Modellbau-Affäre um Haderthauer Angetrieben vom Geld

Immer wieder wird Hubert Haderthauer als Schöpfer der Automodelle genannt. Er sagt, das gehe nicht auf seine Initiative zurück.

(Foto: Hase/dpa)

Immer mehr deutet darauf hin, dass es den Haderthauers weniger ums Soziale, als vielmehr ums Geschäft ging. Die Frage, wo wie viel Geld hängen blieb, dürfte mitentscheiden, ob es der bayerischen Staatskanzleichefin gelingt, ihren Kopf zu retten.

Von Frank Müller

Dem britischen Hochglanzmagazin Octane ist das Beste gerade gut genug, wenn es um edle Autos und schnelle Motoren geht. Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe prangen die Namen Ferrari und Morgan. Zwei Lotus-Flitzer zischen förmlich aus dem Heft, zu seinen Autoren zählt das Magazin Motorsport-Freaks wie die Talkshowlegende Jay Leno oder den Schlagzeuger von Pink Floyd, Nick Mason.

Im Innenteil gibt es etwas anderes Edles zu bestaunen. Ein Motorblock des mehr als 100 Jahre alten Mercedes Simplex, im mittlerweile berühmten Format 1:8 nachgebaut, ist auf einer Doppelseite hochklassiger Auto-Accessoires angeboten für 3000 britische Pfund (etwa 3700 Euro). Es handele sich um ein von Hubert Haderthauer selbst gebautes Exemplar, schreibt der Autor. Seine unschuldigen englischen Sätze lesen sich in Bayern wie blanker Hohn: "Obwohl 3000 Pfund happig erscheinen mögen, dürften sie trotzdem nicht ausreichen für die Zahl der Arbeitsstunden, die in dieses aufregend detaillierte, betriebsbereite 1:8-Modell eines 1904er Simplex Motors flossen."

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Das ist genau der Punkt. Wie man in Bayern, aber nicht überall in England weiß, handelt es sich um Straftäter, die dieses und andere Modelle seit mehr als zwei Jahrzehnten in bayerischen Anstalten basteln. Zwar wird auf Auktionswebseiten so wie bei Octane immer mal wieder fälschlicherweise Hubert Haderthauer, der Mann der bayerischen Staatskanzleichefin, als Schöpfer der Werke genannt.

Das gehe nicht auf seine Initiative zurück, hat Haderthauer schon früher betont. Andererseits ist auch sein früherer amerikanischer Geschäftspartner Gary Kohs davon ausgegangen, Haderthauer baue selbst: "Ich dachte, der hat drei oder vier Mitarbeiter und einen kleinen Laden und da bauen die die Dinger zusammen", sagte er vergangene Woche im ARD-Magazin Report Mainz.

Viele Fragen, wenig Antworten

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Doch die Haderthauers waren mit ihrer Firma Sapor Modelltechnik auf der anderen Seite der Wertschöpfungskette. Sie vertrieben und verkauften die Modelle, die sie billig einkaufen konnten in den Bezirkskliniken Ansbach und Straubing. Die Frage, wo wie viel Geld hängen blieb bei den phantastischen Miniatur-Oldtimer-Geschäften, ist eine der wichtigsten bei der Aufklärung der Modellbauaffäre. Sie dürfte mitentscheiden darüber, ob es Christine Haderthauer gelingt, ihren Kopf zu retten.