Modellbau-Affäre Worum es beim Prozess gegen Hubert Haderthauer geht

Während einer Verhandlungspause verlässt Hubert Haderthauer den Gerichtssaal.

(Foto: dpa)

In der Modellbau-Affäre sind die Ermittlungen gegen die ehemalige Staatskanzlei-Chefin Haderthauer eingestellt worden. Ihr Ehemann dagegen muss sich jetzt vor Gericht verantworten.

Was wird Hubert Haderthauer vorgeworfen?

Der Mediziner Hubert Haderthauer steht von heute an wegen Betrugs und Steuerhinterziehung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 58-Jährigen vor, als geschäftsführender Gesellschafter der Firma "Sapor Modelltechnik" einem früheren Mitgesellschafter einen niedrigeren Unternehmenswert vorgetäuscht und ihn so um gut 84 000 Euro geschädigt zu haben.

Angestoßen wurde der Fall von dem früheren Geschäftspartner selbst, der Franzose Roger Ponton stellte Strafanzeige und löste damit das Ermittlungsverfahren aus, das schließlich zur Anklage führte.

Ex-Geschäftspartner belastet die Haderthauers

"Die haben mich bestohlen": Vor dem Untersuchungsausschuss im Landtag sagt Roger Ponton gegen seine ehemaligen Geschäftspartner, die Eheleute Haderthauer, aus. Seine eigene Rolle in der Modellbau-Affäre sieht der Franzose nicht ganz so kritisch. Von Dietrich Mittler mehr ...

Das mag nach einem recht gewöhnlichen Fall für die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II klingen. Doch hinter dem Prozess stecken langwierige Ermittlungen und eine bis heute nicht wirklich aufgeklärte Affäre um den Bau und Vertrieb von exklusiven Modellautos.

Worum geht es in der Modellbau-Affäre?

Hintergrund des Verfahrens gegen Hubert Haderthauer ist die sogenannte Modellbau-Affäre, über die seine Ehefrau Christine Haderthauer - die ehemalige Chefin der Bayerischen Staatskanzlei - stürzte: Die beiden waren bis 2008 nacheinander Miteigentümer des Unternehmens "Sapor Modelltechnik", das teure Modellautos verkaufte, die von Straftätern in der forensischen Psychiatrie gebaut wurden, erst im Bezirksklinikum Ansbach und später im niederbayerischen Straubing. Hubert Haderthauer hatte als damaliger Forensikarzt den Modellbau mit vorangetrieben. Bis zu seinem Ausscheiden aus der Firma im Jahr 2008 kümmerte er sich um den Verkauf der Modelle. Wichtigster Konstrukteur war ein verurteilter Dreifachmörder.

Die juristische und die politische Dimension

Juristisch geht es - inzwischen nur noch für Hubert Haderthauer - um den Verdacht auf Betrug und Steuerhinterziehung. Seine Ehefrau wird wohl mit einem Strafbefehl glimpflich davonkommen.

Politisch, also im Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags, geht es aber auch um ganz andere Fragen: Wie konnte es sein, dass ein Stationsarzt mit den Produkten von Patienten Geschäfte machte? Wie konnte es sein, dass Roland S. in Ansbach offenbar bevorzugt behandelt wurde? Wie ging es in dem Bezirkskrankenhaus damals insgesamt zu? Und: