Modellbau-Affäre Zeuge Roland S. belastet die Haderthauers

Der Dreifachmörder Roland S. sagt vor dem Untersuchungsausschuss Modellbau aus - und belastet das Ehepaar Haderthauer.

(Foto: dpa)
  • Roland S. gilt als Schlüsselzeuge in der Modellbau-Affäre um das Ehepaar Haderthauer. Nun sagt der Dreifachmörder vor dem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags aus.
  • Christine Haderthauer war im vergangenen Sommer als Staatskanzleichefin zurückgetreten, weil sie und ihr Mann Hubert die gemeinsam verantwortete Affäre um teure Modellautos, die Straftäter für sie bauten, nicht in den Griff bekamen.
Von Ingrid Fuchs

Was Roland S. zu Beginn sagt

"Vom ersten Bleistiftstrich bis zum Werkstattkehren war ich überall involviert": Was Roland S. vor dem Untersuchungausschuss Modellbau erzählt, verschlägt dem Vorsitzenden Horst Arnold (SPD) zwischendurch die Sprache. Jahrelang hat der verurteilte Dreifachmörder für die Firma Sapor Modellbau teure Luxus-Modellautos gebaut, so viel war bereits vorab bekannt. An diesem Freitag geht es im Bayerischen Landtag um die Rolle des inzwischen 77-jährigen Mannes in der ehemaligen Firma von Hubert und Christine Haderthauer.

Um 9.30 Uhr betritt S. den Sitzungssaal, er trägt ein graues Hemd, Jeans und mehrere Aktenordner. Mit rauer, aber klarer Stimme schildert er, wie die Idee zum Modellbau entstanden ist, damals Ende der 80er Jahre im Bezirksklinikum (BKH) Ansbach, wo er im Maßregelvollzug untergebracht war. Einen Therapieplan gab es damals nicht, "da gab es nichts außer Tütenfalten", sagt S.

Wie die Idee mit dem Modellbau aufkam

Also überlegte er zusammen mit anderen Patienten, ob es sinnvolle Alternativen gebe, schnell einigte man sich auf den Modellbau. Von Seiten der Klinik gab es keine Einwände, sofern es die Patienten selber schaffen würden, das Projekt auf die Beine zu stellen. Mit Hilfe verschiedener Unterstützer gelang das auch, unter ihnen: Hubert Haderthauer, zu jener Zeit Arzt am BKH.

Streit um ein ganz spezielles Modellauto

Die Modellbau-Affäre schlägt sich in einem weiteren Prozess nieder: Vor dem Landgericht München klagt nun der Straftäter Roland S. gegen seinen ehemaligen Arzt Hubert Haderthauer. Von Dietrich Mittler mehr ...

S., dem man seine 77 Jahre kaum anmerkt, beschreibt seine umfassenden Aufgaben beim Modellbauprojekt, de facto war er dessen Leiter. Haderthauer habe ihm viele Freiheiten gewährt - zu geschäftlichen Zwecken. Messe- oder Restaurantbesuche, ein Ausflug auf eine Jagdhütte, Alkoholkonsum und fast täglichen Führungen durch die Arbeitsräume im Bezirkskrankenhaus: "So geschlossen war das damals noch nicht."

Immer wieder hakt der Ausschussvorsitzende zur Rolle der Haderthauers nach. Warum ist Hubert Haderthauer sofort in das Modellbau-Projekt eingestiegen? "Aus wirtschaftlichem Interesse", macht S. klar. Wusste Christine Haderthauer darüber Bescheid, was in der Firma los war? "Sie war bei unseren Besprechungen dabei."

Wie die Grünen die Aussagen von S. bewerten

Die frühere Ministerin Haderthauer konnte sich bislang an kein Abendessen mit dem Straftäter erinnern. S. berichtet hingegen, dass ihm Haderthauer bei dieser Gelegenheit das Du angeboten habe - und es mehrere Treffen gegeben habe. Neu ist für die Mitglieder des Untersuchungsausschusses auch, dass Haderthauer bei dem Jagdausflug in Frankreich dabei gewesen sein soll.

Belastende Aussagen, befindet die Grünen-Politikerin Ulrike Gote in einer kurzen Sitzungspause. Für sie ist klar: Christine Haderthauer spielte eine aktive Rolle. Was Gote aber auch betont: Die Zustände in der Psychiatrie, wie sie der Zeuge schildert, sind nicht hinnehmbar und müssen nochmal eigens zum Thema gemacht werden.

Wer ist Roland S.?

Roland S. ist ein psychisch kranker Straftäter, der seit dem Jahr 1988 in der Psychiatrie sitzt. Er hat zwischen 1971 und 1985 drei Menschen ermordet. Und er ist der Mann, der im Auftrag der Haderthauers die wertvollen Oldtimermodelle schuf, die diese dann teuer verkauften.

Inzwischen hat S. seinen früheren Arzt Hubert Haderthauer gleich zweimal verklagt: Ein Zivilprozess hat am Mittwoch am Münchner Landgericht begonnen. Es geht dabei um ein Modellauto, von dem S. sagt, er habe es seinem damaligen Arzt "zur Sicherheit" überlassen - dieser habe es dann aber ohne sein Wissen oder seine Einwilligung verkauft.

In einem anderen Prozess vor dem Oberlandesgericht Nürnberg geht es um die Frage, ob die Verlegung von Roland S. vom Bezirksklinikum Ansbach nach Straubing rechtmäßig war.

Ex-Geschäftspartner belastet die Haderthauers

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Auch politisch könnte dieser Schritt heikel gewesen sein: Im Sozialminsterium, das für die Bezirkskrankenhäuser zuständig ist, bestanden erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verlegung - sowohl was die Angemessenheit für die Person S. als auch die wesentlich höheren Kosten für die Unterbringung betrifft. Kurz nach ihrer Ernennung zur Sozialministerin soll Christine Haderthauer ein entsprechendes Schreiben erhalten haben - das Verschwinden dieses Dokuments war bereits Thema im Untersuchungsausschuss.