligen Söder (dessen Sprecher übrigens früher Vize-Chef der Bild am Sonntag war) auch mehr exklusive Informationen. Der Finanzminister selbst kann derweil die Berichte über die angeblich schwere Erkrankung seines Chefs ganz entspannt zur Kenntnis nehmen. Schaden werden sie ihm jedenfalls nicht. Und wenn Seehofer seinen geplanten Rückzug zeitlich ein bisschen vorziehen müsste, käme das Söder nur recht.

Zum einen, weil Seehofer bereits deutlich gemacht hat, dass er seine restliche Amtszeit nutzen will, um auf jeden Fall Söder als seinen Nachfolger zu verhindern. Zum anderen, weil Seehofers derzeitiger Plan, nach dem er bis 2018 Ministerpräsident und bis Ende 2017 CSU-Chef bleiben will, nach Söders Meinung ohnehin nicht funktionieren kann. Denn im Herbst 2017 findet die Bundestagswahl statt. Wessen Gesicht, so fragen sich Söder-Vertraute, soll denn da, bitteschön, auf den Plakaten kleben? Und wer soll die Koalitionsverhandlungen in Berlin führen? Ein Parteichef, der wenige Tage nach der Wahl keiner mehr ist?